Tipps für Whistleblower von J. Assange von Wikileaks

Julian Assange von Wikileaks hat in einem Video seinen „Guide to Whistleblowers“ vorgestellt. Da das Video derzeit leider nur in Englisch verfügbar ist, nachfolgend in Deutsch eine grobe Zusammenfassung der wichtigsten Tipps.

1. Sehen Sie nicht nur die Risiken sondern auch die Chancen!
Fragen Sie sich: Was kann das Beste sein was Sie erreichen können. Schauen Sie nach erfolgreichen Whistleblowern. Diese sind oft nicht namentlich bekanntm, sondern haben es geschafft anonym zu bleiben. Es gibt aber viele solcher Fälle in denen die Medien z.T. vage Referenzen auf „Dokumente die uns vorlagen“ enthalten. Aufgrund solcher Berichte wurde schon vieles Verändert und letztlich beruhen die meisten investigativen Berichte in den Medien auf erfolgreichen – anonymen – Whistleblowern als Quelle. Wikileaks konnte seine Erfolge nur dank anonymer Whistleblower erreichen – die Chancen sind größer, die Risiken sind geringer als Sie denken.
2. Finden Sie einen journalistischen Experten der Ihnen bei der Verbreitung hilft!
Dies kann Wikileaks sein aber auch erfolgreiche und professionell agierende investigative Journalisten in den Mainstream Medien. Suchen sie nach jemandem dem Sie trauen können, nach erfolgreichen Experten, nach Stories die erkennbar auf anonymene Whistleblower zurückgehen und die auch tatsächlich etwas bewegt und verändert haben.
3. Seien Sie sorgsam bei dem Kontakt mit ihrem Experten!
Sie brauchen nicht paranoid zu werden. Es gibt sichere Wege, z.B. die Kontaktaufnahme über eine Telefonzelle (Stimme verstellen) oder einen öffentlichen PC (nicht zu freizügig mit dem Inhalt sein) außerhalb ihrer Umgebung und ohne Videoüberwachung oder über einen Umschlag ohne Absender. In der Folge können Sie auch ein (am besten mehrere) bar bezahltes, nicht auf Sie rückführbares pre-paid Second-Hand Handy benutzen. Beachten Sie dass Sie dieses ausschließlich für den Kontakt mit Ihrem Experten benutzen und dass weder Handy noch Simkarte auf Sie registriert sein dürfen. Auch hier gilt Benutzung nur außerhalb ihres Wohn- und Arbeitsumfeldes und nie parallel zu ihrem sonstigen Handy.
4. Reden Sie mit niemandem außer Ihrem Experten über Ihr Whistleblowing!
Es war seine Schwiegermutter die Daniel Ellsbergs als Whistleblower der Pentagon Papiere enttarnte. Sie können Stolz sein etwas zu bewirken, zeigen dürfen Sie diesen Stolz aber erst später wenn Sie nicht mehr gefährdet sind. Warten Sie zuerst ab was passiert.
5. Planen Sie die Herausgabe weiterer Informationen!
Es ist immer gut, wenn Sie noch etwas nachlegen und so weitere Berichterstattung auslösen können. Aber denken Sie daran es ist Ihre Verantwortung nicht erwischt zu werden, für Sie selbst und auch um andere nicht unnötig vor anonymem Whistleblowing abzuschrecken.
6. Bleiben Sie wie Sie sind!
Viele Whistleblower fallen dadurch auf, dass Sie sich und Ihre Gewohnheiten verändern, z.B. misstrauischer werden oder geheimnisvoll agieren. Je entspannter Sie bleiben um so besser. Gute Agenten die auf Sie angesetzt sind werden Sie ohnehin nicht bemerken, also hören Sie auf sich zuviel Sorgen zu machen.
7. Hinterlassen Sie keine Spuren im Haus oder am Arbeitsplatz!
Neben Dokumenten und Emails hinterlassen auch von Ihrem PC aus getätigte Suchabfragen im Internet dauerhaft Spuren die Sie vermeiden müssen. Benutzen Sie nur PCs die nicht auf Sie zurückführbar sind. Für Telefone gilt das Gleiche.
8. Besorgen Sie sich rechtzeitig einen guten Anwalt!
Haben Sie dessen Kontaktdaten immer bei sich. Wenn Sie von der Polizei befragt werden fragen Sie nach ob Sie gerade als Zeuge oder Beschuldigter befragt werden. Als Zeuge müssen und sollten Sie bei der Polizei nichts aussagen – Sie haben halt einfach keine Zeit – und als Beschuldigter sagen Sie nie etwas ohne ihren Anwalt. Den finden Sie indem Sie nach Anwälten bekannter Whistleblower suchen oder sich bei Fachleuten oder Anwaltskammern erkundigen.

Tipps für Whistleblower gibt es auch auf der Webseite von Whistleblower-Netzwerk und bei unserem Kooperationspartner whistleblowerinfo.de

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