Newsletter 12/2014

Liebe Mitglieder, liebe Freunde und Förderer von Whistleblower-Netzwerk, liebe Kolleginnen und Kollegen,

seit langem unterstützen Sie uns bei unserer Arbeit für mehr Anerkennung und besseren Schutz von Whistleblowern. Dadurch, dass einige Mitglieder ihren zeitlichen Einsatz erhöht haben und neue hinzugekommen sind, können wir Sie künftig regelmäßiger über unsere Aktivitäten und Erfolge, aber auch über die Pläne zum weiteren Ausbau unseres gemeinnützigen Vereins informieren: Unser Newsletter wird daher ab sofort vierteljährlich und in einem neuen Format erscheinen. Unsere kontinuierlichen Blogmeldungen und unser Wochenrückblick auf die Medienberichterstattung über Whistleblowing werden dabei in bewährter Weise fortgesetzt.

Obwohl der Wochenrückblick erst seit zwei Monaten erscheint, hat er sich schon zu einer kleinen Institution entwickelt, die in den sozialen Medien diskutiert wird. Wir hoffen auf eine ebenso positive Aufnahme des Newsletters und freuen uns, wenn Sie bei seiner Verbreitung mithelfen.

Eine kleine Erfolgsgeschichte für sich ist auch unser Ausstellungsprojekt‚ das im letzten Jahr in Hamburg, Bremen und Frankfurt gezeigt wurde und ab dem 12.Januar im ver.di-Haus in Berlin zu sehen ist. Es werden 25 Whistleblower vorgestellt. Menschen, die sich für die Beseitigung von gravieren-den Missständen eingesetzt haben – zum Teil gegen große Widerstände und trotz einschneidender Repressalien. Der Fotograf Petrov Ahner ist quer durch Deutschland gereist, um diese Menschen zu portraitieren, unsere Vorstandsmitglieder Prof. Johannes Ludwig und Annegret Falter haben die informativen Texte erstellt.

Die Ausstellung wollen wir im nächsten Jahr zu einer noch größeren Wanderausstellung ausbauen und an so vielen Plätzen wie möglich in Deutschland und im deutschsprachigen Ausland zeigen. Bitte überlegen doch auch Sie, ob sich nicht vielleicht in Ihrer Stadt ein geeigneter Ort für die Ausstellung findet – ein Rathaus, eine Volkshochschule, eine Universität? Eine Sparkasse? Bitte helfen Sie unserer Kreativität auf die Sprünge, auch in Bezug auf einen lokalen Träger, der vielleicht sogar die Kosten übernimmt? Obwohl unser Vorstandsmitglied Günter Steinke sich – wie alle Beteiligten ehrenamtlich – um Transport, Organisation und Auf- und Abbau vor Ort kümmert, kommen jedes Mal ein paar hundert Euro an Kosten zusammen.

Kurz: Für das Ausstellungsprojekt sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen, auch finanziell. In Zukunft möchten wir auch einen Ausstellungskatalog anbieten, um die Geschichten hinter den Gesichtern noch bekannter zu machen. Und es macht Mut, dass immer neue Gesichter zur Ausstellung hinzu kommen, frei nach der Devise der amerikanischen Whistleblower und Bürgerrechtler: „Mut ist ansteckend“.

„Zivilcourage“ steht auch im Untertitel unseres Logos. Aber das ist nicht nur ein Wert an und für sich. Mit ihrer Zivilcourage setzen sich Whistleblower für die Beseitigung von Missständen, Gefahren und Fehlentwicklungen in ihrem beruflichen Umfeld ein und damit immer auch für transparente und demokratische Strukturen, die die Voraussetzungen für Veränderungen sind – im Kleinen wie im Großen.

