Buchbesprechung: Umgang mit Mitarbeiterhinweisen – Handlungsempfehlungen für Sicherheitsverantwortliche

Der in der Steinbeis-Edition erschienene Band wendet sich ursprünglich an Studierende des Studienganges Sicherheitsmanagement der Steinbeis-Hochschule Berlin und will diese beim Transfer theoretischen Wissens in die Praxis unterstützen. Autor ist der Rechtsanwalt, Ombudsmann und Mediator Björn Rohde-Liebenau, der bereits zahlreiche Schriften rund um die Themen Risikokommunikation und Whistleblowing verfasst hat.

Im vorliegenden Band macht er deutlich, dass es bei Whistleblowing vor allem darum geht, dass die Kommunikation über potentielle Risiken gelingt, dass Kommunikation generell ein kompliziertes Unterfangen ist, das Chancen und Risiken bietet und dass dies erst recht dort gilt, wo Gegenstand der Kommunikation ein Risikohinweis in einem betrieblichen Kontext ist. Rohde-Liebenau zieht dabei den Kreis der potentiellen Sender und Empfänger bewusst weit und bezieht alle ein, die Insiderwissen aus dem Unternehmen haben können, also z.B. auch Leiharbeiter oder Mitarbeiter von Subunternehmen. Auch externes Whistleblowing wird behandelt.

Nach Rohde-Liebenau kommt es entscheidend darauf an, die ansonsten häufig unterbleibende oder nur unstrukturiert erfolgende Risikokommunikation zu fördern und richtig mit ihr umzugehen. Was dies bedeutet, wird an den Beispielen am Ende des Bandes besonders deutlich, in denen z.B. Reaktionsmöglichkeiten auf scheinbar banale und ganz nebenbei fallen gelassene Sätze wie „Mein Wasserkocher schaltet sich nicht mehr von selbst ab.“ thematisiert werden. Hier wie auch an anderen Stellen gilt es, hellhörig zu sein, also ein aktiver Empfänger zu werden, in eine weiterführende Kommunikation einzusteigen, tieferliegende Ursachen zu ergründen und dann, wo notwendig, angemessen zu handeln.

Beschränkungen von Kommunikation sollten umgekehrt erst dort erfolgen, wo zu viel Nebensächliches die Kommunikationskanäle blockiert und das Wichtige darin unterzugehen droht. Für all jene Risikokommunikation, die durch die normalen Kanäle nicht oder nicht richtig fließt, sollten laut Rohde-Liebenau auch Bypässe zur Verfügung stehen. Vor allem als solche sieht er Whistleblowing-Systeme und Obudsleute an, deren Einrichtung und Nutzung er Unternehmensverantwortlichen empfiehlt. Dies auch mit dem Argument der Vermeidung externen Whistleblowings, wobei Rohde-Liebenau allerdings die rechtliche Zulässigkeit solchen Whistleblowings angesichts der deutschen Rechtsprechung wohl doch etwas zu positiv einschätzt.

Auch wenn die Verständlichkeit des Bandes an einigen Stellen unter seine Abstraktheit leidet (die erst durch die Beispiele am Ende etwas aufgebrochen wird), enthält er doch einige wichtige Anregungen für den Umgang mit Risikokommunikation innerhalb von Organisationen und sei daher all jenen ans Herz gelegt, die sich mit dem interen Umgang mit Whistleblowing beschäftigen.

Steinbeis-Hochschule Berlin (Hg); Rohde-Liebenau, Björn: Umgang mit Mitarbeiterhinweisen — Handlungsempfehlungen für Sicherheitsverantwortliche – Transfer-Dokumentation-Report; ISBN: 978-3-943356-15-1; 2012.