Zusammenarbeit zwischen Lateinamerika und Europa beim Whistleblowerschutz

Vergangene Woche berieten internationale NGOs in Valencia über eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Lateinamerika und Europa für einen länderübergreifenden, besseren Whistleblowingschutz. Auch dabei in der Universität Valencia war Annegret Falter für Whistleblower-Netzwerk e.V..
In folgender Deklaration erklären die Teilnehmer*innen, dass künftig Erfahrungen ausgetauscht werden und sie sich gegenseitig unterstützen und fördern möchten, um das Bewusstsein der Zivilgesellschaft für die Thematik zu stärken und einen besseren Schutz für Whistleblower zu erreichen.

 

Durchbruch in Brüssel

Eine europaweite Harmonisierung des Whistleblower-Schutzes ist in Sicht: Der Trilog zwischen Kommission, Parlament und Rat zur Richtlinie “zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden”, konnte rechtzeitig vor den anstehenden EU-Wahlen erfolgreich abgeschlossen werden. Künftig genießen die mutigen Verteidiger des Gemeinwohls den Schutz, den sie verdienen.

Der bis zuletzt strittige Punkt war die von der EU-Kommission vorgeschlagene Hierarchie der Meldewege, die bedeutet hätte, dass Hinweisgeber*innen in ihrem betrieblichen und behördlichen Umfeld zunächst 3 Monate lang auf eine interne Reaktion auf ihre Meldung von Missständen hätten warten müssen, bevor sie sich z.B. an die Staatsanwaltschaft oder andere externe Behörden hätten wenden dürfen. Damit wäre die Urteilskraft und Entscheidungsfreiheit von Whistleblowern zugunsten einer starren, unflexiblen Lösung hintangestellt worden.

Bis zuletzt haben zivilgesellschaftliche Akteure versucht, auf die Bedeutung eines effektiven Whistleblower-Schutzes in Europa hinzuweisen. Die Online-Kampagnen “Voices of Justice” und WeMove.eu sowie das virale Video unter dem Hashtag #thetruthneedsfriends sammelten in kürzester Zeit hunderttausende Unterschriften von Unterstützer*innen. Unser internationales Partnernetzwerk WIN war unermüdlich darum bemüht, den verhandelnden Institutionen in Brüssel sowie 28 Justizminister*innen der EU Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Die Initiative “Making Whistleblowing work for Europe” (ein Aktionsbündnis von 75 NGOs, dem u.a. wir angeschlossen sind) erinnerte mit einem offenen Brief die Verhandlungspartner an das eigentliche Ziel der Richtlinie: eine Verbesserung der Rechtssicherheit für Whistleblower, keine Verschlimmbesserung.

Einige Mitgliedsstaaten, unter ihnen Frankreich und Deutschland

, die sich bis zuletzt gegen den Parlamentsentwurf gewandt hatten, begannen unter dem anhaltenden Druck der zivilgesellschaftlichen Akteure ihre Positionen zu überdenken. Annegret Falter, Vorstandsvorsitzende von WBNW, war in diesem Prozess Ansprechpartnerin für die hiesigen Medien. Gegenüber Den ganzen Beitrag lesen

Offener Brief an EU-Justizminister

Am gestrigen Tag veröffentlichte WIN (Whistleblowing International Network) einen offenen Brief an alle 28 Justizminster*innen und drängte darin nochmals auf die Übernahme der Position des Europaparlaments, wonach Hinweisgeber*innen voller Schutz gewährt werden müsse – unabhängig davon, über welchen Kanal sie Missstände bekannt machen.