Wochenrückblick Whistleblowing- unsere Medienauswahl (KW-03/2016)

Whistleblower – Allein gegen das System

„Allein gegen das System“ heißt ein 30minütiger Film über Whistleblower, den die DW Deutsche Welle gerade sendet und online gestellt hat. Auch in Englisch, Spanisch und Arabisch. Unter den Protagonisten u.a. Swen Ennulat (www.ansTageslicht.de/Ennullat) und Rudolf Elmer (www.ansTageslicht.de/Elmer): Den ganzen Beitrag können Sie hier anschauen!

Deutsche Welle, Allein gegen das System

Der Preis der Wahrheit – Whistleblower im Exil

Der NDR.de berichtet über die Folgen des Whistleblowing gegen Doping im russischen Spitzensport für die Hinweisgeber.

NDR, Der Preis der Wahrheit

Wochenrückblick Whistleblowing – unsere Medienauswahl (KW-52/2014)

CIA-Folterreport
Die New York Times hat einen ehemaligen Verteidiger von Khalid Shaikh Mohammed interviewt.
New York Times, „The Case Against Toture“, Brian Knappenberger

Dienstleistung Folter
Der CIA-Foltereport zeigt nur einen Teil der gesamten Verwicklung der USA in Folter, da er nur die direkt durch die CIA begangene Folter beschreibt. Viele Gefangene wurden allerdings an ausländische Geheimdienste ausgeliefert und dann in diesen Ländern misshandelt und gefoltert.
ACLU, „The Horrific Stories of CIA-sponsored Torture That Aren’t in the Senate Report“ , Steve M.Watt

Dick Cheney, der Vize-Präsident unter George Bush war, bestätigt, dass er und der Präsident sich täglich mit dem CIA-Direktor trafen und über die Verhömethoden nicht nur unterrichtet waren, sondern sie auch befürworteten. Cheney zeigt indes keine Reue und sagt, er würde sofort wieder so handeln wie damals.
Washington Post, „Dick Cheny confirms it: Bush deserves blame for CIA torture“, Stephen Stromberg

Der Ruf nach Konsequenzen und einer Strafverfolgung der Täter und Verantwortlichen wird auch in den USA immer lauter. Obama will allerdings keine weiteren Untersuchungen oder gar Konsequenzen ziehen, sondern den Blick nach vorne richten.
New York Times, „Prosecute Torturers and Their Bosses“, Editorial Board Den ganzen Beitrag lesen

Buchbesprechung: Mobbing am Arbeitsplatz – Trainingsmanual für Psychotherapie und Beratung

Angeregt durch den Aufsatz des Diplom Psychologen Dr. Josef Schwickerath im vor kurzem besprochenen Werkbuch Mobbing, haben wir uns nunmehr dessen, gemeinsam mit seinem Kollegen Moritz Holz verfasstes, Trainingsmanual angesehen. Das Buch sammelt die Erfahrungen der Autoren aus 15 Jahren Arbeit mit Mobbingopfern.

Der Begriff Whistleblowing wird dabei leider nur an einer einzigen Stelle kurz definiert. Dennoch dürften sich Whistleblower, wenn sie sich in ambulante oder stationäre Psychologische Behandlung begeben, häufig ähnlichen Behandlungsmethoden gegenüber sehen, wie jenen die hier, als Teil eines mehrstufigen Behandlungsprozesses, beschrieben werden. Das weitgehend auch für Laien gut lesbare Buch sei daher all jenen Betroffenen, aber auch deren Angehörigen, empfohlen, die eine Psychotherapie erwägen oder auch die Methoden, die Ihnen gegenüber in einer Psychotherapie angewandt werden, in ihrer Systematik überprüfen oder besser verstehen wollen. Dieser selbstbestimmte Patient ist auch ganz im Sinne der Aussage der Autoren: “Transparenz in der Therapie ist eine Grundvoraussetzung”.

Grundtenor des Buches ist die Aussage, dass Mobbing krank macht (vor allem depressive aber auch somatische Störungen sind sehr häufig) und eigentlich einer Lösung bedarf, die an den Ursachen ansetzt, also z.B. der Kommunikation am Arbeitsplatz und alle Beteiligten einschließt, dass andererseits aber in einer Behandlung zumeist nur der einzelne Patient zur Verfügung steht, der sich vor allem als Mobbing-Opfer begreift. Jede auf diesen beschränkte Therapie kann daher nur dessen Handlungspotentiale ausloten und aktivieren, um so für diese Person – aber auch im finanziellen Interesse der Träger und der Gesellschaft – eine Verbesserung zu erreichen.
Größtes Problem dabei ist oft, dass der Patient zumindest anfänglich gerade umgekehrt nicht seine Eigenanteile ergründen oder sein Verhalten ändern will, sondern die Schuld bei den vermeintlichen Tätern sucht und von diesen Veränderungen einfordert. Den ganzen Beitrag lesen

Restitutionsklage Heinisch vs. Vivantes endet mit Vergleich

Der Rechtsstreit zwischen Brigitte Heinisch und dem Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH ist erledigt. Nach mehr als sieben Jahren wurde zwischen den Parteien ein Vergleich geschlossen.

