Julian Assange aus der Haft freilassen

FAZ vom 6.2.2020

Am 6. Februar stellten Günter Wallraff (Investigativjournalist), Sigmar Gabriel (Bundesaußenminister a.D.), Gerhart Baum (Bundesinnenminister a.D.) und Sevim Dagdelen (MdB) in der Bundespressekonferenz in Berlin den Appell „Julian Assange aus der Haft entlassen“ vor, der von weit mehr als 100 Prominenten aus Politik, Wissenschaft, Kultur und Medien unterzeichnet wurde.
Link zum Aufruf

Whistleblower-Netzwerk gehört zu den Unterzeichnern. Wir fügen hinzu: Whistleblower im Bereich der nationalen Sicherheit und der Geheimdienste brauchen ein verbrieftes Recht auf Asyl. #WhistleblowingAlsAsylgrund

Whistleblower schützen!

Am 16.12.2019 ist die EU-Whistleblower-Richtline offiziell in Kraft getreten. Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Eine umfassende Umsetzung in nationales Recht ist bitter nötig – für Whistleblower wie Martin Porwoll, Vertrauensanwälte wie Christoph Partsch und für die Gesellschaft, wie unsere Vorsitzende Annegret Falter in diesem Video von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN mit MdB Dr. Manuela Rottmann erklärt.

Keine Sportförderung ohne Whistleblowerschutz

Doping, Sportwettenbetrug, Korruption, sexualisierte Gewalt – auch im Sport kämen Missstände ohne Whistleblower nur selten ans Licht, wie in Deutschland jüngst der Dopingfall in Seefeld und Erfurt („Operation Aderlass“) belegt. Es ist daher zu begrüßen, dass das Bundesinnenministerium geschützte externe Hinweisgebersysteme laut einer Kleinen Anfrage von Monika Lazar (Bündnis 90/Die Grünen) zur Voraussetzung für die Förderung von Sportverbänden machen will. Die Ombudsstellen des Deutsche Olympische Sportbunds und des Deutsche Leichtathletik Verbands sind hierfür ein guter Start. Künftige Systeme sollten sich aber mehr an den Whistleblowersystemen der Dopingagenturen NADA und WADA orientieren und, wie von der Bundesregierung vorgesehen, anonymes Whistleblowing ermöglichen. Schließlich wollen Whistleblower häufig erst Vertrauen aufbauen, bevor sie ihre Identität preisgeben. Ganz nebenbei, das ist nicht nur im Sport der Fall.

Gleichzeitig muss der Ächtung von Whistleblowing im Spitzensport stärker entgegengetreten werden. Grigori Rodtschenkow und das Ehepaar Stepanow haben maßgeblich zur Aufdeckung des russischen Dopingsystems beigetragen. Aus Angst um ihr Leben halten sie sich seitdem fern der Heimat an einem versteckten Ort in den USA auf. Die beteiligten russischen Funktionäre werden dagegen von Teilen der Sportwelt immer noch hofiert und nicht mehr als unbedingt notwendig sanktioniert. Auch im Profi-Radsport sind Whistleblower häufig massiven Repressalien ausgesetzt. Radsportkenner sprachen vor ein paar Jahren sogar von einer Omertà („Schweigepflicht“), einem sonst im Zusammenhang mit der Mafia verwendetem Begriff. Den ganzen Beitrag lesen

Rocker-Affäre: Whistleblower leaked Gutachten des Sonderberichterstatters

Kieler Ermittler bestehen auf die Berücksichtigung von entlastenden Beweisen und werden im Gegenzug massiv von ihrem Vorsitzenden unter Druck gesetzt. Publik wird dies nur dank eines Whistleblowers. Was war passiert? Nach einem Überfall mit zweifacher schwerer Körperverletzung kommt es im Januar 2010 in Kiel zur Verhaftung von zwei Mitgliedern einer Rockerbande. Ein Informant leitet anschließend eine entlastende Aussage an einen V-Mann-Führer weiter, der diese wiederum an die zuständigen Ermittler weitergibt. Den Beamten wird es jedoch untersagt, die Beweise zu den Akten zu nehmen. Beide Ermittler insistieren, woraufhin die Beweise schließlich doch anerkannt, die Ermittler aber gegen ihren Willen versetzt werden.

Daraufhin leitet der Schleswig-Holsteinische Landtag 2018 einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein. Die Vorwürfe an die Landespolizei lauten u.a. „Unterdrückung möglicher entlastender Hinweise in einem Strafverfahren, Mobbinghandlungen zum Nachteil von zwei ehemaligen Ermittlungsbeamten sowie die Bildung eines Netzwerkes zur Einflussnahme auf Personalentscheidungen“. Im Juli 2018 stellt zudem Sonderermittler Klaus Buß ein vom Landesinnenministerium beauftragtes Gutachten vor, jedoch ohne es der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Den ganzen Beitrag lesen

„Don’t Kill The Messenger“ – Whistleblower zwischen Recht und Gerechtigkeit

Den Whistleblowern geht es wie dem sprichwörtlichen Messenger. Sie überbringen eine schlechte Nachricht, wenn sie auf Straftaten, Missstände oder Gefahren in ihrem Arbeitsumfeld hinweisen. Oft kommt das der Gesellschaft oder dem eigenen Unternehmen „intern“ zugute. Aber selten wird es ihnen gedankt. Eher werden sie ausgegrenzt und gemobbt, vor allem, wenn sie den Missstand einer Behörde anzeigen oder sich gar an die Medien wenden. Dann gelten sie als Wichtigtuer – als Denunziant, die den Chef verraten und Arbeitsplätze der Kolleg*innen gefährden. Weil sie angeblich die Treuepflicht gegenüber ihrem Arbeitgeber verletzen, werden sie nicht selten versetzt oder gekündigt. Ist das „gerecht?“

Mit unserer Ausstellung „Whistleblowing – Licht ins Dunkel bringen“ präsentieren wir im Kieler Rathaus Beispiele von mutigen Menschen, die ihr Schweigen gebrochen haben, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Auf der Eröffnungsveranstaltung „Don’t Kill The Messenger“ wollen wir am 21. Oktober ab 18 Uhr über konkrete Beispiele, aber auch den rechtlichen Rahmen und die gesellschaftliche Bedeutung von Whistleblowing diskutieren.

  • Hartmut Bäumer, Vorsitzender von Transparency International Deutschland e. V.
  • Inken Brand, Head of Compliance Office, Drägerwerk AG & Co. KGaA
  • Thomas Kastning, Whistleblower Netzwerk
  • Oliver Schröm, Journalist und Publizist

Weitere Informationen unter: whistleblower-net.de/dont-kill-the-messenger/