Was haben die Bahn und Deepwater Horizon gemeinsam?

„Lieber mal einen Zug ausfallen lassen, als wie die Sicherheit aufs Spiel setzen. Dieser Grundsatz, der ist verändert worden. Der Grundsatz lautete dann in Zukunft: Gewinnmaximierung. Koste es was es wolle.“

So hatten wir vor recht genau einem Jahr an dieser Stelle den Betriebsratsvorsitzenden der Berliner S-Bahn mit Blick auf die Ursachen dortigen Sicherheitsprobleme zitiert. Und die Ursachen der aktuellen Probleme der Bahn sind wohl an ganz ähnlicher Stelle zu suchen. Apropos Bahn, gab es da nicht auch einmal etwas in Eschede? Auch diesbezüglich war von „nicht abgeschlossenen Testläufen für jenen Radreifentyp, der vielen zum Schicksal wurde“ die Rede. Und weiter „Beeidete Aussagen zeugen von der Überlastung jener Münchner Mitarbeiter, die die technische Wartung des Zuges am Vorabend des Unglückes an der Isar vornahmen: „Die Züge mussten ja raus!“.“

Nun aber zu etwas scheinbar gänzlich anderem, den Ursachen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Hierzu findet sich derzeit einiges in der Zeit und vor allem in diversen US-Medien. Demnach ist jetzt ein Bericht von März 2010, also unmittelbar vor der Explosion der Deepwater Horizon aufgetaucht. Resümee: „Darin berichten befragte Mitarbeiter von Transocean von teilweise schwerwiegenden Mängeln auf der Plattform. Das fortlaufende Anzapfen des Ölfeldes sei wichtiger gewesen als geplante Wartungsarbeiten. … Da das Transocean-Management im texanischen Houston jedoch „Angsttaktiken“ anwende, hätten viele Mitarbeiter potentiell „riskante“ Situationen lieber verschwiegen. “

Weitere Beispiele für Profit vor Sicherheit, eingeschüchterte Mitarbeiter und die Verhinderung rechtzeitigen Whistleblowings finden sich z.B. hinsichtlich des Einsturzes der Eishalle in Bad Reichenhall oder des Untergangs der der Herald of Free Enterprise. Sogar im Golf scheint das Prinzip aktuell weiter angewandt zu werden indem Warnungen hinsichtlich der Gefährlichkeit der zur Ölbekämpfung eingesetzten Chemikalien ignoriert werden.

Wann endlich wird diese Systematik als eigentliches Querschnitts-Problem erkannt und ernsthaft in Angriff genommen? Es darf sich zukünftig einfach nicht mehr lohnen Profit vor Sicherheit zu stellen und potentielle Whistleblower zum Schweigen zu bringen!

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