Beratung und Tipps für Wissenschaftler

Wenn Sie sich als Wissenschaftler auf dieser Seite befinden dürfte dies aus unserer Sicht vor allem zwei Gründe haben:
  • Sie arbeiten wissenschaftlich zum Thema Whistleblowing oder planen dies zu tun, oder
  • Sie sind Wissenschaftler und erwägen z.B. wegen Verstößen gegen wissenschaftliche Standards selbst Whistleblower zu werden oder sind sonst mit Whistleblowing in Berührung gekommen
Whistleblowing als Gegenstand von Wissenschaft
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Whistleblowing kann und sollte in vielen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. In Deutschland gibt es bereits einiges an juristischer Literatur zum Thema und auch ein paar Arbeiten aus dem ökonomischen Bereich. Es mangelt aber, gerade in Deutschland, an psychologischer und sozialwissenschaftlicher, insbesondere an empirischer Forschung zum Thema.
Whistleblower-Netzwerk liegt die Mehrung wissenschaftlicher Erkenntnisse über Whistleblowing und Möglichkeiten, es effektiver auszugestalten sehr am Herzen. Schon laut unserer Satzung verwirklichen wir unsere Vereinszwecke auch durch die  „Durchführung oder Beauftragung wissenschaftlicher Veranstaltungen und Forschungsvorhaben“. Wenn Sie also Forschung zum Thema Whistleblowing betreiben, lassen Sie es uns wissen. Soweit dies im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt werden wir Sie gerne unterstützen.
So ermöglichen wir Ihnen gerne Zugang zu unserer Literaturdatenbank, stehen gerne für Interviews zur Verfügung und können Ihnen evtl. auch bei der Kontaktaufnahme mit Betroffenen behilflich sein. Wir sind auch sehr an den Resultaten Ihrer Forschungen interessiert und dankbar für die Zusendung ihrer Forschungsarbeiten (auch von Bachelor- oder Masterarbeiten), die wir in unsere Literaturdatenbank aufnehmen und ggfls. auch in unserem Blog vorstellen möchten.
Hinweisen möchten wir Sie auch noch auf das International Whistleblowing Research Network (IWRN). Seit 2009 koordiniert David Lewis, Jura-Professor an der University of Middlesex in London, ein Netzwerk von Wissenschaftlern und Forschungsinteressierten, dem auch Whistleblower-Netzwerk und mehrere unserer Aktiven angehören. David Lewis ist immer am Kontakt mit Wissenschaftlern interessiert, die dieses Netzwerk und seine regelmäßigen Veranstaltungen zum gegenseitigen interdisziplinären Austausch nutzen wollen.
Whistleblowing im Wissenschaftsbereich
Grundsätzlich gelten die meisten Ausführungen auf dieser Seite auch für Whistleblowing im Wissenschaftsbetrieb. Es bestehen allerdings dennoch ein paar Besonderheiten:
  • Wissenschaftler können sich beim Whistleblowing in der Regel auf eine weiteres Grundrecht berufen: das der Wissenschaftsfreiheit (Artikel 5 GG). Dieses Grundrecht ist im Rahmen einer rechtlichen Auseinandersetzung zu Gunsten des sich darauf berufenden Whistelblowers zu berücksichtigen, so dass Whistleblowing hier eigentlich leichter möglich sein müsste als in anderen Konstellationen. Allerdings bleiben auch hier die üblichen Unsicherheiten über die Einschätzungen, die ein Gericht ggfls. Jahre später treffen wird;
  • beim Whistleblowing im Wissenschaftsbereich können z.B. dort wo es um die Feststellung von Risiken im Technologiebereich geht, besonders wichtige Gemeinschaftsinteressen berührt werden; hier stellt sich auch unmittelbar die Frage ob nicht die Öffentlichkeit ein Recht hat, um diese Risiken wissen zu können, um demokratische Rechte und Kontrolle überhaupt erst zu ermöglichen;
  • beim Whistleblowing im Wissenschaftsbetrieb geht es häufig (aber keineswegs immer und ausschließlich) um ethische Fragen und um die Einhaltung wissenschaftlicher Standards,
  • In diesem Bereich gibt es spezielle Einrichtungen und Meldestellen innerhalb von Forschungseinrichtungen Universitäten und auch das Gremium „Ombudsmann für die Wissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Auf dessen Webseite heißt es:  „Das Gremium steht allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unmittelbar und unabhängig von einer Beteiligung der DFG zur Beratung und Unterstützung in Fragen guter wissenschaftlicher Praxis und ihrer möglichen Verletzung durch wissenschaftliche Unredlichkeit zur Verfügung. Dies betrifft insbesondere auch die Beratung von Personen, die einen Hinweis auf wissenschaftliches Fehlverhalten zur Kenntnis gebracht haben („Whistleblower“) und dadurch Sanktionen anderer Einrichtungen ausgesetzt sind.
    Grundlage der Arbeit des Ombudsgremiums ist die DFG-Denkschrift zur „Sicherung der guten wissenschaftlichen Praxis“. „
  • Spezielle Literaturtipps:
    • Schulz, Corinna Nadine: Whistleblowing in der Wissenschaft: — Rechtliche Aspekte im Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten; ISBN: 978-3-8329-3511-5; 2008.
    • Deiseroth, Dieter: Berufsethische Verantwortung in der Forschung, Möglichkeiten und Grenzen des Rechts; ISBN: 3-8258-3160-4; 1997.