Mit unserem Newsletter wenden wir uns an Sie alle, die Sie den Verein durch Ihre Mitgliedschaft tragen und mit Leben erfüllen, unsere Ziele auch im Neuen Jahr mit uns gemeinsam zu verfolgen. Denjenigen, die unsere Aktivitäten bisher mit Wohlwollen und Interesse verfolgt haben, ohne sich zu einer Mitgliedschaft entschließen zu können, möchten wir unser neues Fördermodell ans Herz legen: Als Fördermitglied können Sie wählen, ob sie nicht nur unseren Newsletter, sondern auch den Wochenrückblick und/oder unsere Blog-Meldungen per Email zugeschickt bekommen wollen. Immer mehr Mitglieder nutzen auch die Möglichkeit einer Spende als Weihnachtsgeschenk!

Sie können sicher sein, dass jeder Beitrag die Möglichkeiten unserer Aktivitäten erweitert: Reisen zum Dialog bei Institutionen, Behörden und Unternehmen, zu Gesprächspartnern in der Politik, zur Unterstützung von Betroffenen, z. B. auch bei Gerichtsterminen, oder Infomaterialien und Flyer zur Verbreitung bei Veranstaltungen. Hierzu zählen auch die gemeinsamen Aktionen mit unseren Kooperationspartnern, wie in diesem Jahr u.a. mit Campact. Die von Campact initiierte Petition fand ein erstaunliches Echo bei über 227.000 Bürgerinnen und Bürgern, die Asyl für Snowden und besseren Whistleblowerschutz in Deutschland fordern. Zehntausende machten auch mit bei „Ein Bett für Snowden“ und erklären ihre Bereitschaft Edward Snowden bei sich zu Hause aufzunehmen. Dafür hat Snowden sich in einem Brief zur 10-Jahresfeier von Campact persönlich bedankt.

All das wäre ohne Ihre finanzielle Unterstützung nicht möglich!

Zum Schluss möchten wir Ihnen noch eine besonders erfreuliche Mitteilung machen. Es ist und gelungen, namhafte Persönlichkeiten für einen Beirat zu gewinnen. Weitere Informationen und Kurzlebensläufe werden demnächst auf unser Webseite veröffentlicht.

Wir können also alles in allem auf ein erfolgreiches Jahr zurück und mit Optimismus in die Zukunft blicken. Es scheint, dass die Snowden-Enthüllungen und der NSA-Ausschuss, wie auch die öffentliche Diskussionen um neue Gesetzentwürfe zum Whistleblowerschutz vielen Menschen in Deutschland die Bedeutung von Whistleblowern für Aufklärung und Demokratie eindringlich vor Augen geführt haben. Daran wollen wir zusammen mit Ihnen und mit Ihrer Unterstützung anknüpfen, und weitere dringend benötigte positive Impulse für besseren Whistleblowerschutz geben.

In diesem Sinne senden wir Ihnen im Namen des Vorstands viele gute Wünsche für die Festtage und zum neuen Jahr

Ihre Annegret Falter und Ihr Guido Strack

PS: Wer unseren Newsletter abonnieren will, kann dies in der rechten Spalte unserer Homepage tun und bekommt ihn dann zukünftig direkt per Email zugeschickt!

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Wochenrückblick Whistleblowing – unsere Medienauswahl (KW-51/2014)

Niederlande – innovative Wege beim Whistleblowerschutz
Die Niederlande wird ein „Haus für Whistleblower“ errichten, das von der Regierung finanziell unterstützt wird. Dort sollen Whistleblower rechtliche Unterstützung bekommen und sind vorerst vor Entlassung geschützt.
VoxEurop (De Volkskrant), “Ein Haus für Whistleblower”,

Japan – mit Technik gegen verschärftes Geheimhaltungsgesetz
Masayuki Hatta, ein japanischer Professor und Aktivist, bietet basierend auf der GlobaLeaks-Technologie ein Tool an, mit dem Whistleblower sicher und anonym Daten und Dokumente übermitteln können.Damit soll das neue, sehr strikte Gesetz das sich gegen Whistleblower richtet, umgangen werden.
rt.com, “New info-sharing tool set to beat Japan’s anti-whistleblower law”

