Begriffliches

Herkunft
Der Begriff Whistleblower ist abgeleitet vom Englischen „to blow the whistle“. Neben der zusammengesetzten Schreibweise finden sich auch Schreibweisen mit und ohne Bindestrich also „whistle blower“ und „whistle-blower“.

Schon in Wiliam Shakespeares Drama „The Winter´s Tale“ wurde diese Wendung, mit  Bezug auf die Offenbarung von Geheimnissen, benutzt, wenn der Sohn des alten Schafhirten fragt: „Whe are you going to … whistle off these secrets“.

Seine gegenwärtige Verwendung fand der Begriff im englischen Sprachraum wahrscheinlich erstmals in einem New York Times Artikel im Jahre 1970 „Hamilton: Blowing the Whistle on The Bossess, The New York Times v. 23.03.1970“ und vor allem 1971 in der von Ralph Nader organisierten „whistle blower´s conference“ in Washington D.C. Seitdem hat er eine eigenständige Ausprägung und Anwendung in der angelsächsischen und zunehmend auch weltweiten Wissenschaft, Politik und Rechtspraxis erlangt, an die wir anknüpfen.

Hinsichtlich der Herkunft des Begirffs finden sich in der Literatur gelegentlich auch Anlehnungen an einen Schiedsrichter auf einem Sportfeld, der auf falsches sportliches Verhalten hinweist (vgl. Miceli/Near: Blowing the whistle: The organizational and legal implications for companies and employees. Issues in organization and management series. New York: Lexington Books, 1992, S. 8) oder an das „die Trillerpfeife blasen“ des ehemals unbewaffneten englischen Straßenpolizisten „Bobbies“ der damit Aufmerksamkeit erzeugen und jemanden Stoppen wollte (vgl. Düsel: Gespaltene Loyalität: Whistleblowing und Kündigungsschutz in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Baden-Baden, 2009, S. 26).

 

Verwendung
Im englischen Sprachraum hat sich der Begriff mittlerweile fest eingebürgert und ist auch positiv besetzt (mehr dazu unter Definitionen). Er findet sich dort regelmäßig in den Medien, in der Wissenschaft, in Gesetzestexten und auch in Vorschlägen und Diskussionen auf internationaler Ebene. Von da aus hat er mittlerweile auch in Deutschland zumindest in ohnehin angloafinen Wirtschafts-Fachkreisen (Compliance/Governance), aber auch in Teilen der Bürgerrechtsbewegung (z.B. deutsche Whistleblowerpreis),  Einzug gehalten und eine gewisse Verbreitung erfahren. Diese wollen wir mit unserer Arbeit gerne noch steigern.

Gründe für die Verwendung des englischen Begriffs sind für uns vor allem dessen dortige positive Konnotation, die wir auf den in Deutschland noch unbelasteten Begriff übertragen wollen, und der Mangel an einer besseren deutschen Alternative (siehe „Übersetzbarkeit“). Wir sind uns bewusst, dass die Verwendung des englischen Begriffs bei manchen den Eindruck erweckt, es ginge um etwas ausländisches oder elitäres, und versuchen u.a. durch diese Erläuterungen jenem Eindruck entgegen zu treten.

Whistleblowing findet auch in Deutschland jeden Tag vielfach statt und kann von jedermann unabhängig von seinem Bildungsstand oder seiner beruflichen Stellung praktiziert werden.

Wir verwenden sowohl für den Begriff Whistleblower als auch für andere Begriffe auf dieser Webseite weitestgehend nur die männliche Form. Dies geschieht ausschließlich aus Gründen der besseren Lesbarkeit. Wir sind uns bewusst, dass es viele mutige zivilcouragierte Frauen gibt, vielleicht sogar mehr als Männer, die Whistleblowerin sind. Es ist insoweit sicherlich auch kein Zufall, dass die ersten drei deutschen Preisträger des Whistleblowerpreises (M. Herbst, B. Heinisch und L. Bode) Frauen waren, und auch in den USA waren es 2002 drei Frauen, die vom Time Magazine zur „Person of the Year: The Whistleblowers“ erklärt wurden.

 

Übersetzbarkeit
„Whistleblower“ heißt wörtlich übersetzt (Alarm-)Pfeifenbläser. Es gab bereits verschiedene Versuche den Sinn, bzw. das dahinter stehende Konzept mit einer Deutschen Übersetzung zu erfassen. Die vielleicht gelungenste Umschreibung ist „jemand der Alarm schlägt“, wobei die Substantivierung mit „Alarmschläger oder Alarmschlagender“ sicherlich zumindest sehr ungewohnt klingt und die Verwendung der Umschreibung auf Dauer auch sperrig wirkt. Im niederländischen „klokkenluiders“ und im französischen „systeme d´altert“ findet sich diese Konnotation ebenfalls wieder.

Teilweise wurde in Deutschland auch der Begriff „Skandalaufdecker“ verwandt, konnte sich aber nicht durchsetzen. „Informant“ wird im deutschen Sprachraum vor allem im Zusammenhang mit Informantenschutz verwandt und meint vor allem jene die den Medien Informationen mitteilen. Andere häufige Verwendungen erfolgen im Bereich Geheimdienste oder im Bezug auf totalitäre Regime. All dies trifft nicht was mit Whistleblowing gemeint ist, weshalb wir uns für die Beibehaltung des englischen Begriffs entschieden haben. „Denunziant“ und „Nestbeschmutzer“ sind im Deutschen Kampfbegriffe die auch gegen Whistleblower ins Feld geführt werden.

Häufiger verwendet wird mittlerweile auch der Begriff „Hinweisgeber“. Dies vor allem im Zusammenhang mit so genannten Hinweisgebersystemen. Auch wir verwenden ihn mittlerweile manchmal als Synonym für Whistleblower, sehen ihn eigentlich jedoch als zu neutral und technizistisch an. Gerade wenn es darum geht Rechte für Whistleblower einzufordern, z.B. jenes auf Aufklärung von Sachverhalten, besteht die Gefahr, dass diese Rechte mittels Verwendung des Begriffs Hinweisgeber abgesprochen werden können, da dessen Aufgabe ja mit der Abgabe des Hinweises erfüllt zu sein scheint. Auch die positive gesellschaftlich zivilcouragierte Dimension die Whistleblowing im englischen Sprachraum hat, bleibt dabei schnell auf der Strecke.

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