Dem deutschen Volke: Fensterreden statt Whistleblowerschutz

BundestagAn der Bundestagsdebatte (Video ab 2:41:00; Plenarprotokoll ab S. 6018) zu dem von den Grünen eingebrachten Gesetzentwurf Entwurf eines Gesetzes zur Förderung von Transparenz und zum Diskriminierungsschutz von Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern (Whistleblower-Schutzgesetz – BT Drs. 18/3039) sowie dem Antrag der LINKEN-Fraktion “Gesellschaftliche Bedeutung von Whistleblowing anerkennen – Hinweisgeberinnen und Hinweisgeber schützen” (BT-Drs. 18/3034) erstaunte weniger die Ergebnislosigkeit als die Chuzpe, mit der von den Rednern der Regierungsfraktionen Halbwahrheiten und Lippenbekenntnisse (die wir in unserem Faktencheck analysiert haben) unter das deutsche Volk gebracht wurden. Tenor: Whistleblower sind in Deutschland hinreichend geschützt, es besteht kein Handlungsbedarf (CDU/CSU). Das müssen wir, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, noch weiter prüfen (SPD). Allerdings bemerkte eine der SPD-Rednerinnen selber, „dass Prüfaufträge eigentlich Stillstand bedeuten“ (W. Wolff).

Stillstand seit 7Jahren, als der erste Gesetzentwurf zum Whistleblowerschutz der Bundesministerien für Justiz, Arbeit und Soziales (SPD) sowie Ernährung Landwirtschaft, und Verbraucherschutz (CDU/CSU) vorgelegt und am Ende der Legislaturperiode von den Arbeitgeberverbänden und den Regierungsfraktionen selber wieder versenkt wurde. Und die Folgen? Den ganzen Beitrag lesen

Dem deutschen Volke: Faktencheck zum Whistleblowerschutz

Im folgenden Faktencheck setzen wir uns mit den Aussagen aus den Redebeiträgen der CDU/CSU-Fraktion zur Bundestagsdebatte über Whistleblowing am 7. November 2014 auseinander:

