112 Organisationen fordern besseren Whistleblowerschutz

Vielleicht gibt es ein solch breites Bündnis für einen effektiven Whistleblowerschutz, der weit über den jetzt vorgeschlagenen § 612a n.F. BGB hinausgehen muss, ja bald auch in Deutschland (Träumen muss erlaubt sein), derzeit bezieht sich die Schlagzeile allerdings noch auf die USA.

Dort haben sich jetzt 112 Organisationen mit höchst verschiedenen Hintergründen wie z.B. Religion, Wissenschaft, Verbraucherschutz, Bügerfreiheiten, Menschenrechte, Frieden, KMUs, Arbeit, Freidenker, Journalisten, Umwelt- und Good-Government zusammengeschlossen und die Abgeordneten im Repräsentatenhaus und die Senatoren aufgefordert noch in diesem Jahr ein Gesetz zum optimalen Whistleblowerschutz für US-Bundesbedienstete vorzulegen.

Wie berichtet haben beide Häuser des Kongresses bereits jeweils eigene Gesetzesentwürfe für besseren Whistleblowerschutz gebilligt. Nun gilt es diese zu einem einheitlichen Gesetz zusammenzuführen, dieses zu verabschieden und Präsident Bush zur Unterschrift unter dieses Gesetz zu bewegen. Hierfür setzen sich die 112 Organisationen unter Führung der Whistleblower-NGOs Government Accountability Project (GAP), Public Citizen, the Project On Government Oversight (POGO) und Union of Concerned Scientists (UCS) ein.

Die Hauptforderungen lauten dabei:

  • Grant employees the right to a jury trial in federal court;
  • Specifically protect federal scientists who report efforts to alter, misrepresent, or suppress federal research;
  • Extend meaningful protections to FBI and intelligence agency whistleblowers;
  • Strengthen protections for federal contractors, as strong as those provided to DoD contractors and grantees in last year’s defense authorization legislation;
  • Extend meaningful protections to Transportation Security Officers (screeners);
  • Neutralize the government’s use of the “state secrets” privilege;
  • Bar the MSPB from ruling for an agency before whistleblowers have the opportunity to present evidence of retaliation;
  • Provide whistleblowers the right to be made whole, including compensatory damages;
  • Grant comparable due process rights to employees who blow the whistle in the course of a government investigation or who refuse to violate the law; and
  • Remove the Federal Circuit’s monopoly on precedent-setting cases.

Besonderes Augenmerk wird dabei auch darauf gelegt, dass Bundes-Whistleblower in dem gegenwärtigen spezifischen Verwaltungsverfahren (Merit Systems Protection Board- MSPB) sehr schlechte Chancen haben. So stehen allein in den ersten drei Monaten des Jahres 2008 zwei gewonnenen 49 verlorene Verwaltungsverfahren gegenüber.

Noch aktueller als dieser Brief der 112 Organisationen ist eine Entscheidung des US-Supreme-Courts vom Montag. In Allision Engine Co., Inc., et al. v. United States ex rel. Sanders hat dieser nämlich den Anwendungsbereich des false claims act, des bislang effektivsten Whistleblowergesetzes in den USA, deutlich beschnitten und seine Anwendbarkeit auf die Wiedergutmachung von Schadensersatzzahlungen seitens der US-Regierung davon abhängig gemacht, dass der Beklagte diesbezüglich vorsätzlich handelte:

It is insufficient for a plaintiff asserting a §3729(a)(2) claim to show merely that the false statement’s use resulted in payment or approval of the claim or that Government money was used to pay the false or fraudulent claim. Instead, such a plaintiff must prove that the defendant intended that the false statement be material to the Government’s decision to pay or approve the false claim.

Begründet wurde dies mit den Worten:

Had Congress intended subsection (a)(3) to apply to anyone who conspired to defraud a recipient of Government funds, it would have so provided.

Stephen M. Kohn, der Präsident des National Whistleblower Center hat dies mit folgenden Worten kommentiert:

The Supreme Court’s ruling highlights the urgent need for Congress to pass the False Claims Correction Act. Every time a recipient of federal funds escapes punishment for improperly spending those dollars, the taxpayer is the big loser. No government contractor should be permitted to rip off taxpayers and profit from that misconduct. Congress must immediately close the loopholes in the False Claims Act.

Auch hier ist demnach der Ball im Feld der Legislative. Sie muss klarstellen, ob Sie einen effektiven Whistleblowerschutz tatsächlich will und sie muss dies in einer Art und Weise tun, die auch für die Gerichte hinreichend eindeutig ist.

Da kann einem für die Situtation in Deutschland ja wirklich Angst und Bange werden, wenn man sich die Maulkorbentscheidungen des BAG und die von allen Experten als unklar kritisierten Formulierungen im Vorschlag zu § 612a n.F. BGB ansieht.

Aber vielleicht werden Träume ja Wirklichkeit und auch in Deutschland bildet sich bald ein Bündnis für effektiven Whistleblowerschutz – Interessenten können sich jedenfalls gerne beim Whistleblower-Netzwerk melden.

Folgen Sie uns!

Unser Newsletter

Wollen Sie über Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten werden?

Unterstützen Sie uns!