EU Parlamentarier setzen sich für Manning ein – Florence Hartmann kaum beachtet

In einem offenen Brief an Präsident Obama, die Kongressabgeordneten und die US-Armeechefs haben sich 50 Mitglieder des Europäischen Parlaments ihre Besorgnis über die Behandlung des angeblichen Wiileaks-Whistleblowers Bradley Manning ausgesprochen, der seit 17 Monaten unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in US-Militärgefängnissen in Haft ist.

Unterdessen forderte Mannings Anwalt im Hinblick auf die für Dezember angekündigte Anhörung die US-Behörden zur Herausgabe wichtiger Unterlagen auf.

Während der Fall Manning, zu Recht, weltweit Beachtung findet, vollzieht sich ein anderer skandalöser Umgang mit einer Whistleblowerin weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Florence Hartmann ist auch in zweiter Instanz von der Berufungskammer des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wegen ihres Whistleblowings zu einer Geldstrafe von 7.000 EUR verurteilt worden. Da sie diese Geldstrafe selbst nicht zahlen konnte, wurde das Geld von einem Unterstützungskommittee aufgebracht. Dies sieht der ICTY aber nicht als ausreichend an und hat die Geldstrafe nunmehr in eine 7-tägige Haftstrafe umgewandelt und einen internationalen Haftbefehl gegen Frau Hartmann erstellt. Die Menschenrechtsorganisation Artikel 19 sieht darin „a perversion of international justice and undermines the right to freedom of expression“ und ruft Frankreich, wo sich Frau Harmann mutmaßlich aufhält, auf, diesen Haftbefehl nicht umzusetzen. Den ganzen Beitrag lesen

Whistleblowing in Russland

Die St. Petersburg Times berichtet heute über den Armeepiloten Igor Sulim, der suspendiert wurde, nachdem er publik gemacht hatte, dass ranghohe Offiziere am Luftwaffenstützpunktes Lipetsk von Untergebenen verlangt hatten, deren Gehaltszulagen mit ihnen zu teilen.

Untersuchungen wegen Amtsmissbrauches seien von den Militärbehörden gegen Sulims Vorgesetzten, Oberst Kovalsky, sowie gegen den Leiter der Disziplinarabteilung, Sergei Sidorenko, eingeleitet worden. Beide sollen mit Wissen ihrer Vorgesetzten seit 2010 umgerechnet

€ 50.000.- von Luftwafenpiloten abverlangt haben. Es drohen ihnen bis zu vier Jahren Haft.

Gleichzeitig soll der stellvertretende Luftwaffenchef Bondarev angeordnet haben, dass Korruptionsvorwürfe innerhalb der Einheit nur an Vorgesetzte weitergeleitet werden dürfen.

Igor Sulim erwarte, gekündigt zu werden und möchte nach Beendigung seiner Militärlaufbahn Rechtsanwalt werden.

Sulim habe erkärt, von einem anderen russischen Whistleblower, Alexej Dymowsky, Unterstützung bekommen zu haben. Dymowsky, ein ehemaliger Polizist, hatte 2009 auf YouTube ein Video gepostet, in welchem er an Premierminister Vladimir Putin appelliert hatte, die Korruption in den Reihen der Polizei der Hafenstadt Novorossijsk zu beenden: http://youtu.be/38Ma_kSJWS4 Den ganzen Beitrag lesen