Buchbesprechung: Frank Wehrheim (Whistleblower-Preisträger 2009), Inside Steuerfahndung

Faszinierende Einblicke in den Alltag eines Steuerfahnders und leicht erzählte Anekdötchen zum Schmunzeln bietet das von Frank Wehrheim unter Mithilfe von Michael Gösele verfasste Buch „Inside Steuerfahndung“. Dies jedenfalls zu Beginn, wo man erfährt, wie aus dem jungen Beamte der Lohnsteuerstelle des Finanzamt Bad Homburg der Steuerfahnder Frank Wehrheim wird. „Learning by doing“ heißt die Devise, wenn er in seinen Lehrjahren bei der Steuerfahndung mit einem erfahrenen Kollegen mitgeht und ihm aus Unerfahrenheit manchmal auch ein besonders kleverer Steuerhinterzieher durch die Maschen geht. Aber mit den Jahren wächst die Erfahrung und die Erkenntnis, dass die meisten doch nicht klever genug sind und die Fähigkeiten und Möglichkeiten der Steuerfahndung unterschätzen. Wehrheim ist erfolgreich und macht Karriere, bis hin zum Sachgebietsleiter.

Im Laufe des Buches wächst die Bekanntheit und Bedeutung der Geschichten. Wehrheim schildert seine Mitarbeit bei der Aufklärung eines illegalen Exports einer Uranhexafluorid-Anlage zum Atomwaffenbau nach Pakistan, genauso wie bei der Flick-Parteispendenaffäre. Erste Berührungen mit den Kreisen der Mächtigen und das Gefühl Verbrecher ganz wie bei Al Capone notfalls über die Steuer dranzukriegen.

Noch spannender wird es wenn Wehrheim schildert wie seine Kollegen und er den Frankfurter Banken und deren besonderen Dienstleistungen – nicht zuletzt dank Whistleblowern z.B. aus der Commerzbank – auf die Schliche kamen: Bis hin zu Durchsuchungen in der Chefetage und Grüßen an den Bundeskanzler.

Dann aber kehrt sich plötzlich die Situation um: „Die Steuerfahndung wird zum Tatort“. Ausgangspunkt der in jenem Kapitel geschilderten hessischen Steuerfahnderaffäre war eine geheime Amtsverfügung. Unter der Überschrift „Nur für den Dienstgebrauch“ wurden die Mitglieder des Bankenteams der Frankfurter Steuerfahndung, die gerade erst mehr als eine Milliarde an Steuerrückforderungen für die Staatskasse hereingebracht hatten, in ihrer Arbeit massiv eingeschränkt. Deren Protest führte zur Zerschlagung des Teams und in der Folge auch zur, auf falschen psychiatrischen Gutachten basierenden Zwangspensionierung, von vier Steuerfahndern. Wehrheim versuchte dies u.a. als Schwerbehindertenvertreter zu verhindern, ohne Erfolg. Als er dafür 2009 den Whistleblowerpreis erhält, wird seitens der hessischen Landesregierung auch gegen ihn öffentlich weiter Stimmung gemacht. Wehrheims Fazit dazu und zur Blockade des zweiten Untersuchungsausschusses: „Alles läuft wie gewohnt. Hessen im 21. Jahrhundert – auch nach Roland Koch …“

Wehrheim, Frank; Gösele, Michael: Inside Steuerfahndung – Ein Steuerfahnder verrät erstmals die Methoden und Geheimnisse der Behörde; ISBN: 978-3-86883-105-4; 2011.