Wie gehen deutsche Unternehmen mit der Meldung von Korruption um?

Whistleblower-Netzwerk und Dachverband der Kritischen Aktionäre befragen 50 deutsche Konzerne

Die Meldung von Korruption und anderen Missständen innerhalb von Unternehmen wird ein immer wichtigeres Thema. Beschäftigte, Aktionäre und Rating-Agenturen interessieren sich zunehmen dafür, wie mit Whistleblowern umgegangen wird. Mit einer Fragebogenaktion wollen jetzt Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und seine Mitgliedsorganisation Whistleblower-Netzwerk e.V. Licht ins Dunkel bringen. Adressaten sind 50 deutsche Großunternehmen, darunter alle im DAX geführten Aktiengesellschaften. Ziel der Aktion ist es, ein Unternehmens-Ranking zur Whistleblowing-Praxis in Deutschland zu erstellen.

„International gibt es bereits entsprechende rechtliche Vorgaben und Empfehlungen“, sagte Guido Strack, Vorstandsvorsitzender des Whistleblower-Netzwerks. „Aber in Deutschland scheiterte bisher selbst der erste zaghafte Schritt, die Rechtslage für Whistleblower durch eine Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch zu verbessern.“

„Seit einiger Zeit entwickeln immer mehr Unternehmen eigene Whistleblowing- bzw. Hinweisgebersysteme in einer kaum zu überblickenden Vielfalt“, beschreibt Strack die Situation. „Da gibt es interne und externe Ombudsleute, Systeme die nur Telefonhotlines anbieten, Email-Postfächer, Briefkästen und spezielle Internetportale mit oder ohne Rückkanal sowie Kombinationen dieser Angebote. Völlig unterschiedlich sind auch der Kreis der möglichen Meldenden, die Themen, auf die sich die Meldung beziehen kann und die Art, wie anschließend mit der Meldung und dem Whistleblower verfahren wird.“

Mit ihrem Projekt wollen Whistleblower-Netzwerk e.V. und Kritischen Aktionäre diese Vielfalt erfassen und zugleich in Form eines Rankings auch mit international anerkannten „Best practice“-Standards vergleichen. „Bezugspunkt ist dabei eine transparente und ethisch verantwortliche Unternehmenspraxis, die potenziellen Whistleblowern effektiven Schutz vor jeglicher Art von Repressalien bietet und gewährleistet, dass Missstände auch dann aufgeklärt und abgestellt werden, wenn dies einmal nicht im kurzfristigen Interesse aller Führungskräfte ist, wohl aber im Interesse des Unternehmens, der Aktionärinnen und Aktionäre und vor allem der Gesellschaft“, erläuterte Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands.

Dokumente und Links:

Was macht das Whistleblower-Netzwerk?

Der Whistleblower-Netzwerk e.V. ist eine 2006 gegründete Initiative für Whistleblowerschutz. Whistleblowing schafft Transparenz und hilft so in den vielen Themenbereichen gegen Rechtsbrüche, Korruption, Gesundheits- und Umweltsschäden. Dennoch sind Whistleblower hohen persönlichen Risiken ausgesetzt. Der gemeinnützige Verein setzt sich daher für ein Klima des offenen Dialogs ein und sucht die Rahmenbedigungen für Whistleblower in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft zu verbessern. Der Verein berät Whistleblower, und solche die es werden könnten. Außerdem vernetzt er sie mit möglichen Unterstützern.
Seit 2008 ist das Whistleblower-Netzwerk Mitglied im Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre.

Was macht der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre?

Mehr Umweltschutz und mehr soziale Gerechtigkeit: Dafür streiten die Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre seit über 20 Jahren in den Hauptversammlungen deutscher Konzerne. Sie wollen Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten, umweltfreundliche Produkte und Klimaschutz fördern, die Sozialbindung des Eigentums durchsetzen. Sie kämpfen gegen das Diktat des „Shareholder Value“, gegen Rüstungsproduktion, gegen Atomenergie und umweltschädliche Geschäfte.

Der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre organisiert die gemeinsamen Kampagnen seiner Mitgliedsorganisationen. Außerdem ist er die zentrale Anlaufstelle für mehr als 4.000 Kleinaktionärinnen und Kleinaktionäre, die ihm die Stimmrechte ihrer Aktien übertragen, um auf diesem Weg ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrzunehmen.
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2 Gedanken zu „Wie gehen deutsche Unternehmen mit der Meldung von Korruption um?

  1. Uns ist nicht bekannt, wie andere Unternehmen mit dem Wissen um Korruption und anderen Missständen umgehen, und ob eine ehrliche Antwort auf den Fragebogen zu erwarten ist.

    Wir wissen jedoch, wie die Firma Miele mit dieser Thematik umgeht. In Ihrem Nachhaltigkeitsbericht 2008 weist sie darauf hin, dass sie Mitglied im Global Compact der Vereinten Nationen ist, der CECED Code of Conduct von der Geschäftsführung unterzeichnet wurde, und dass sie sich nach der SA 8000 der SAI hat zertifizieren lassen.

    „Wir bekennen uns klar zu den Prinzipen in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsstandards, Umweltschutz und Anti-Korruption …“, so heißt es in dem Ende des vergangenen Jahres vorgestellten Bericht, und „dass im Unternehmen die Mitarbeiter angemessen entlohnt und mit Anstand behandelt werden, war und ist für die Geschäftsleitung selbstverständlich“.

    Doch die Wahrheit sieht anders aus!!!

    Wer die Geschäftsleitung auf Missstände aufmerksam macht, der wird gemobbt und anschließend mit arbeitsrechtlich unlauteren Mitteln aus dem Unternehmen gedrängt. Dabei war der Hinweis für das Unternehmen Miele von einer nicht ganz unbedeutenden Tragweite ( siehe „hansdietrich.de“ unter „aktuelles“ der Offene Brief an Dr. Markus Miele, Eintrag vom 02.12.2008).

    Und der anschließende Umgang mit den Arbeitnehmererfindungen lässt zudem keinen anderen Schluss als den der Korruption zu. So wurden die zum Aufbau unserer Selbstständigkeit gedachten Erfindungen im Zusammenspiel der Patentanwaltskanzlei Ter-Meer – Müller – Steinmeister & Partner und der Firma Miele wirtschaftlich unbrauchbar gemacht. Statt gegen derartige kriminelle Machenschaften Ermittlungen einzuleiten, unterstützen einflussreiche Politiker und Juristen diese Akteure (siehe u.a. Offenen Brief an den NRW-Ministerpräsidenten auf o.g. Homepage).

    Auch die Verletzung des Brief- und Postgeheimnisses scheint keine Rolle mehr zu spielen. Zensur für den Chef??? (siehe o.g. Homepage)

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