Siemens: Nachricht aus Norwegen

Anlässlich unseres Beitrages „Whistleblowerschutz bei Siemens: Theorie vs. Realität“ in dem wir, unter Bezugnahme auf die SZ, über den Fall von Per-Yngve Monsen berichteten, hat uns dieser jetzt persönlich kontaktiert:

Dear writers and readers within this excellent network,

It is good to see that my story within Siemens has evoked some interest in Germany.

There is no doubt a very difficult decision to make to warn about illegal actions within your company; however it is necessary that people dare to do so. Otherwise corruption and fraud would probably increase rapidly. In our time peoples focus tend to be concentrated on carrier, visibility, money and power. With such “values” it requires a strong backbone to act with moral and integrity. Unfortunately a lot of high placed leaders are poorly equipped with these virtues.

As my battle against Siemens went on and eventually hit the news in Norway, I found out to my surprise that there are something positive going on in the Norwegian society. A lot of people supported me, even other whistleblowers who them selves has ended up as welfare cases as a result of trying to stand up against a superior opponent. Such support from people who actually in some extent cleared the way for future whistleblowers revitalized me and made me feel obligated to continue. When more people dare to come forward our governments are forced to do something about it. In Norway we have recently got a new law that will help future whistleblowers because companies must prove that their action against someone who has spoken out (or claim to have done so) is not retaliations. This law would not have existed if it wasn’t for all those people who in the past lost almost everything apart from perhaps their self respect. Compared to these people I am a fortunate man and it is almost ironically that it is thanks to them I prevailed.

I do not know to what extent German authorities has managed to secure whistleblowers but I understand that this is an important issue here as well. I dare to believe there will be better times with less corruption and improved democratic rights, everything else are quite sad. In Norway I have established an organisation which hopefully can help other whistleblowers as well as make employers understand that people with courage in fact are valuable assets.

I hereby invite other whistleblower organisations to make contact.

Kind regards

Per-Yngve Monsen
Former commercial unit manager in Siemens Business Services and now cofounder www.explisit.no

Liebe Autoren und Leser dieses exzellenten Netzwerkes,

Es ist schön zu sehen, dass die Geschichte dessen was mir bei Siemens passiert ist in Deutschland ein wenig Interesse hervorgerufen hat.

Es ist sicher eine sehr schwere Entscheidung vor illegalen Handlungen der eigenen Firma zu warnen, trotzdem ist es notwendig, dass Mitarbeiter sich trauen dies zu tun. Ansonsten würden Betrug und Bestechung wahrscheinlich rapide anwachsen. Zurzeit neigen die meisten Menschen zu einer Fixierung auf Karriere, Ruhm, Geld und Macht. Bei derartigen „Werten“ braucht man ein gesundes Rückgrat, um moralisch anständig und integer zu handeln. Leider sind viele hochrangige Führungspersonen nur unzureichend mit solchen Eigenschaften ausgestattet.

Während meine Auseinandersetzung mit Siemens voran schritt und in Norwegen die Medien erreichte, entdeckte ich zu meiner Überraschung, dass etwas Positives in der norwegischen Gesellschaft vor sich geht. Viele Menschen unterstützten mich, sogar andere Whistleblower die selbst als Sozialfälle geendet waren, weil sie es gewagt hatten gegen übermächtige Gegner aufzubegehren. Diese Unterstützung von Menschen, die in gewisser Weise den Weg für zukünftige Whistleblower bereitet hatten, beflügelte mich und ich empfand sie als Verpflichtung weiter machen zu müssen. Wenn mehr Leute es wagen den Mund auf zu machen, sind unsere Regierungen zum Handeln gezwungen. In Norwegen gibt es seit kurzem ein neues Gesetz das zukünftigen Whistleblowern helfen wird, weil nunmehr den Firmen die Beweislast auferlegt wird, wenn sie gegen wirkliche (oder vermeintliche) Whistleblower vorgehen. Nun müssen die Firmen beweisen, dass sie nicht aus Rache handeln. Dieses Gesetz verdankt seine Entstehung all jenen Menschen die in der Vergangenheit fast alles außer vielleicht ihrer Selbstachtung verloren haben. Im Vergleich zu jenen habe ich Glück gehabt und es ist schon fast ironisch, dass ich nur dank ihnen davon gekommen bin.

Ich weiß nicht in welchem Ausmaß Whistleblower in Deutschland geschützt sind, aber ich glaube dass dies auch in Deutschland ein wichtiges Thema ist. Ich wage zu hoffen, dass bessere Zeiten kommen werden, mit weniger Korruption und mehr demokratischen Rechten, alles andere wäre sehr traurig. In Norwegen habe ich eine Organisation gegründet die hoffentlich anderen Whistelblowern helfen und dazu beitragen kann, dass Arbeitgeber verstehen dass aufrechte Mitarbeiter auch für sie wertvoll sind.

Alle Whistleblower-Organisationen sind herzlich eingeladen, Kontakt mit mir aufzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Per-Yngve Monsen
Ehemaliger Abteilungsleiter bei Siemens Business Services und nun
Mitbegründer von www.explisit.no