Spanien – Regierung im Kampf gegen Meinungsfreiheit
Mit dem neuen “Gesetz zur Sicherheit der Bürger” (Ley Mordaza) reagiert die spanische Regierung auf die öffentlichen Proteste der letzten Jahre mit Kriminalisierung und schafft die wichtigsten demokratischen Freiheiten ab. Unter anderem werden Aufnahmen von Polizisten, friedliche Proteste und ziviler Ungehorsam verboten und mit massiven Geldbußen belegt.
taz, “Angst verbreiten, mundtot machen”, Rainer Wandler
revolution-news, “Spain’s New ‘Gag Law’ Brings Thousands to the Streets in Several Cities”

Luxemburg – Petition für #luxleaks Whistleblower
Mit #luxleaks wurde Licht ins Dunkel der staatlichen Steuersparmodelle für Großkonzerne gebracht und eine wichtige Diskussion angestoßen die auch Veränderungsversprechen der Politik ausgelöst hat. Zugleich wird – wie leider üblich – der dahinter stehende Whistleblower verfolgt und sieht sich einer strafrechtlichen Anklage in Luxemburg ausgesetzt. Seine Unterstützer haben unter dem Motto “Support Antoine Deltour” jetzt eine Webseite eingerichtet und eine Online-Petition gestartet, die innerhalb weniger Tage bereits über 4.000 Unterschriften erhalten hat.

Chelsea Manning
Anlässlich ihres Geburtstages am 17.12. erinnerten viele Menschen weltweit an das Schicksal von Chelsea Manning, die als Whistleblowerin etwa die Tötungen von Zivilisten während des Irak-Kriegs publik machte und in den USA zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde.
RT deutsch, “Von der Welt vergessen?”

Die Aktionen der Berliner Unterstützungsgruppe sind ein einem Videobeitrag bei antikriegTV, “Free Chelsea Manning Birthday” festgehalten:

CIA-Folter
In Reaktion auf den veröffentlichten Folterbericht hat Gregor Gysi nun beim Generalbundesanwalt Range Anzeige gegen die Beteiligten erstattet. Da die US-Justiz den Verbrechen nicht nachgehen will, obwohl die USA die UN-Konvention gegen Folter unterzeichnet haben, sei es die Pflicht Ranges Ermittlungen aufzunehmen.
Focus, “Gysi erstattet Strafanzeige gegen Ex-US-Präsident Bush”

Generalbundesanwalt Range will, laut Der Spiegel, den gesamten 6000-seitigen Bericht anfordern und prüft die Aufnahme von Ermittlungen, während The Atlantic darauf hinweist, dass sich CIA und US-Regierung mit der Einstufung von Folter als “verschäfte Vernehmung” der Methoden der Gestapo bedienten.

Ein von WikiLeaks veröffentlichtes CIA-Dokument zum Thema „High-Value Targeting“, was die gezielte Tötung von Aufständischen und sonstigen missliebigen Personen meint, zeigt, wie sich intern auf wissenschaftliche Weise mit den möglichen Folgen und den Vor- und Nachteilen dieser Strategie der Enthauptung des Feinds auseinandergesetzt wird. Das dieser Akt der gezielten Tötung des Gegners an sich illegitim sein könnte und häufig gegen das Völkerrecht verstößt, kommt den Verfassern dabei offenbar nicht in den Sinn.
Süddeutsche, “CIA-Dokument: Anleitung zum gezielten Töten”, John Goetz und Willi Winkler
Der Bericht bei Wikileaks: “CIA Review of High-Value Target Assasination Program”

Die Doku „Schweig, Verräter!“, auf die wir hier bereits hingewiesen haben, zeigt schonungslos die Behandlung von Whistleblower in den USA, darunter auch jene von John Kriakou der als einer der ersten auf die US-Folter hinwies und anders als die Folterer zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, die er noch absitzt. Die Doku ist noch bis zum 23. Dezember in der Arte-Mediathek verfügbar.
Zeit Online, “Whistleblower: Tötet den Boten”, Jan Freitag
Arte, “Schweig, Verräter!”Interviews mit Jesselyn Raddack und Thomas Drake.

