US-Studie: Die meisten Whistleblower melden zuerst intern

Laut einer aktuellen Studie aus den USA machen 97% aller Whistleblower zunächst intern, also innerhalb ihres Unternehmens, auf Missstände aufmerksam. In 56% aller Fälle ist der erste Ansprechpartner dabei der direkte Vorgesetzte. Wo Whistleblower der Meinung sind, dass ihre Vorgesetzten und das Management sich zu ethischen Werten bekennen, ist die Quote des direkten externen Whistleblowings mit nur einem Prozent sogar noch deutlich geringer. Insgesamt, also auch nach einem eventuellen Scheitern vorherigen internen Whistleblowings, wenden sich überhaupt nur 18% der Whistleblower jemals an jemanden außerhalb ihres Unternehmens.

Die Studie zeigt zugleich, dass Whistleblower weniger durch Prämien als durch die Schwere der Missstände zum Whistleblowing bewegt werden und überzeugt davon sind, dass ihr Whistleblowing die richtige Handlungsweise war (99,5%). Als motivierende Faktoren für Whistleblowing ermittelt wurden: die Annahme Abhilfe erreichen zu können (79%), die Unterstützung durch Management (75%) und Kollegen (72%) und die Möglichkeit der Anonymität (63%). Dort wo Whistleblowing ausblieb wurden als wichtigste Gründe genannt: die Annahme das keine Abhilfe unternommen würde (59%), Angst vor Repressalien (46%) und davor nicht anonym bleiben zu können (39%). Zugleich zeigte sich, dass Beschäftigte umso eher bereit sind Whistleblower zu werden, je sicherer sie sich ihres Arbeitsplatzes sind und je mehr Unterstützung sie am Arbeitsplatz erfahren.

Die wesentlichen Erkenntnisse der Studie lauten:

  • Beschäftigte wollen auf Missstände die sie sehen hinweisen
  • In den meisten Fällen tun sie dies gegenüber jemandem den sie schon kennen
  • Wenn ihrem ersten Hinweis nicht nachgegangen wird versuchen es viele mit einem weiteren (erneut zumeist internen) Hinweis
    Beschäftigte wollen ihr Unternehmen nicht schädigen und nutzen externe Meldemöglichkeiten nur als letzten Ausweg
  • Wenn sich Whistleblower an Behörden wenden tun sie es weil sie Hilfe suchen

Daher, so der Ratschlag der Autoren der Studie, sollten Unternehmen internes Whistleblowing fördern:

  • Stärkung des ethischen Bewusstseins, z.B. durch Schulungen und Ansprechpartner für Fragen und Hinweise
  • Stärkung des Verantwortungsgefühls und Betonung der Bedeutung und positiven Erfolge von internem Whistleblowing, z.B. durch Berichterstattung über erlangte Hinweise und die darauf hin erfolgten Reaktionen
  • Beschäftigten ein Gefühl von Sicherheit und Unterstützung vermitteln
  • Mit Worten, Taten und Entscheidungen beweisen, das Ethik eine Unternehmenspriorität ist

Ethics Resource Center: Inside the mind of a whistleblower — A supplemental report of the 2011 National Business Ethics Survey; 2012, Download unter http://www.ethics.org/nbes/download.html