Der Vergleich
Der Vergleich vom 24.5.2012 sieht im Wesentlichen vor,

  • dass die durch das Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Berlin-Brandenburg vom 28. März 2006 bestätigte fristlose Kündigung von Heinisch vom 9.2.2005 in eine „ordentliche Kündigung aus betrieblichen Gründen zum 31.3.2005“ umgewandelt wird;
  • dass die weiteren von Vivantes ausgesprochenen Kündigungen vom 19.1.2005 sowie vom 25.4.2005 – und die darin enthaltenen Begründungen – damit „gegenstandslos“ geworden sind;
  • dass Vivantes an Heinisch eine Abfindung von 90.000 € brutto gemäß §§ 9 – 10 Kündigungsschutzgesetz zahlt;
  • dass Vivantes Heinisch ein wohlwollendes Zeugnis ausstellt, das sie in ihrem beruflichen Fortkommen nicht behindert;
  • dass damit alle denkbaren Ansprüche der streitenden Parteien erledigt sind;
  • dass die Kosten des Restitutionsverfahrens gegeneinander aufgehoben werden.

Die Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg dauert von halb zwölf bis halb fünf. Die Presseleute stöhnen. Seit siebeneinhalb Jahren kämpft Brigitte Heinisch gegen ihre Kündigung und damit gegen den landeseigenen Großkonzern Vivantes. Wenn es nicht zu einem Vergleich komme, mahnt der Vorsitzende wiederholt, könne sich der Rechtsstreit gut und gern weitere sechs Jahre hinziehen. Diese Aussicht fördert im Laufe der Verhandlung die Kompromissbereitschaft der streitenden Parteien merklich. Aber wer Brigitte Heinisch kennt und weiß, was sie in den letzten Jahren durchmachen musste und welchem Druck sie Stand gehalten hat, weiß auch, dass sie sich ihre Überzeugung und ihre Wut nicht abkaufen lassen wird.

Rückblick
Brigitte Heinisch arbeitete vier Jahre lang als Altenpflegerin in einer Pflegeeinrichtung des Vivantes Konzerns mit zirka 160 Pflegeplätzen. In diesem Altenpflegeheim wurden vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) wiederholt schwer wiegende Mängel festgestellt und dokumentiert, insbesondere personelle Unterbesetzung, gravierende „Defizite hinsichtlich Nahrungs- und Getränkeversorgung“, kein angemessenes pflegerisches „Schmerzmanagement“, freiheitseinschränkende Maßnahmen ohne Zustimmung, kein regelmäßiges Duschen/Baden, keine fachgerechte Inkontinenzversorgung u.v.m. (Prüfbericht vom 10.5.2006). Als Brigitte Heinisch die Bedingungen, denen alte, kranke und zum Teil hilflose Menschen ausgesetzt waren, nicht mehr ertragen konnte, wandte sie sich mit Überlastungsanzeigen, Beschwerden und Verbesserungsvorschlägen an ihre Vorgesetzten. Nach langen, fruchtlosen Auseinandersetzungen mit der Leitung ihrer Pflegeeinrichtung mehrten sich bei ihr physische und psychisch bedingte Beschwerden. Ende 2004 wandte sie sich über einen Rechtsanwalt an die Geschäftsführung des Heimbetreibers Vivantes. Sie verwies darauf, dass ihrer Ansicht nach v.a. aufgrund des andauernden Personalmangels eine sachgerechte Pflege nicht mehr möglich sei. Gesundheit und Menschenwürde der Pflegebedürftigen würden vernachlässigt. Die Geschäftsführung war nicht bereit, die Situation zu verändern. Schließlich erstattete Brigitte Heinisch durch ihren Rechtsanwalt Strafanzeige wegen Betruges. Daraufhin wurde ihr am 9.2.2005 fristlos gekündigt. Den ganzen Beitrag lesen

Whistelblowing gegen „Whistleblower“

Bei der Recherche nach Whistleblowing taucht ab und an auch der Begriff Schiedsrichter auf – Irrläufer. Bei Main-Netz findet sich aber ein Bericht über einen männlicher Schiedsrichter der – wohl als absichtlicher Irrläufer – nach einem Frauenspiel gegen deren Willen mit den Damen duschte und sich auch nach deren Protest nicht entfernte. Die Spielerinnen beschwerten sich, und zunächst sah es auch so aus, als ob dieses Verhalten für den Schiedsrichter Konsequenzen haben sollte.

Ähnlich wie nach anderem Whistleblowing scheint mittlerweile die zuständige Organisation – hier der Bayerische Fußballverband BFV – aber keine Lust mehr auf zügige Aufklärung und Sanktionierung zu haben, sondern auf Zeit zu spielen und auf Vergessen und Beschwichtigung zu setzen. Kein Wunder, dass sich die Hinweisgeberinnen mittlerweile  „fast wie Nestbeschmutzerinnen fühlen“.