 CDU_CSU Aussage 1:
Die geltende Rechtslage gewährleistet bereits den Schutz von Whistleblowern.
 Ampel_Faktencheck_rot_orange Diese Aussage ist weitgehend unzutreffend. Richtig ist, dass es schon heute einige Rechtsnormen gibt, aus denen in bestimmten Konstellationen ein gewisser Schutz von Whistleblowern hergeleitet werden kann. Die Rechtsprechungspraxis und die von uns dokumentierten Fälle zeigen jedoch, dass dieser Schutz insgesamt nicht ausreicht, dass zu viele Lücken existieren, zu viele Fallstricke und zu hohe Beweisanforderungen und dass die Gerichte häufig die Arbeitgeberinteressen höher bewerten als jene des Whistleblowers und der Allgemeinheit. MdB Oellers (CDU/CSU) selbst bestätigt dies in seiner Rede mit der Eingangsaussage zu Whistleblowern: „Sie gehen ein hohes Risiko ein“. Stünde ausreichender Schutz durch die Rechtsordnung zur Verfügung, käme man wohl kaum zu jener – zutreffenden – Situationsbeschreibung.
 CDU_CSU Aussage 2:
Es gibt ein allgemeines Anzeigerecht des Arbeitnehmers gegenüber seinem Arbeitgeber. Dieses Anzeigerecht ist von den Arbeitsgerichten wiederholt bestätigt worden, so dass die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses rechtswidrig ist, wenn sie mit der Ausübung des Anzeigerechts begründet wird.
 Ampel_Faktencheck_orange Diese Aussage ist irreführend. Es gibt zwar in der Rechtsprechung Fälle, in denen ein Recht zur Anzeige bejaht wurde, ein solches Recht ist jedoch weder gesetzlich verankert, noch sind seine Voraussetzungen klar festgelegt, noch sind jene Voraussetzungen selbst für einen rechtlich informierten und vorausschauend agierenden Arbeitnehmer einfach zu erfüllen.
Die Verwendung des Adjektivs „allgemein“ versucht jedoch, all dies zu insinuieren.
 CDU_CSU Aussage 3:
Der Schutz der Whistleblower in Deutschland ist rechtssicher.
 Ampel_Faktencheck_rot Diese Aussage ist völlig unzutreffend. Rechtssicherheit würde im Idealfall voraussetzen, dass jedermann vorab wissen und damit planen kann, ob und wenn ja, unter welchen Voraussetzungen welche Form von Whistleblowing zulässig oder unzulässig ist. Dass dies nicht der Fall ist, belegen nicht nur die leidvollen Erfahrungen vieler Arbeitnehmer, sondern v.a. die Rechtsprechung. Es gibt zahlreiche Fälle, in denen selbst die Gerichte unterschiedlicher Instanzen bei der rechtlichen Beurteilung des gleichen Falles zu völlig gegensätzlichen Ergebnissen gelangen. So hat z.B. im Fall Heinisch die erste Instanz zu Gunsten der Arbeitnehmerin entschieden. Die Instanzen 2-4 gegen sie und erst die 5. Instanz, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, wieder zu ihren Gunsten.
 CDU_CSU Aussage 4:
Eine Einzelfallentscheidung ist erforderlich, da die Sachverhalte in aller Regel komplex und äußerst differenziert zu beurteilen sind. Eine umfangreiche Abwägung aller Interessen ist somit unumgänglich. Diese ist von den Gerichten vorzunehmen. Das sieht unser Rechtssystem nun einmal so vor.
 Ampel_Faktencheck_rot.organe Diese Aussage enthält zwei Bestandteile und ist bezüglich beider weitgehend unzutreffend. Unser Rechtssystem überlässt Abwägungsentscheidungen keineswegs ausschließlich den Gerichten. Es erkennt selbst in Konstellationen, in denen sich zwei Grundrechte gegenüberstehen, einen Entscheidungsspielraum des Gesetzgebers in der Frage an. wie er hier praktische Konkordanz herstellen und beiden Grundrechte Rechnung tragen will. Gesetze treffen daher in sehr vielen Fällen Vorgewichtungen für Abwägungsentscheidungen, die von den Gerichten zu beachten sind. Auch gesetzliche Beweislastregelungen sind möglich und führen zu ähnlichen Steuerungen. Was die Erforderlichkeit von Einzelfallentscheidungen im Bereich einer Whistleblowing-Gesetzgebung angeht, so würde z.B. das in den Gesetzentwürfen von Whistleblower-Netzwerk e.V. und SPD vorgesehene Recht, sich in jedem Fall auch direkt an „zuständige staatliche Stellen“ wenden zu dürfen, in jenem sehr wesentlichen Bereich jegliche Abwägung unnötig machen. Auch im Bereich des öffentlichen Whistleblowings steht es dem Gesetzgeber frei, dieses unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. kein Schutz von rechtswidrigen Geheimnissen, Zulässigkeit nach vorherigem unrechtmäßigem Umgang mit internem Whistleblowing) auch ohne Abwägung zu ermöglichen. Geschähe dies, so verbliebe nur noch ein kleiner Bereich von öffentlichem Whistleblowing, bei dem eine Abwägungsentscheidung zu treffen wäre. Selbst diese könnte der Gesetzgeber durch Benennung besonders schutzwürdiger Gemeinschaftsgüter und Beweiserleichterungen zu Gunsten der Whistleblower vorstrukturieren.
 CDU_CSU Aussage 5:
Mit den in Deutschland bestehenden Rechtsvorschriften werden sowohl die Empfehlungen der G20-Staaten als auch des Europarates, den Schutz von Hinweisgebern zu gewährleisten, erfüllt.