NSA Affäre – Rechtspolitischer Handlungsbedarf auch in Deutschland
In neun Thesen erläutert der Richter am Bundesverwaltungsgericht Dieter Deiseroth welche rechtspolitischen Konsequenzen in Deutschland und international aus der NSA-Affäre gezogen werden sollten. An der Spitze seiner Thesen steht die Forderung nach wirksamem Whistleblower-Schutz auf allen Ebenen.
heise, NSA-Ausspähungen und der demokratische Verfassungsstaat, Dieter Deiseroth

NSU-Leaks
Der Blogger „Fatalist“, der hinter den NSU-Leaks steht, wurde von 3sat interviewt. Der mit ihm verbundene „Arbeitskreis NSU“ zweifelt die offizielle Theorie zur NSU an und behauptet Mundlos und Böhnhardt hätten nicht Selbstmord begangen, sondern seien im staatlichen Auftrag ermordet worden.

3SatFatalist

Leaks, Whistleblowing und die Medien
Welche Leaks sind legitim, weil sie dem öffentlichen Interesse dienen und welche sind schlicht kriminell? Dieser Frage geht Hanns-Georg Rodek am Beispiel der Sony-Leaks nach.
Welt, “Gibt es eine Demokratie ohne Datendiebstahl?”, Hanns-Georg Rodek

Um Whistleblower als Karrierewort in den Medien ging es unterdessen in einem ARD Gespräch mit Bernhard Pörksen, Medienwissenchaftler an der Uni Tübingen.

Studie verdeutlicht evolutionäre Schwierigkeiten des Whistleblowings
Eine Studie der Universität von Bath verdeutlicht, warum es für Whistleblower so schwierig ist, sich gegen Arbeitgeber und die Unternehmenskultur zu stellen. Die Wissenschaftler meinen, dass es ein evolutionärer Vorteil war, sich nicht gegen eine bestimmte verbindende „Parteilinie“ zu stellen und das somit eine biologische Hürde für Whistleblowing bestehe, da derjenige mit einem hohen Ansehensverlust rechnen muss.
Phsy.org, “Why whistleblowing doesn’t come easily”

Wer sich trotz all dem begeistern lassen will, das Schweigen zu überwinden, dem sei der vier Minuten Vortrag von Clint Smith “The danger of silence” bei TED empfohlen.

Veranstaltungstipp: München 6. Januar
Ab 19:15 Uhr lädt “acTVism Munich e.V.” ins Muffatwerk ein, zu einer Veranstaltung mit dem Titel: Die Bedeutung von Whistleblowern, Aktivismus und Alternativen Medien im 21. Jahrhundert. Gäste sind MI5-Whistleblowerin Annie Machon, “Democracy Now!” Moderatorin Amy Godman und TRNN-Chefredakteur Paul Jay sowie online live zugeschaltet Noam Chomsky. Tickets müssen vorbestellt werden und kosten 8 EUR.

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Wir kooperieren mit CORRECT!V

Whistleblower-Netzwerk hat einen neuen Kooperationspartner: CORRECT!V – das erste gemeinnützige Recherchebüro im deutschsprachigen Raum.

Correctiv

 

Die Macher von CORRECT!V sind vor allem renommierte investigative Journalisten, die vorher z.T. leitende Funktionen in regionalen und überregionalen Medien hatten, sowie Programmierer und Menschen mit Erfahrungen aus der Arbeit in NGOs. CORRECT!V finanziert sich allein durch Stiftungsgelder (die Anschubfinanzierung erfolgte durch die Brost-Stiftung) und Zuwendungen von Lesern und Nutzern, für die es eine eigene Community zum Mitmachen gibt.

