Kongressnachlese mit Präsentationen zu Whistleblowing

Im November veranstaltete die dbb-Akademie in Köln einen internationalen Kongress zum Thema „Korruptionsprävention in der Krise?“. Teil war auch ein Workshop zum Thema Whistleblowing mit den Referenten Björn Rhode-Liebenau (RCC) und Cathy James (pcaw). Deren Präsentationen sind jetzt auf der Webseite der dbb-Akademie verfügbar. Interessant ist die in einem Papier von Herrn Rhode-Liebenau zu findende These, wonach Whistleblowing in nahezu 99% der Fälle erfolgreich, meist aber unsichtbar ist sowie, dass somit wohl erstmals Inhalte der Broschüren der britischen Whistleblower Organisation Public Concern at Work (pcaw) in deutscher Sprache vorliegen.

PwC-Studie: Kriminalität im öffentlichen Sektor 2010

PwC hat gemeinsam mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine Studie zur Kriminalität im öffentlichen Sektor 2010 vorgelegt. Grundlage ist die Befragung von 500 repräsentativen Behördenvertretern von Bund, Ländern und Kommunen. Das Thema Whistleblowing bzw. Hinweisgeber spielt demnach eine wichtige Rolle bei der Aufklärung und Prävention. So zeigt die Studie u.a. dass 36% der Erstentdeckungen von Korruptionsdelikten im öffentlichen Sektor auf interne- und 30% auf externe-Hinweisgeber zurückgehen, während alle anderen Wege und Kontrollinstrumente zusammen sich das dritte Drittel teilen. Dabei schlagen Hinweisgebersysteme in jenem letzten Drittel  mit 3% zu Buche. Die Entdeckung von Korruptionsdelikten im öffentlichen Sektor geht also schon heute zu mehr als 2/3 auf Whistleblower zurück.

Andererseits kümmern sich viele Behörden noch viel zu wenig um das Thema Whistleblowing und Hinweisgeber. Dies wird – neben dem von PwC in der Studie nicht thematisierten fehlenden rechtlichen Schutz – auch an der geringen Verbreitung von Hinweisgebersystemen (Hotlines, webbasierte Systeme oder Ombudsleute) deutlich. Diese finden sich insgesamt erst in 28% aller Behörden. Für die Privatwirtschft hatte PwC 2009 insoweit immerhin  Quote von 34% ermittelt, während in Kommunalbehörden, Universitäten und Unikliniken der Prozentsatz  sogar nur 23 % beträgt. Den ganzen Beitrag lesen

Buchbesprechung: Goers – Der Obudsmann als Instrument unternehmensinterner Kriminalprävention

Die vorliegende juristische Promotion aus dem Jahre 2009, die angesichts vieler Schachtelsätze ähnlich schwierig lesbar ist wie die folgenden Ausführungen des Rezensenten, widmet sich laut ihrem Untertitel der „Frage nach der Gestaltung des Vertrautraulichkeitspostulats anwaltlicher Ombudsmänner mit Wirkung für das Strafverfahren“. Oder einfacher formuliert: „Handeln anwaltliche Ombudsmänner als ‚Rechtsanwälte‘ im Sinne des § 53 I 1 Nr. 3 StPO?“.

Bevor er sich dieser Frage zuwendet beschreibt Goers zunächst jedoch die Bedeutung von Insiderwissen zur Prävention und Aufklärung von Wirtschaftskriminalität und die Notwendigkeit spezieller Präventionsmechanismen, die auch durch Unternehmen bereitgestellt werden könnten und auch aus kriminologischer Sicht (zusätzliche Sozialkontrolle durch sensibilisierte Hinweisgeber) sinnvoll seien.

Vertraglich beruhe die Einschaltung eines Ombudsmanns auf einem Vertrag des Unternehmens (Mandant) mit einem Rechtsanwalt(Ombudsmann)  zugunsten Dritter (i.S.v. § 328 BGB), nämlich des Hinweisgebers. Aus jenem Vertrag erhalte dann der Hinweisgeber das Recht die Beratungsleistungen des Anwaltes in Anspruch zu nehmen, ohne dadurch selbst zum Mandant zu werden. Mit jenem Vertrag zwischen Ombudsmann und Unternehmen werde darüber hinaus typischer Weise zivilrechtlich eine Verschwiegenheitsverpflichtung des Anwaltes sowohl implizit (Treupflicht des Anwalts gegenüber seinem Mandanten) als auch explizit (Vereinbarung dass die Weitergabe von Informationen nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Hinweisgebers erlaubt ist) wirksam begründet. Den ganzen Beitrag lesen

Buchbesprechung: Korte – Die Information des Aufsichtsrats durch die Mitarbeiter

Der Grund warum diese juristische Promotion Eingang in dieses Blog findet, wird im Untertitel deutlich: „Whistleblowing und Mitarbeiterbefragung als Mitel zur Verbesserung der Informationsasymetrien in der AG“. Es geht also u.a. darum der Frage nachzugehen, ob Whistleblowingförderung nicht eigentlich auch durch die Aufsichtsräte von Aktiengesellschaften betrieben werden sollte?

Würden diese dann nicht zukünftig besser und vor allem früher mitbekommen, was im Unternehmen wirklich läuft, ohne allein auf diejenigen Informationen angewiesen zu sein, die ihnen der Vorstand zur Verfügung stellt. Und böte ein solches System nicht auch eine Chance einerseits das – auch von den meisten Whistleblowern selbst präferierten – interne Whistleblowing zu fördern und dabei gleichzeitig eine gesteigerte Unabhängkeit der Nachprüfung des Whistleblowervorbringens von den Managementinteressen des Vorstandes zu gewährleisten?

Wie schon die Zwischenüberschrift „Whistleblowing als Chance für die Unternehmen“ zeigt erkennt die Autorin das Potentialvon Whistleblowing durchaus. Mehr noch, es findet sich auch Aussagen wie: „Nur wenn den Beschwerden nachgegangen wird und die Whistleblower ein Feedback bekommen, nutzt das Unternehmen die Mitarbeiter als ihm zur Verfügung stehende Ressource optimal“ oder „Kann er [der Whistleblower] davon ausgehen, dass seine Enthüllungen nicht nur gehört werden, sondern, dass auch geeignete Gegenmaßnahmen erfolgen, wird er den Missstand aufdecken“, „Geht er davon aus, dass seine Enthüllung keinen Erfolg haben wird, schweigt er“. Den ganzen Beitrag lesen

Umfrageergebnisse zu Kosten und Nutzen von Ombudssystemen

RCC Risk Communication Concepts hat soeben die Ergebnisse einer Online-Umfrage veröffentlicht, an der sich im Juni 2010 knapp 100 Nutzer beteiligt haben. Dabei sprachen sich 95% der Teilnehmer allgemein für Whistleblower-System und 82% für einen Whistleblower-Ombudsmann aus, zugleich wünschten sich aber auch 45% vor allem die Unterstützung der Geschäftsleitung. Weitere, wenn auch nicht repräsentative, so doch interessante, Zahlen und Infos finden sich in der Presseerklärung von RCC.