 Ampel_Faktencheck_rot Diese Aussage ist völlig unzutreffend. Die Empfehlungen der G20-Staaten werden konkretisiert durch das im Anhang einer OECD Studie wiedergegebene „G20 COMPENDIUM OF BEST PRACTICES AND GUIDING PRINCIPLES FOR LEGISLATION ON THE PROTECTION OF WHISTLEBLOWERS“. In Deutschland wird gegenwärtig keines der dort enthaltenen sechs Leitprinzipien erfüllt. Es gibt weder eine klare gesetzliche Regelung und einen effektiven institutionellen Rahmen, noch eine klare Definition der geschützten Meldungen, noch einen umfassenden und robusten Schutz z.B. bei Mobbing, noch werden leicht zugängliche Kanäle zum Whistleblowing bereitgestellt, noch gibt es Untersuchungsstellen, die Beschwerden über Whistleblower-Diskriminierungen nachgehen. Weiter gibt es keine Politik, die Whistleblowing pro-aktiv und durch Informationskampagnen, Schulungen und Evaluationen unterstützen.Auch den Anforderungen der Europaratsempfehlung CM/Rec(2014)7 (bei deren Auslegung das zugehörige Memorandum zu berücksichtigen ist), genügt die gegenwärtigen Rechtslage in Deutschland nicht. Der Europarat verlangt, um nur einige der in Deutschland nicht gewährleisteten Anforderungen zu nennen, Regelungen, die: Whistleblowing erleichtern; Whistleblower im öffentlichen und privaten Sektor auch vor und nach dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis,schützen; die zügige Untersuchung von Hinweisen und Vorgaben für Reaktionen auf Hinweise vorsehen; zur Einrichtung interner Hinweisgebersysteme ermuntern, aber zugleich auch zur Meldung an zuständige öffentliche Stellen ermutigen; Vertraulichkeit von Whistleblowing sicherstellen; den Schutz vor jeglichen Repressalien, auch durch Kollegen, beinhalten; Beratungsangebote für Whistleblower und eine aktive politische Förderung einer Kultur des Whistleblowings im öffentlichen Interesse unterstützen. Nichts von alledem ist derzeit in Deutschland existent.
 CDU_CSU Aussage 6:
Es war die einhellige Meinung der Sachverständigen in der öffentlichen Anhörung zum Thema ‚gesetzlicher Whistleblowerschutz‘ vom 5. März 2012, dass die bisherige Rechtslage den Schutz von Whistleblowern gewährleistet.
 Ampel_Faktencheck_rot Diese Behauptung ist offensichtlich falsch. Der Vertreter des Whistleblower-Netzwerk e.V., Guido Strack, legte sowohl während der mündlichen Anhörung als auch in seinem umfangreichen schriftlichen Gutachten umfassend dar, dass der Schutz von Whistleblowern in Deutschland völlig unzureichend ist. Auch andere Sachverständige befürworteten eine gesetzliche Regelung weil die bisherige Rechtslage Defizite aufweise, so z.B. Prof. Dr. Jens M. Schubert, Prof. Dr. Martin Henssler und Bundesverwaltungsrichter Dr. Dieter Deiseroth. Schließlich gab es auch eine entsprechende schriftliche Stellungnahme des DGB.
 CDU_CSU Aussage 7:
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte „in Brüssel“ hat im Fall Heinisch exakt die selben Maßstäbe angewandt, wie das Arbeitsgericht in erster Instanz, das Landesarbeitsgericht und das Bundesarbeitsgericht. Er kam nur aufgrund einer anderen Gewichtung zu einem anderen Urteil.
 Ampel_Faktencheck_rot.organe Diese Aussage ist wiederum weitgehend unzutreffend. Zunächst einmal hat jenes Gericht seinen Sitz in Straßburg. Richtig ist dann zwar, dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Fall Heinisch die Maßstäbe der deutschen Arbeitsgerichte nicht völlig verworfen hat. Er hat jedoch mindestens in drei Punkten neue Maßstäbe hinzugefügt, die in Deutschland von den die Klage der Frau Heinisch ablehnenden Entscheidungen nicht berücksichtigt wurden. Erstens wurde in Rn. 61 des EGMR Urteils entgegen der deutschen Rechtsprechung die Information zuständiger Stellen oder Einrichtungen, also auch von Behörden, als grundsätzlich in erster Linie zulässig betrachtet. Zweitens hat der EGMR in Rn. 83 den guten Glauben der Whistleblowerin vorausgesetzt und etwaige eigennützige Begleitmotive als unbeachtlich angesehen. Vor allem aber hat der EGMR sich drittens nicht auf eine bloße Abwägung von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerinteresse beschränkt, sondern, ebenfalls im Gegensatz zu den deutschen Klageabweisungen, „das Interesse der Allgemeinheit, über Defizite bei der institutionellen Altenpflege in einem staatlichen Unternehmen informiert zu werden“ in den Mittelpunkt seiner Abwägung gestellt.
 CDU_CSU Aussage 8:
Whistleblowerfälle haben eine höchstpersönliche, menschliche Seite wir werden gesundes Betriebsklima niemals gesetzlich verordnen können; oft bleibt auch bei einer rechtswidrigen Kündigung nur eine Abfindung gegen Akzeptanz der ordentlichen Kündigung.
