Definitionen

Wikipedia  definiert: „Hinweisgeber oder Whistleblower ist jemand, der auf Missstände, illegales Handeln (z. B. Korruption, Insiderhandel) oder allgemeine Gefahren, von denen er an seinem Arbeitsplatz erfährt, aufmerksam macht.“

Unsere Satzung  umschreibt: „Whistleblower sind Menschen, die illegales Handeln, Missstände oder Gefahren für Mensch und Umwelt nicht länger schweigend hinnehmen, sondern aufdecken. Sie tun dies intern innerhalb ihres Betriebes, ihrer Dienststelle oder Organisation oder auch extern gegenüber den zuständigen Behörden, Dritten, oder auch der Presse.“

Die obigen Definitionen geben zwar die wesentlichen Kernelemente des Begriffs Whistleblowing wider, sind aber keineswegs unumstritten, insbesondere was ihre Details angeht.

Nach der in der Wissenschaft derzeit gebräuchlichsten Definition (Miceli, Marcia P.; Near, Janet Pollex; Dworkin, Terry Morehead: Whistleblowing in organizations; ISBN: 978-0-8058-5989-8; 2008, S. 6, m.w.N.) ist Whistleblowing: „the disclosure by organisation members (former or current) of ilegal, immoral or illegitimate practices under the control of their employers, to persons or organizations that may be able to effect action“ (Die Offenbarung durch Organisationsmitglieder (frühere oder gegenwärtige) von illegalen, unmoralischen oder illegitimen Praktiken unter der Kontrolle ihrer Arbeitgeber an Personen oder Organisationen, die in der Lage sein könnten, diesbezüglich aktiv zu werden).

Weitere Definitionsversuche unterscheiden zum Beispiel danach, ob sie die Definitionsteile „organisation members – Organisationsmitglieder“ und „employers“ eng begreifen, dann in der Regel nur auf Arbeitnehmer, oder weit „in irgendeiner besonderen Beziehung mit der Organisation stehen“ (was z.B. auch ehremamtliche Tätigkeit in einem Verein erfasseen würde).

Teilweise wird die obige Definition auch um besondere Qualifizierungen ergänzt, in dem zusätzlich die Notwendigkeit eines öffentlichen Interesses am Gegenstand der Offenbarung oder dessen Erheblichkeit oder Brisanz gefordert wird, so dass z.B. das reine Einfordern eigener Rechte ebenso ausgeschlossen wird, wie Hinweise auf unbedeutende Regelverstöße. Z.T. wird der Begriff Whistleblower nur dann angewandt, wenn der Meldende negative Reaktionen seiner Umwelt auf die Meldung zu recht befürchtet oder tatsächlich zu spüren bekommt. Uneinheitlichkeit besteht auch, ob das Vorliegen einer Meldepflicht Whistleblowing ausschließt, ob ein einfacher Hinweis an den Vorgesetzten schon als Whistleblowing anzusehen ist oder nicht und ob auch die bloße Verweigerung der Mitwirkung in Bezug auf einen Missstand schon als Sonderform des Whistleblowings gelten sollte. Andere wiederrum fordern Gutgläubigkeit des Whistleblowers, selbstlose Motive, stellen auf besondere Zivilcourage und Gefahren ab oder wollen generell nur organisations-externe Offenbarungen als Whistleblowing ansehen.

Je nach dem, welcher dieser Definitionen bei der Verwendung implizit oder explizit der Vorzug gegeben wird, kann der Begriff wissenschaftlich neutral (i.S.d. Definition von Miceli u.a.), technisch instrumentalisierend (z.B. Whistleblower als Nutzer eines von der Unternehmensleitung zu deren Information eingerichteten Hinweisgebersystems) oder mit starkem Bezug auf Zivilcourage (z.B. bei den Kriterien der Preisvergabe für den Whistleblowerpreis) verwendet werden. Der starke Bezug auf Zivilcourage und gesellschaftliche Nützlichkeit und öffentliche Interessen ist zwar hilfreich bei dem Versuch, das Thema in der Öffentlichkeit positiv zu besetzen, andererseits besteht jedoch auch die Gefahr, dass hieraus von anderer Seite hohe Anforderungen entwickelt werden, die dem Betroffenen im Falle eines Rechtsstreites entgegengehalten werden können, um ihm eine Stellung als Whistleblower – und den damit evtl. irgendwann einmal verbundenen Schutz – abzusprechen.

Zusammenfassend sind die wesentlichen Elemente eines weit verstandenen Whistleblower Begriffs:

  • Eine Person oder Gruppe von Personen (Absender = Whistleblower)
  • die in einer besonderen Beziehung zu einer Organisation steht (insbesondere einer Arbeitsbeziehung)
  • und die über spezifische, d.h. nicht allgemein bekannte oder bewusste, Informationen verfügt oder zu verfügen glaubt
  • die sich beziehen auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen
  • Missstand, ein Risiko oder eine Gefahr
  • innerhalb oder mit engem Bezug zu der Organisation
  • gibt diese Information weiter (offen, vertraulich oder anonym, direkt oder über Dritte)
  • an eine Person oder Gruppe (Adressat) innerhalb oder außerhalb der Organisation (Unterscheidung internes-externes Whistleblowing) von der sie sich erhofft, dass diese hinsichtlich des Misstandes, Risikos oder der Gefahr aufklärend oder bekämpfend tätig werden kann.

Personen, die auf der Basis allgemein verfügbarer Informationen auf politische oder gesellschaftliche Missstände hinweisen (z.B. Journalisten, warnende Wissenschaftler) sind nach den gängigen Definitionen demnach mangels Organisationsbezug keine Whistleblower. Dennoch wird der Begriff in der Praxis mit einer deutlich positiven Konnotation des öfteren auch auf sie angewandt und in der Tat werden derartige Personen dann auch oft zu Whistleblowern im Sinne der obigen Definition, weil sie von den Organisationen, denen sie angehören (z.B. Verlage, Universitäten, Forschungsgemeinschaften) oder zu denen sie in besonderen Beziehung stehen, Repressalien für die Verbreitung der kritischen Informationen erleiden.

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