Forschung durch Geld, Politik und Ideologie erniedrigt ? Der Fall des Whistleblowers James Enstrom

Nachdenklich stimmt die Geschichte von Professor James Enstrom. Die University of California in Los Angeles (UCLA), für die Enstrom im Fachbereich Umwelthygiene forscht, wollte dessen Arbeitsvertrag nach 35 Dienstjahren nicht mehr verlängern. Zuvor hatte nach vorliegenden Berichten eine politisch nicht genehme Studie über die Auswirkung von Dieselpartikelemissionen auf die Gesundheit veröffentlicht.
In dieser Diese 2005 veröffentlichte Studie soll dargelegt haben, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Emissionen und der Sterblichkeitsrate gibt. Er widersprach somit einer Studie der kalifornischen Luftkontrollbehörde (CARB), die verwendet wurde, um strikterer Emissionsvorschriften für Bus und Lastkraftwagen zu rechtfertigen. Doch soll sich den Berichten zufolge im Nachhinein herausgestellt haben, dass die Dieselpartikelemissionen von der Behörde um 340% übertrieben worden waren.
In weiterer Folge wurde dann bekannt, dass der Leiter der statistischen Studie, Hien Tran, sein akademisches Diplom – anders als von ihm angegeben – nicht an der kalifornischen Davis Universität bekommen hatte. Er gab zu, es an der Thornhill Universität, einer nicht anerkannten universitären Einrichtung, um US-$ 1.000.- erworben zu haben. Laut Enstrom ist die Thornhill Universität eine bloße „online Diplom Druckerei“.
CARB Direktorin Direktorin Mary D. Nichols gab später zu, die übrigen Vorstandsmitglieder vor deren Genehmigung der neuen Emissionsvorschriften nicht über diesen Umstand informiert zu haben. Zwar entschuldigte sie sich dafür, doch die Vereinigung der Lastkraftwagenfahrer OOIDA, die die neuen Emissionsvorschriften bekämpft hatte, prangerte Nichols mangelnden Mut an, die Situation Hien Trans in der Vorstandssitzung zu erörtern.
Nichtsdestotrotz wurde schließlich Hien Tran als für seine Lüge im Wege einer dienstrechtlichen Herabstufung und durch Auferlegung einer Geldbusse in Höhe von zwei Monatsgehältern bestraft. Wie die CARB am  09. April 2009 selbst feststellte, sei wegen Tran die eigene  Emissionsstudie in Misskredit geraten.
Auch wurden die Wissenschaftler, die CARB berieten, offenbar nie – wie vom Gesetz vorgesehen – ausgewechselt, sodass keinerlei neue Ansichten an den Vorstand herangetragen werden konnten.
Dem allen zum trotz sollte Enstroms Vertrag von der University of California in Los Angeles 2010 nicht verlängert werden. Dafür sorgte laut Enstrom John Froines, der in CARBs wissenschaftlichen Beirat seit 1986 tätig war und 2010 nicht mehr wiederbestellt wurde, nachdem Enstrom die Mängel der Dieselemissionsstudie aufgezeigt hatte. Zur Rache soll er als Universitätsmitglied für den Rauswurf Enstroms gestimmt haben. Zudem ist auch CARB Direktorin Mary D. Nichols Professorin an dieser Universität.
Zunächst hieß es, dass es kein Geld mehr gäbe, um Enstroms Posten zu finanzieren. Dann war aber doch Geld vorhanden. Auch wurde vorgegeben, dass seine Forschungen nicht mit der Aufgabe seines Institutes vereinbar wären. Dies waren sie fast 35 Jahre lang gewesen, und das Argument wurde schliesslich ebenfalls fallen gelassen. Schließlich wurde ihm vorgeworfen, keine ausreichenden Forschungsmittel sichergestellt zu haben.
So scheint es, dass die kalifornische Umweltverwaltung CARB im Wege mit ihr verbundenen UCLA bloss ein Exempel an Enstrom statuieren wollte, und er Repressalien ausgesetzt wurde, weil er politisch unliebsame Forschung betrieben hatte und CARBs Direktorin Mary D. Nichols bloßgestellt hatte. Enstrom klagt nun die Universität wegen dieser Repressalien auf der Grundlage der geltenden Whistleblower-Schutzgesetzgebung.
Bei den für 2012 anstehenden kalifornischen Parlamentswahlen unterstützt Mary D. Nichols eine Kandidatin der Demokraten während Enstrom für die Republikanischen Partei spendet und  die Unterstützung republikanischer Abgeordneter geniesst.
Am 08. August 2011 wandte sich ein Kollege Enstroms, der Professor für Toxikologie an Universität von Massachusetts (Amherst) und Marie Curie Preisträger Edward Calabrese, im Namen der Forschungsfreiheit an den Dekan des Instituts für Umwelthygiene, Richard Jackson, und ersuchte ihn, „ehrenhaft, fair und korrekt“ zu handeln und Einstrom weiter zu beschäftigen. „Lassen Sie sich nicht durch Geld, Politik und Ideologie  erniedrigen” und „treten Sie für akademische Grundsätze ein“ !
Enstrom ist auch wegen seiner Studie zum Passivrauchen bekanntgeworden, dessen Gefährlichkeit er gemeinsam mit seinem Kollegen Geoffrey Kabat weitgehend bestritt. Enstrom ist der Gründer des Scientific Integrity Institutes.
Whistleblowing Austria / Walter Gehr

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