Das Motto von CORRECT!V ist Programm: Gemeinnützig, Unabhängig, Investigativ – Recherchen für die Gesellschaft. Dabei geht es z.B. um Bedrohungen und Herausforderungen unserer Gesellschaft, um Machtmissbrauch und Korruption in Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur, oder um Themen wie Umwelt, Bildung, Gesundheit und soziale Gerechtigkeit oder um Rechtsradikalismus und Islamismus. Die Recherchen und Geschichten gibt CORRECT!V in Kooperationen an große und kleine Zeitungen und Magazine, wie auch an Radio- und Fernsehsender weiter und publiziert sie – unter Nutzung moderner Aufbereitungs- und Präsentationstechniken – auch auf der eigenen Webseite CORRECTIV.org. In den wenigen Monaten seit der Gründung wurden bereits einige interessante Projekte durchgeführt, die auch vielfach Beachtung gefunden haben, z.B.: Internationale FinanzbetrügerSpendengerichteFußballdoping, Tödliche Keime oder Weisse Wölfe eine graphische Reportage über rechten Terror. Neue Projektideen werden mit einer Crowdfunding-Plattform unterstützt.

Gemeinsam mit Whistleblower-Netzwerk will CORRECT!V Whistleblower stärken und unterstützt unsere Forderungen nach besserem Schutz für Whistleblower, die Missstände aufdecken und Alarm schlagen, wo es im öffentlichen Interesse nötig ist. Gemeinsam ist uns auch der Einsatz für Transparenz und Informationsfreiheit.

CORRECT!V hat einen anonymen Briefkasten eingerichtet, der Whistleblowern u.a. den sicheren Upload von Dokumenten ermöglicht. Wenn – ob anonym oder offen – ausreichende Hinweise vorliegen, wird das Team von CORRECT!V diesen mit seinen Erfahrung in investigativer Recherche nachgehen und dabei den eigenen Code of Conduct beachten.

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Gerichtsverhandlung im Fall Hannemann – Vergleich, ohne Präjudiz für das Hauptverfahren!

Zum Hintergrund der Verfahren von Frau Inge Hannemann: Das Arbeitsgericht Hamburg tagte heute im Hauptsacheverfahren Frau Hannemann gegen die Freie und Hansestadt Hamburg, vertreten durch die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie (BASFI). Diese ist Arbeitgeberin von Frau Hannemann und hatte die Zuweisung von Frau Hannemann an das Jobcenter zum 30. Juni 2014 beendet. Durch ihr ungewöhnliches Engagement im Jobcenter Hamburg, war Frau Hannemann bundesweit als Hartz 4 Rebellin bekannt geworden.Die BASFI hat  Frau Hannemann seit einigen Tagen als Sachbearbeiterin im Referat Integrationsamt mit einer Tätigkeit in ihrer bisherigen Vergütungsgruppe eingesetzt. Diese neue Position ist aber höher eingestuft. Gegen die Beendigung der Zuweisung zum Jobcenter und die Übertragung der neuen Tätigkeit kämpft Frau Hannemann in einem andern Verfahren. Sie bringt vor, dem Anforderungsprofil der nun zugewiesenen Tätigkeit derzeit nicht zu entsprechen zu können.

In einem vorausgegangenen Verfügungsverfahren hatte die Kammer eine Aufhebung der Zuweisung abgewiesen.

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Unter dem Beifall des Publikums, machte Inge Hannemann heute deutlich, dass das Verfahren überhaupt nicht nötig gewesen wäre, wenn das Jobcenter nicht versucht hätte sie mundtot zu machen  und ihre kritischen Äusserungen zum Thema Hartz 4 massiv zu unterbinden. Sie machte auch deutlich, dass das heutige Verfahren nicht vom Hauptverfahren ablenken darf, in der über die Rechtmässigkeit der Suspendierung vom Jobcenter verhandelt wird.

