Wir wollen: funktionierendes Whistleblowing

Whistleblowing funktioniert, wenn:

  • es dort stattfindet wo es nötig ist,
    Dies bedeutet im Idealfall, dass der potentielle Whistleblower frühzeitig prüft und nicht wegsieht, dass er die z.B. ethischen, technischen oder auch rechtliche Maßstäbe kennt, die in Betracht kommen, und dieses Wissen auch im konkreten Moment bei der Beurteilung des konkreten Sachverhalts zu Rate zieht, dass er sich zugleich seine Erkenntnisse über den Sachverhalt vergegenwärtigt, offensichtliche und leicht zugängliche Möglichkeiten zu deren Validierung nutzt, um vorurteilsfrei zu entscheiden, ob sein Whistleblowing eine geeignete Reaktion sein kann. Stattfinden kann Whistleblowing unter Idealen Bedingungen wenn der Whistleblower weiß an wen er sich wenden kann und diese Person den nötigen Willen, die nötigen Ressourcen und Kompetenzen hat, um den Missstand zu analysieren und ihm entgegenzutreten.
  • dazu beiträgt Risiken rechtzeitig zu erkennen, Schäden zu vermeiden und abzustellen,
    Im Rahmen von bevorstehenden oder noch andauernden Gefährdungssituationen kann Whistleblowing seinen Nutzen als Frühwarnsystem am besten entfalten. Hier liegt auch der große Unterschied zu einem klassischen Zeugen, der meist erst in Aktion tritt, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“. Allerdings kann darin auch ein Problem liegen, denn Prognosen über zukünftige Risiken sind normaler Weise streitiger als Feststellungen bereits eingetretener Schäden und schwerer zu belegen.
  • hilft Verantwortlichkeiten zu klären und Schuldige zur Verantwortung zu ziehen
    Whistleblower sind nicht nur ein gutes Frühwarnsystem, sondern können auch dabei helfen Zusammenhänge aufzudecken, die sonst unentdeckt geblieben wären. Dies setzt allerdings auch voraus, dass Whistleblower und Ermittler bereit sind eng zusammen zu arbeiten und ehrlich miteinander umgehen. Dort wo so Täter identifiziert werden, wird auch das Risiko für zukünftige Täter erhöht, d.h. es kommt zu positiven Abschreckungseffekten. Whistleblower sollten allerdings vermeiden jemanden um jeden Preis zur Strecke bringen zu wollen, sondern die Fakten für sich sprechen lassen.
  • und bei all dem der Whistleblower
    • Gehör findet
      Der Whistleblower ist auf den Adressaten seines Whistleblowings und die eventuell dahinter agierenden Stellen angewiesen, damit sein Whistleblowing zu Erfolgen führen kann. Diese sind gut beraten dem Whistleblower sorgfältig zuzuhören und wo möglich gezielt nachzufragen, um dessen Erkenntnisse bestmöglich nutzen zu können.
    • selbst nicht benachteiligt wird und
      Wo Whistleblower diskriminiert werden ist dies nicht nur unfair, sondern führt auch dazu, dass der Whistleblower und alle anderen, die die Benachteiligungen beobachten, daraus Schlüsse für ihr weiteres Verhalten ziehen. Sie werden eventuell entweder gar kein Whistleblowing mehr machen, Informationen zurückhalten oder die Stellen, bei denen es zu Benachteiligungen kam, auch wenn diese eigentlich vielleicht die geeignetsten wären, bei künftigem Whistleblowing übergehen. Auch potentielle Täter fühlen sich bestärkt.
    • die Unterstützung und
      Gerade dort, wo die Dinge kritisch werden und es Mächtige gibt, die verhindern  wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt, brauchen Whistleblower Unterstützung. Z.B. durch Kollegen, die Fakten bestätigen und Mobbing entgegentreten, Beschäftigtenvertreter die Tipps aus dem Innenleben der Organisation und über die richtigen Ansprechpartner geben, Adressaten und Ermittler die ihren Job sorgfältig und ohne Ansehen der Person machen und durch Vorgesetzte geschützt werden, die Nachhaltigkeit und Ethik über den oft nur scheinbaren kurzfristigen Vorteil stellen und Whistleblowing-Systeme auch in der Praxis mit Leben erfüllen.
    • Anerkennung erfährt, die er verdient.
      Die meisten Whistleblower handeln aus ethischen Gründen, Pflichtgefühl und mit Zivilcourage. Sie sind weder Nestbeschmutzer noch Denunziaten, Wer Regeln und Werte für richtig hält, sollte auch jene anerkennen, die sich durch Whistleblowing für deren Einhaltung einsetzen und Loyalität zu Werten über die Loyalität zu Tätern stellen. Sonst kommt es zu einer Unkultur des Schweigens in der Missstände gut gedeihen können. Moralische Anerkennung für gutgläubige Whistleblower sollte selbstverständlich sein und vielleicht auch hier und da mal eine, am erzielten Nutzen orientierte, Belohnung. In anderen Bereichen, z.B. beim betrieblichen Vorschlagswesen, sind Belohnungen zur Förderung gewünschten Verhaltens längst etabliert und aktzeptiert.