 Ampel_Faktencheck_rot Diese Aussage beschreibt eine Kapitulation des Rechtsstaates. Es ist in der Tat ein in der deutschen Arbeitsrechtspraxis häufig anzutreffendes Phänomen, dass eigentlich rechtswidrige Kündigungen gegen eine Abfindung im Vergleichswege akzeptiert werden. Dies ist im Interesse des Richters, der kein Urteil zu schreiben braucht und auch der Anwälte, die in diesem Fall höhere Gebühren erzielen können. Oft liegt solchen Vergleichen zu Grunde, dass das Gericht eine klare Positionierung hinsichtlich der Rechtswidrigkeit der Kündigung im Verfahrensverlauf vermeidet, der Kündigungsschutzkläger also lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach annimmt. Hinzu kommt die Regelung des § 9 Abs- 1 S. 2 KSchG, die eine gerichtliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses trotz rechtswidriger Kündigung bei Unzumutbarkeit der Fortführung für den Arbeitgeber zulässt. Whistleblower-Netzwerk fordert seit langem, jene Regelung entweder ganz abzuschaffen oder jedenfalls im Falle von Whistleblowing für unanwendbar zu erklären. Darüber hinaus schließen wir uns den Forderungen von G20 und Europarat an, wonach es Aufgabe der Politik ist, einen Einstellungswandel zugunsten von Whistleblowing zu fördern. Wenn ein Gesetz auch Unterstützer von Whistleblowern schützen und Arbeitnehmer zu pro-aktiven Schutzmaßnahmen anhalten würde, könnte die derzeitige Diffamierung von Whistleblowern als Nestbeschmutzer oder gar als „Blockwarte“ (so im Jahre 2011 Wolfgang Kauder) überwunden werden. Gehen müsste dann nicht mehr der Whistleblower, sondern diejenigen, die seinen Schutz untergraben und ihn diskriminieren. D a s würde zu einem besseren Betriebsklima und zu einem rechtskonformeren Verhalten im Betrieb führen. Dies sollte doch eigentlich auch im Interesse der CDU/CSU sein.
 CDU_CSU Aussage 9:
Wenn man den Vorschlägen der Grünen folgt, müsste derjenige, dem ein Fehlverhalten vorgeworfen wird, zukünftig beweisen, dass der Whistleblower die Unwahrheit sagt.
 Ampel_Faktencheck_orange Diese Aussage ist irreführend. Sie spielt damit, dass hier die für einen Rechtsstaat essentielle Unschuldsvermutung umgekehrt würde, der Betroffene also seine Unschuld und die Fehlerhaftigkeit der Anschuldigungen nachweisen müsste. Zu beachten ist hier aber, dass für die Feststellung der Frage der Rechtswidrigkeit des Verhaltens des Beschuldigten oder gar für seine strafrechtliche Verantwortung die Unschuldsvermutung natürlich auch weiterhin gilt. Die von den Grünen vorgeschlagene Beweisverteilung entspricht jener die nach § 22 AGG bereits heute für andere Diskriminierung gilt und will lediglich verhindern, dass z.B. im Falle einer Kündigung wegen rechtmäßigen Whistleblowings einfach ein anderer Kündigungsgrund vorgeschoben werden kann. Selbst eine weitergehende Beweislastumkehr, die auch die Tatbestandsvoraussetzungen des Whistleblowings erfassen würde, würde immer nur den Schutz des Whistleblowers betreffen und die Möglichkeiten zu dessen Sanktionierung einschränken, nämlich vom Nachweis der Bösgläubigkeit des Whistleblowers abhängig machen. Auch in diesem Falle würde damit keinerlei Aussage darüber getroffen, ob dessen Aussagen zutreffend sind oder nicht. Wenn Whistleblowing notwendig ist, um eine Prüfung auf mögliche Rechtsbrüche und Gefahren für öffentliche Interessen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass der Hinweisgeber dabei nicht das Risiko tragen muss, dass seine Aussagen in allen Punkten erweislich wahr sind.
 CDU_CSU Aussage 10:
Auch für Hinweisgeber, die Verschwiegenheitspflichten unterliegen, gibt es gesetzliche Schutzregelungen. So ist an dieser Stelle insbesondere auf die Regelungen des Bundesbeamtengesetzes und des Beamtenstatusgesetzes hinzuweisen. Zu erwähnen ist ebenfalls, dass viele Betriebe freiwillig Möglichkeiten zur Meldung von Missständen eingeführt haben.
 Ampel_Faktencheck_orange Diese Aussage ist irreführend. Die bisherigen beamtenrechtlichen Regelungen beziehen sich explizit nur auf ganz wenige Straftaten nach den §§ 331-337 des Strafgesetzbuches (aktive und passive Vorteilsgewährung und Bestechung). Sie sind außerdem keine Schutzregelungen, sondern nur Ausnahmen von der Verschwiegenheitspflicht. Darüber hinaus gibt es bisher keine klaren Regelungen, die beamtenrechtliche Verschwiegenheitspflichten begrenzen. Daher darf ein Beamter bisher andere Straftaten im dienstlichen Kontext allenfalls seinem Dienstherrn mitteilen, aber nicht selbst zur Anzeige bringen. Tut er es doch, riskiert er derzeit disziplinarrechtlich und sogar strafrechtlich zur Verantwortung gezogen zu werden, erst recht, wenn es um Staatsgeheimnisse geht. Gerade dies zu ändern war eines der neuen Elemente der Vorschläge von Whistleblower-Netzwerk und der Grünen aus 2014. Betriebliche Hinweisgebersysteme ermöglichen keine externe Kontrolle und schränken die Verschwiegenheitspflichten somit gerade nicht ein, da letztlich immer nur der Arbeitgeber Kenntnis erhält und über die Verwertung der Informationen entscheidet.