Die  Arbeitgeberin ging im weiteren Verfahren weitestgehend auf die Vorstellungen von Frau Hannemann ein, eine ” leidensgerechte” Arbeitsstelle zu erhalten. Hiebei spielte die Erkrankung von Frau Hannemann eine Rolle, die zu einer Leistungseinschränkung geführt hat.

Am Ende wurde von Richter Horn ein Vergleich konstruiert, der ein medizinischen Gutachten sowie eine Weiterbeschäftigung in der nun begonnenen Tätigkeit vorsieht. Ziel des Gutachtens ist die Beschreibung der Tätigkeiten, die von Frau Hannemann ausgeführt werden können sowie konkrete Massnahmen die zu einer Arbeitserleichterung für Hannemann gem. ihrem Krankheitsbild führen.

Ein Fortschritt, ohne das Hauptverfahren zu präjudizieren!

Text und Bild – Peter Wendt

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Wochenrückblick Whistleblowing – unsere Medienauswahl (KW-50/2014)

Whistleblower Edward Snowden

Snowden befürchtet bei Rückkehr in die USA einen unfairen Prozess auf Grundlage von Sondergesetzen, die zur Verteidigung keine Argumentation über seine Handlungsmotive zulassen. Auch auf Rat von Pentagon-Whistleblower Daniel Ellsberg will er deshalb zunächst nicht in die USA zurückkehren.
Apa, Snowden sieht keine Möglichkeit für fairen Prozess in den USA, Tiroler Tageszeitung Online

Für die Enthüllungen rund um die NSA-Überwachung wurde den Journalisten Laura Poitras, Glen Greenwald und Edward Snowden am 14.12.2014 die Carl-von-Ossietzky-Medaille verliehen.

Der Menschenrechtskommissar des Europarats Nils Muižnieks sieht durch die Massenüberwachung der NSA europäische Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit verletzt. In seinem Bericht warnt er auch vor einer möglichen Fragmentierung des Internets, wenn nun versucht werde die Daten im eigenen Land zu halten, anstatt das Problem der Massenüberwachung konkret zu bekämpfen.
“Menschenrechtskommissiar: Überwachung überschreitet rechtliche Grenzen”, Heise.de

Unterdessen sind die Oppositionsfraktionen wegen fehlender gerichtlicher Zuständigkeit vor dem Bundesverfassungsgericht mit ihrem Antrag gescheitert, die Vernehmung Snowdens durch den Untersuchungsausschuss zu erstreiten. Grüne und Linke haben angekündigt jetzt einen Antrag an den Bundesgerichtshof prüfen zu wollen und die Bundesregierung erneut aufgefordert, die Vernehmung von Snowden in Berlin zu ermöglichen.

CIA-Folterbericht

Die 500-seitige Zusammenfassung des Berichts zur Folter durch die US-Geheimdienste wurde veröffentlicht und kann etwa beim Guardian gelesen werden
The Guardian, “The Senate intelligence committee’s report on CIA.torture”

Der umfassendere Gesamtbericht (6700 Seiten) ist allerdings noch unter Verschluss.
Der Bericht stellt die Effektivität der Foltermethoden insgesamt infrage, die entgegen der Behauptungen Bushs und Cheneys keine neuen Erkenntnisse gebracht hätten.
Matt Ferner, Kate Sheppard, “What The CIA Said It Learned Through Torture, But Didn’t”, Huffington Post

Die Frage, was die Aussagen von jemandem wie Khalid Sheikh Mohammed wert sind, der 183 Mal mit Waterboarding gefoltert wurde und auf dessen Aussagen der 9/11-Untersuchungsbericht zu großen Teilen beruht, stellt der „Hintergrund“:
Sebastian Range, “Was der CIA-Folterbericht sonst noch sagt”, Hintergrund

