Welches Whistleblowing war am einflußreichsten?

Im Rahmen unserer internationalen Kooperationen hat uns eine Anfrage erreicht:

Gesucht werden Vorschläge für jene Whistleblowing Fälle, Whistleblowerinnen und Whistleblower die regional oder gar weltweit den größten Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen haben bzw. hatten. Entscheidend soll dabei die erzielte Wirkung sein.

Whistleblower-Netzwerk ruft die Leserinnen und Leser dieses Blogs auf, in der Kommentarfunktion dieser Meldung oder über unser Kontaktformular Vorschläge zu machen. Wir sind schon ganz gespannt. Und wer noch ein paar Inspirationen braucht kann ja auch noch einmal bei unserer Ausstellung von Whistleblowing-Fällen vorbeischauen.

3 Gedanken zu „Welches Whistleblowing war am einflußreichsten?

  1. Den größten und nachhaltigsten Einfluss auf die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands hatte eindeutig das Whistleblowing des ehemaligen Arbeitsamts-Revisors Erwin Bixler. Seine Eingabe an die Bundesregierung führte nicht zuletzt zur Bildung der so genannten „Hartz-Kommission“ und zur „Hartz-Gesetzgebung“. Auch die so genannte Agenda 2010 ist letztlich auf >den Stein< zurückzuführen, den Bixler 2002 ins Rollen brachte. DER SPIEGEL schrieb schon 2005 (Nr. 30): "Seit ein Innenrevisor im Landesarbeitsamt Rheinland-Pfalz-Saarland namens Erwin Bixler Anfang 2002 seine Zweifel an den Vermittlungszahlen der Bundesanstalt für Arbeit (BA) publik machte, seit in der Folge eine Affäre ins Rollen kam, die zum Sturz des BA-Präsidenten Bernhard Jagoda führte, zum Umbau der Arbeitsverwaltung, zu den Hartz-Gesetzen, letztlich sogar zur Agenda 2010 – seither dreht sich alles um die eine Frage: Welcher Weg führt aus der bundesdeutschen Jobkrise?"
    Vor dem Hintergrund der heutigen Lage am Arbeitsmarkt bleibt festzustellen, dass Bixlers Whistleblowing eine immense Wirkung erzielte.

  2. Auf unserer Facebook Seite findet sich folgender Vorschlag:
    Jürgen Beck: Für mich hat Rudolf Elmer weltweit für Aufsehen gesorgt. Rudolf Elmer wird in Indien wie in Europa gehört. Sein Kampf gegen das Schweizer Bankgeheimnis und die Steueroasen haben mich über die Medien 2007/8 Spiegel aufmerksam auf ihn gemacht. Er hat Wikileaks weltweit bekannt gemacht mit seinen Veröffentlichungen über die Praktiken der Julius Bär Bank und der Versuch der Bank die Veröffentlichungen im Netz zu verhindern. Die Bank hat letztlich verloren. Das ist ein Sieg für alle Whistleblower dieser Welt gewesen.

    In einer Email heißt es: Ist doch klar: Deutschland/Europa: Brigitte Heinisch; international: Daniel Ellsberg.

    Ein weiterer Vorschlag: Martin Luther wegen seiner Thesen und des Protest gegen die Machenschaften der katholischen Kirche, seinem „leaking“ der Bibel ins Deutsche und den Auswirkungen seit knapp 500 Jahren.

  3. Die Bemühungen und Leistungen der im Beitrag von „Whistler“ genannten Whistleblower sollten durch meinen Vorschlag in keiner Weise relativiert werden. Aber entscheidend soll die erzielte Wirkung (!) sein, heißt es in der Anfrage. Also geht es – frei nach Helmut Kohl – um das, was >hinten rauskommt<. Nun kann man zu den Resultaten des Whistleblowings von Bixler stehen wie man will – aber rausgekommen (und in der Realittät angekommen) ist erwiesenermaßen eine ziemliche Menge. Prüf- und zählbar.
    Allerdings bin auch ich der Meinung, dass das "leaking" von Martin Luther eine ungleich nachhaltigere Wirkung erzielt hat. Aber – hier soll es doch wohl um die Gegenwart und jüngere Vergangenheit gehen.

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