Schirmherr: Prof. Dr. Joseph Weizenbaum

Grußwort des Schirmherren Prof. Dr. Joseph Weizenbaum:

Ask not for whom the whistle blows,
it blows for thee! 

With apologies to John Donne

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(Foto: Antje Bultmann, Text: Wikipedia)
Wir trauern um unseren Schirmherrn der am 5. März 2008 verstorben ist.
Joseph Weizenbaum (* 8. Januar 1923 in Berlin, † 5. März 2008 ebenda)war ein deutschUS-amerikanischer Informatiker sowie Computer– undMedienkritiker jüdischer Abstammung. Weizenbaum bezeichnete sich selbst alsDissident und Ketzer der Computerwissenschaft (Weizenbaum 1987: 15).

Leben

Weizenbaums Vater war der Kürschnermeister Jechiel Weizenbaum. 1936emigrierte die Familie in die USA. Dort studierte Weizenbaum zunächstMathematik. Das Studium an der Wayne University in Detroit (Michigan, USA) – unterbrochen während des Krieges durch Dienst in der meteorologischen Abteilung der Luftwaffe – beendete er mit den Abschlüssen BS (1948) und MS(1950), danach wurde er Mitarbeiter bei einem Computer-Projekt.

Von 1955 bis 1963 arbeitete Joseph Weizenbaum als Systems Engineer imComputer Development Laboratory der General Electric Corporation und war dort u.a. an der Konzeption des ersten Computer-Banksystems beteiligt.

1963 begann er seine Tätigkeit am Massachusetts Institute of Technology(MIT), zunächst als Associate Professor, ab 1970 als Professor für Computer Science.

1966 veröffentliche Weizenbaum das Computer-Programm ELIZA, mit dem er die Verarbeitung natürlicher Sprache durch einen Computer demonstrieren wollte;Eliza wurde als Meilenstein der „künstlichen Intelligenz“ gefeiert, seine VarianteDoctor simulierte das Gespräch mit einem Psychologen. Weizenbaum war entsetzt über die Wirkung seines relativ einfachen Programms, das nie zum Ersetzen eines Therapeuten konzipiert gewesen war, und wurde durch dieses Schlüsselerlebnis zum Computer- und Medienkritiker. Noch heute gilt Eliza als Prototyp für moderne Chatbots.

Seit dieser Zeit mahnt Weizenbaum den kritischen Umgang mit Computern und die Verantwortung des Wissenschaftlers für sein Tun an. Er ist Mitbegründer derComputer Professionals for Social Responsibility in den USA und Beirat desForums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) in Deutschland. Weizenbaum ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates amInstitute of Electronic Business in Berlin.

2002 verlieh ihm die Gesellschaft für Informatik die Ehrenmitgliedschaft. Er ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und hält vier Ehrendoktor-Auszeichnungen (unter anderem von der Universität Hamburg und derUniversität Bremen sowie einen Doctor of Humane Literature vom Webster College (USA)).

Seit 1996 lebte Weizenbaum wieder in Berlin-Mitte, in der Nähe seiner ehemaligen elterlichen Wohnung.[2][3]

Weizenbaum starb im Alter von 85 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er im Jahr 2007 an Krebs erkrankte und diesen erfolglos mit einerChemotherapie zu bekämpfen versuchte.

 

Publikationen

  • 2006Wo sind sie, die Inseln der Vernunft im Cyberstrom? (mit Gunna Wendt). Freiburg: Herder. ISBN 3451288648
  • 2002Vom Handeln im Netz. Dimensionen der Globalisierung (mit Omar Akbar und Anne Helfensteller; 2. Auflage). form+zweck Verlag. ISBN 3935053010
  • 2001Computermacht und Gesellschaft. Frankfurt am Main:Suhrkamp. ISBN 3518291556
  • 1994Wer erfindet die Computermythen? (3. Auflage). Freiburg: Herder. ISBN 3451041928
  • 1991Kurs auf den Eisberg. Die Verantwortung des Einzelnen in der Diktatur der Technik (Serie Piper; 3. Auflage, 19. Tsd). ISBN 3492105416(Erstveröffentlichung: 1987)
  • 1990Sind Computer die besseren Menschen? (mit Klaus Haefner). ISBN 3858422525 (auch München: Piper 1992 ISBN 3492114709)
  • 1984Der Kurs auf den Eisberg oder das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte. Zürich: Pendo-Verlag. ISBN 3858420875
  • 1976Computer Power and Human Reason. From Judgement to Calculation. W. H. Freeman and Company. Deutsch als Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, Frankfurt am Main:Suhrkamp 1977. ISBN 3518278746(auch: Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977. ISBN 3518574566 – gebundene Ausgabe)
  • 1966ELIZA – A Computer Program for the Study of Natural Language Communication between Man and Machine“, Communications of the Association for Computing Machinery 9 (1966): 36-45
  • Erkenntnis und Information (mit Johannes Hartkemeyer). LIT Verlag Dr. Wilhelm Hopf. ISBN 3825840751
  • Krieg ist der Feind – Die Verantwortung des Wissenschaftlers 2-CD-Set,Originaltonaufnahme, 116 Minuten, ISBN 3-932513-40-1, supposé 2003