Auf seiner ersten öffentlichen Videokonferenz in Frankreich äußert sich Snowden unter anderem auch zum Folterreport und betont, dass viele CIA-Beamte sich sehr kritisch zu den verschärften Verhörmethoden äußerten, sich allerdings aufgrund des fehlenden Drucks durch die Öffentlichkeit nicht durchsetzen konnten.
Folterreport: “Edward Snowden live auf Arte”

Whistleblower Rudolf Elmer

Rudolf Elmer, ein ehemaliger Banker, der über WikiLeaks Dokumente zu den Offshore-Konstrukten zur Steuerumgehung seiner Bank veröffentlicht hatte, stand am 10.12 wegen Verstoßes gegen das Bankgeheimnis in Zürich vor Gericht. Dabei erlitt er einen Zusammenbruch, sodass der Prozess gegen den gesundheitlich stark angeschlagenen Ex-Banker vertagt werden musste.
John Letzing, “Ex-Banker wegen Verletzung des Schweizer Bankgeheimnis vor Gericht”, The Wall Street Journal
Fabian Baumgartner, “Rudolf Elmer erleidet Zusammenbruch”, NZZ

Japan: Haftstrafen gegen Whistleblower

In Japan sollen Whistleblower in Zukunft mit hohen Haftstrafen abgeschreckt werden, womit auch Sicherheitsinformationen des Bündnispartners USA geschützt werden sollen. Viele Journalisten sehen einen Verstoß gegen die Pressefreiheit und einige reichten vor dem Verfassungsgericht Klage gegen das Gesetz, das trotz massiven Widerstands in der Bevölkerung verabschiedet wurde, ein.
DPA, “Zehn Jahre Haft fürs Informieren”, u.a. taz
Div. “Japan beschließt umstrittenes Gesetz gegen Whistleblower”, Spiegel Online

Compliance: Whistleblowing in Unternehmen

Nach einer Studie von Freshfields Bruckhaus Deringer und Censuswide fehlen interne Whistleblowing-Systeme in etwa der Hälfte der befragten Unternehmen und viele Beschäftigte befürchten Repressalien, wenn sie intern Missstände anprangern.
“Geheimnisverrat: Viele Firmen legen es drauf an”, faz
Die Original-Studie: Freshfields Bruckhaus Deringer “Fair game or foul play?”,

Luxleaks Whistleblower 

Selbst zu Wort gemeldet hat sich unterdessen Antoine Deltour, ehemaliger Mitarbeiter bei Pricewaterhouse Coopers (PWC) und einer der Whistleblower, der die LuxLeaks Affäre um die Steuervorteile für Großkonzerne im Großherzogtum ans Licht brachte. Er wurde am letzten Freitag von den Luxemburger Behörden wegen des Verdachts auf Geheimnisverrat vernommen, muss eine Anklage befürchten und gab danach dem französischen Magazin Libération ein Interview worüber u.a. Süddeutsche.de berichtet.

TV-Tipp:

ARTE sendet am Dienstag, den 16.12.2014 zum Whistleblower Themenabend den Film “Schweig, Verräter!” (Wdh 19.12.2014, 08:45 Uhr).

In diesem Film wird u.a. John Kiriakou portraitiert. Er hatte bereits 2007 auf die CIA-Foltermethoden aufmerksam gemacht. Anders als die Täter sitzt er jedoch seit 2013 in einem US-Gefängnis ein.

Chelsea Manning darf nicht vergessen werden! – Terminankündigung
Am 19.12.2014 veranstaltet die Berliner Unterstützer anlässlich des Geburtstags der inhaftierten Whistleblowerin Chelsea Manning eine Feier. Das Netzwerk ruft dazu auf Unterstützungbriefe zum Geburtstag am 17.12.2014 in die Haftanstalt Fort Leavenworth zu senden, wo Manning eine 35-jährige Haftstrafe verbüßt.
Terminankündigung Freemanning.de 19.12.2014 – SchwuZ Berlin

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