Whistleblowerinnen aus der Altenpflege und ihr Tag vor Gericht

20141119_144125Wer uns auf Facebook oder Twitter folgt, hat vielleicht schon mitbekommen, dass im Sommer gleich 11 Altenpflegerinnen von einem Altenheim in Dorsten gekündigt worden waren, nachdem sie die Heimaufsicht auf ihrer Ansicht nach in jenem Heim bestehende Missstände hingewiesen hatten. Wiederholte sich der Fall von Brigitte Heinisch hier gleich elffach? Am Mittwoch stand für drei der Altenpflegerinnen der Kammertermin vor dem Arbeitsgericht in Herne an. Whistleblower-Netzwerk war durch einen Prozessbeobachter vertreten.

Schon gleich zu Beginn der Sitzung machte die vorsitzende Richterin ihren Standpunkt unmissverständlich deutlich: Jene Altenpflegerin, die  – fristgemäß –  noch in der Probezeit gekündigt worden war, treffe die volle Nachweispflicht, dass ihre Kündigung sittenwidrig sei oder gegen das Maßregelungsverbot des § 612a BGB verstoßen worden sei. Bis jetzt sei dieser Nachweis zur Überzeugung des Gerichts noch nicht erbracht worden. Für die beiden anderen Klägerinnen, die sich mit einer Kündigungsschutzklage gegen ihre fristlosen Kündigungen wendeten, sei auf die Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) und des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte  (EGMR) zum „neudeutsch so genannten Whistleblowing“ abzustellen. Hier käme es dann vor allem darauf an, ob die Klägerinnen – und hierbei sei jeder Fall einzeln zu betrachten – wie von der Rechtsprechung gefordert, zunächst ordnungsgemäß intern auf mögliche Missstände hingewiesen hätten. Könnten sie dies nicht nachweisen, so sei die von ihnen vorgenommene Meldung an die Heimaufsicht, auch wenn es sich dabei nicht um einen Gang an die breite Öffentlichkeit handele, verfrüht und damit eine arbeitsrechtliche Pflichtverletzung gewesen. Mit dem EGMR-Urteil Heinisch sei der vorliegende Fall dann nicht vergleichbar, denn Frau Heinisch habe sich mehrfach um interne Abhilfe bemüht, bevor sie nach außen gegangen sei. Was die behaupteten Missstände anging, hielt die Richterin den Klägerinnen auch noch entgegen, diese bisher nicht spezifisch genug vorgetragen zu haben. Nötig seien hier ganz konkrete Schilderungen individueller Vorkommnisse mit Benennung des Zeitpunktes und der jeweils Beteiligten, deren Wahrheitsgehalt dann vom Gericht nachgeprüft werden könne. Den ganzen Beitrag lesen

