Formen

Unterscheidung nach dem Adressaten

Danach, ob der Adressat innerhalb der Organsation steht und oder außerhalb, wird zwischen internem und externem Whistleblowing unterschieden.

Beim internen Whistleblowing hat der Adressat demnach typischer Weise ein grundsätzliches Recht, die Information zu kennen, d.h. es kommt nicht zu einem Geheimnisverrat. Insbesondere, wenn internes Whistleblowing in einer hierarchischen Ordnung unter Umgehung von Hierarchiestufen erfolgt, kann aber auch derartiges internes Whistleblowing schon als problematisch empfunden werden und offizielle oder inoffizielle Sanktionen zur Folge haben. Auch internes Whistleblowing an nicht vollständig der Organisationsleitung unterstehende Organisationseinheiten wie z.B. Betriebsräte, Aufsichtsräte oder gar Hauptversammlungen und Aktionäre bringt in der Regel besondere Probleme mit sich und kann schon fast als Zwischenform zum externen Whistleblowing betrachtet werden.

Beim externen Whistleblowing ist zu beachten, dass dieses keineswegs mit Whistleblowing an die Öffentlichkeit gleichgesetzt werden kann. Als Adressaten kommen vielmehr auch Personen oder Organisationen in Betracht, die zwar außerhalb der Ausgangsorganisation stehen, selbst aber wiederrum Schweige- und Sorgfaltspflichten unterliegen, was insbesondere für staatliche Behörden und Stellen der Fall ist. Als andere externe Adressaten kommen z.B. in Betracht: Betoffene bzw. potentiell Geschädigte, Gewerkschaften, Organisationen der Zivilgesellschaft und schließlich die Medien. Organisationen beurteilen externes Whistleblowing generell kiritscher als internes, da damit der Verlusst der Kontrolle über die in der eigenen Organisation vorhandenen Informationen verbunden ist und auch öffentliche Rufschädigungen befürchtet werden.

Unterscheidung nach der Bekanntheit des Absenders

Danach ob der Whistleblower als Absender des Whistleblowing jedermann, einem sehr kleinen Kreis oder niemandem bekannt ist, kann unterschieden werden zwischen offenemvertraulichem und anonymem Whistleblowing.

Anonymes Whistleblowing scheint dem Whistleblower den besten Schutz vor negativen Reaktionen zu bieten. Dies gilt jedoch nur solange wie es gelingt Anonymität aufrecht zu erhalten, was neben der Anonymitätswahrung beim Whistleblowing selbst (also bei der Weiterleitung der Nachricht) auch voraussetzt, dass der Inhalt der Nachricht keine Rückschlüsse auf die Identität des Whistleblowers zulässt. Gerade letztere Voraussetzung ist oft nicht gegeben da Missstände nur einer kleinen Gruppe von Personen überhaupt bekannt sind und jene die diese feststellen sich auch oft durch kritisches Nachfragen selbst der Möglichkeit späteren anonymen Whistleblowings begeben. Anoymes Whistleblowing birgt außerdem die Gefahr das die Suche nach dem Whistleblower mehr Aufmerksamkeit erlangt als die Beschäftigung mit dem gemeldeten Missstand, dass es dem Whistleblower erschwert ist sich weiterhin für sein Anliegen einzusetzen oder dieses gar rechtlich zu verfolgen und auch dass Nachfragen beim Whistleblower die im Rahmen einer Sachaufklärung sinnvoll wären unmöglich oder zumindest erschwert sind. Schließlich verweigert die Rechsprechung des Bundesarbeitsgericht in Deutschland Whistleblowern die zunächst anonym agiert haben die Berufung auf den Schutz der Grundrechte (z.B. aus Artikel 5 GG) auch dann wenn ihre Identität nachträglich bekannt wurde. Ein weitere Problemaitk anonymen Whistleblowings besteht darin das die Einschätzung der Person des Adressaten und die Einschätzung dessen genereller Glaubwürdigkeit in der Regel als wichtiges Kriterium zu Beurteilung der Glaubwürdigkeit seiner Mitteilung herangezogen wird. Dies führt sowohl bei Untersuchungsbeauftragten als auch im Licht der Öffentlichkeit bei anonymen Hinweisen regelmäßig dazu dass diesen weniger geglaubt wird. Moralisch ist im übrigen nachteilig, dass Whistleblowing von Dritten Rechenschaft und Verantwortlichkeit hinsichtlich Missständen einfordert anonyme Whistleblower sich tendenziell selbst aber gerade dieser Rechenschaftspflicht entziehen. Andererseits hat es zumindest den Versuch Whistleblowing anonym zu betreiben immer gegeben und es wird ihn wohl auch immer geben.

Angebote für vertauliches Whistleblowing versuchen die Vorteile anonymen Whistleblowings, also insbesondere den Schutz des Whistleblowers vor Repressalien zu sichern und desssen Nachteile zu vermeiden. Anderes als beim offenen und beim anonymen Whistleblowing bedarf es beim vertraulichen Whistleblowing stets eines Mittlers zwischen Absender und Adressat. Diesem ist die Identität des Absenders bekannt. Sinn der Vertraulichkeit ist jedoch zu gewährleisten, dass dem Adressaten und auch Dritten die Identität des Absenders nicht bekannt wird. Auch vertrauliches Whistleblowing bezieht sich daher in erster Linie auf den Übertragungsweg der Nachricht (s.o.) und schließt Rückschlüsse auf die Identität des Absenders aus dem Inhalt der Nachricht nicht aus. Teilweise wird jedoch versucht dieses Risiko zu verringern in dem dem Mittelsmann auch die Aufgabe obliegt hat die Nachricht zu anonymisieren. Weiterhin steht die Glaubwürdigkeit des Angebots der Vertraulichkeit damit, dass der Mittelsmann diese Zusage auch einhalten will und kann. Zumindest wenn es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommen kann sind daher Zeugnisverweigerungsrechte des Mittelmanns essentiell während sich Akteneinsichtsrechte der Gegenseite gerade in Fällen von Whistleblowing an Behörden oft das faktische Ende der Vertraulichkeit bedeuten. Über den Mittelsmann ist beim vertaulichen Whistleblowing eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Whistleblower und Adressatem oder Dritten grundsätzlich möglich.

Offenes Whistleblowing erlaubt es dem Whistleblower, offen zu seinem Anliegen zu stehen ohne sich zu verstecken, birgt aber das Risiko von Repressalien durch den Adressaten oder durch Dritte (z.B. Kollegen). Regelungen zum Whistleblowerschutz versuchen dieses Risiko einzugrenzen, können es letztlich aber nie vollständig beseitigen.

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