Buchbesprechung: Werkbuch Mobbing

Der Sammelband enthält Aufsätze von Praktikern, die zwanzig Jahre nachdem der Begriff „Mobbing“ in Deutschland Einzug gehalten hat, das Thema und die damit verbundenen Problemstellungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten. Gut lesbar aufbereitet und abgedeckt wird dabei auch der Bereich Prävention. Hierzu finden sich Aufsätze mit Praxisbeispielen von innerbetrieblicher Mobbingprävention und Konfliktbearbeitung aus dem privaten und dem öffentlichen Sektor.

Auch überbetriebliche regionale Beratungsangebote für Betroffene z.B. von kirchlichen oder gewerkschaftlichen Trägern werden dargestellt. Abschnitte über Mobbing in Österreich, Schweden und Japan weiten die Perspektive aus.

Die rechtliche Situation beim Mobbing und die Handlungsmöglichkeiten von Betroffenen im Zusammenspiel mit Rechtsanwälten werden ausführlich erläutert. Gerade hierzu finden sich viele wertvolle Tipps: So wird z.B. die entscheidende Bedeutung einer guten Dokumentation in Form eines Mobbingtagebuchs betont. In diesem sollten Betroffene das „Was? Wo? Wann? Wer? Wie? Warum?“ ebenso zeitnah festhalten, wie die Namen möglicher Zeugen der Geschehnisse. Im Dialog mit dem eigenen Anwalt sollten die eigenen Ziele und eine Strategie zu deren Erreichung offen besprochen werden. Dem Anwalt obliegt es dabei auch, dem Betroffenen vor Augen zu führen, dass nicht jeder Form der wahrgenommenen Benachteiligung oder missbilligenswerten Handlung juristische Relevanz zugemessen wird. Für die Annahme von Mobbing bedarf es laut Rechtsprechung eines systematischen Anfeindens, Schikanierens oder Diskriminierens und im Falle eines Prozesses müssen sowohl die juristisch relevanten Einzelhandlungen als auch die dahinter stehende Systematik vom Betroffenen nachgewiesen werden.

Dabei gilt auch: wer anderen Mobbing vorwirft ohne dies beweisen zu können, macht sich selbst angreifbar und riskiert eventuell sogar seinen Arbeitsplatz. Hier ist also ein vorsichtiges, im Zweifel eher zurückhaltendes Vorgehen geboten, vor allem dann, wenn das Ziel des Betroffenen im Erhalt des Arbeitsplatzes besteht.

Da Mobbing oft erhebliche psychische und psychosomatischen Folgen für die Betroffenen mit sich bringt, geht der Band auch auf die Möglichkeiten ambulanter und stationärer Psychotherapien ein und bietet auch insoweit wertvolle Anregungen. Er trägt somit auch dazu bei, die hier leider noch oft vorhandenen Hemmschwellen durch Schaffung von Transparenz über mögliche Behandlungsabläufe etwas herabzusetzen.

Alles in allem bieten Wolmerath und Esser somit einen sehr guten Überblick und viele Informationen und Anregungen für all jene, die Mobbing vermeiden und Mobbingopfern helfen wollen.

Wolmerath, Martin; Esser, Axel (Hrsg.): Werkbuch Mobbing — Offensive Methoden gegen psychische Gewalt am Arbeitsplatz; ISBN: 978-3-7663-6110-3; 2012.