Eröffnung der Fotoausstellung im Bezirksamt Hamburg Eimsbüttel

Whistleblower in Deutschland“ – „Sie wollen Whistleblower werden? Hoffentlich sind Sie kerngesund!“

Initiiert durch das Whistleblower Netzwerk und in gelungener Kooperation mit Transparency International, genauer der Regionalgruppe Schleswig Holstein und Hamburg fand 29. September, unter reger Beteiligung und lebhafter Diskussion mit dem Publikum, die Eröffnung der Fotoausstellung im Foyer des Bezirksamtes statt.

Der stellvertretende Vorsitzende des Bezirksparlamentes, Niels Böttcher von der CDU fand ermutigende Worte zum Thema Whistleblowing und dem Thema Zivilcourage.

 

Prof. Dr. Johannes Ludwig, widmete sich in seiner Ansprache ansatzweise den internationalen und auch in den Medien viel beachteten Whistleblower Fällen, aber auch und vor allem den Fällen vor Ort, also jenen mutigen und oft weitgehend unbekannten Whistleblowern in Deutschland, die unter großem persönlichen Mut auf Missstände hinweisen und dafür viele Nachteile in Kauf nehmen.

 


Inge Hannemann, sprach anschließend über ihre persönlichen Erfahrungen, den großen persönlichen Druck dem sie permanent ausgesetzt sei, die Auswirkungen auf Ihre Gesundheit sowohl physisch  als auch psychisch. Den ganzen Beitrag lesen

Einladung zur Fotoaustellung im Bezirksamt Hamburg Eimsbüttel: ‚Whistleblower in Deutschland‘

Das Whistleblower-Netzwerk zeigt – in Kooperation mit der Regionalgruppe Hamburg von Transparency International sowie dem DokZentrum ansTageslicht.de an der HAW Hamburg  vom 29.9. -14.10. im Foyer des Bezirksamtes Eimsbüttel (Grindelberg 66, 20144 Hamburg) die Fotoausstellung  „ Whistleblower in Deutschland“. Am Montag den 29.9. findet um 18:00 Uhr eine Eröffnungsveranstaltung statt. Die Ausstellung ist danach Mo-Fr von 8:00 – 17:00 Uhr kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie findet sich auch online  auf der Website des Whistleblower-Netzwerks unter www.whistleblower-net.de/ausstellung.

Anhand von 25 Beispielen, die jeweils mit einem großformatigen Portrait des Berliner Fotografen Petrov Ahner und einem erläuternden Text versehen sind, zeigt die Ausstellung, dass Whistleblower in Deutschland nach wie vor sehr hohe Risiken eingehen, wenn sie auf ungelöste Probleme, Missstände, Korruption oder Gefahren aufmerksam machen. Dies endet häufig im Verlust der Arbeitsplatzes und damit der finanziellen sowie gesundheitlichen Existenz.

Beispiel: Der Fall der ehemaligen Tierärztin Dr. Magrit Herbst, die in den 90er Jahren auf BSE-Probleme im Schlachthof Bad Bramstedt aufmerksam gemacht hatte. Sie wurde gekündigt und fristet seither ihr Leben als mittellose Rentnerin. Ihr Fall ist in der Ausstellung dokumentiert. Sie wird bei der Eröffnung anwesend sein und kämpft noch heute um ihre Rehabilitierung. Der betreffende Schlachthof wurde in diesem Jahr für mehrere Wochen geschlossen, nachdem ein anderer Whistleblower auf mögliche Verstöße gegen den Tierschutz hingewiesen hatte. Außerdem bestätigte gerade auch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtages von Schleswig-Holstein den unzureichenden Schutz von Whistleblowern auch im Öffentlichen Dienst. Den ganzen Beitrag lesen