Beratung und Tipps für Unterstützer von Whistleblowern

Wenn Sie auf dieser Seite gelandet sind, haben Sie wahrscheinlich bereits zwei wichtige Schritte getan: Sie tragen sich mit dem Gedanken Whistleblower zu unterstützen und Sie informieren sich darüber wie Sie dies tun können. Dafür danken wir Ihnen ganz herzlich.
Auf dieser Seite informieren wir über zwei Arten der Unterstützung von Whistleblowern:
  • die Schaffung von Rahmenbedingungen, die Whistleblowing fördern
  • die Unterstützung von Whistleblowern in einem individuellen Fall.

In jedem Fall hängt die Art der Unterstützung die Sie Whistleblowern gewähren können dabei von Ihren Möglichkeiten und Ihrer Bereitschaft ab, diese für die Unterstützung von Whistleblowern einzusetzen.

Schaffung von Rahmenbedingungen, die Whistleblowing fördern
In der Rubrik „Was wir wollen“ beschreiben wir im Detail welche Änderungen es nach unserer Meinung in Deutschland auf kultureller, inner-organisatorischergesetzlicher und politischer Ebene bräuchte, um bessere Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, dass Whistleblowing häufiger für alle Beteiligten erfolgreich verlaufen kann. Wir denken, dass auch Sie, wenn Sie jene Seiten aufmerksam lesen werden einige Anregungen bekommen werden, wie Sie einen Beitrag dazu leisten können.
Das fängt schon damit an, dass Sie zukünftig vielleicht kritischer hinhören, wenn  über „Nestbeschmutzer“ und „Denunzianten“ gelästert wird und sich fragen, warum jemandem dieses Etikett aufgeklebt wird. Dass Sie nicht mitmachen, wenn Probleme übergangen oder totgeschwiegen werden, sich an die Seite desjenigen stellen, der gemobbt wird, statt mit dem Strom zu schwimmen. Vielleicht gehören Sie auch einer Organisation – z.B. einem Unternehmen oder einem Betrieb – an, in dem es Situationen gab, in denen Sie beobachtet haben, dass jemand, der sachliche Kritik äußerte, dafür gemaßregelt wurde. Ist es Ihnen vielleicht selbst schon einmal so gegangen? Wie haben Sie sich danach gefühlt? Hat Ihre Gesamtmotivation und Ihre Bereitschaft auch beim nächsten Mal nochmals „den Mund aufzumachen“ durch die Reaktion Anderer gelitten oder fühlten Sie sich bestärkt, es wieder zu tun? Besonderes gefordert sind Sie natürlich, wenn sie selbst z.B. als Betriebsrat oder im Management – besondere Verantwortung im Unternehmen tragen. Aber auch als „einfacher“ Mitarbeiter haben Sie die Möglichkeit, z.B. gegenüber ihrer Mitarbeitervertretung vorzuschlagen, dass man sich der Themen, Whistleblowing, Konfliktkultur, Mobbingprävention und ethische Standards annimmt und z.B. eine Betriebsvereinbarung zum Whistleblowing entwickelt. Auch Leserbriefe an Zeitungen oder Kommentare im Netz, die bei geeigneten Beiträgen auf die Risiken und Chancen von Whistleblowing hinweisen, werden gelesen und können Wirkungen erzeugen. Sie können von Ihren politischen Mitwirkungsrechten Gebrauch machen und z.B. ihren Bundestagsabgeordneten einmal ansprechen, wie er zum gesetzlichen Whistleblowerschutz steht.
Für uns vom Whistleblower-Netzwerk e.V. ist die Unterstützung von Whistleblowern und Whistleblowing das Leitmotiv unserer Arbeit. Wenn Sie auch ein Interesse daran haben, Whistleblower und Whistleblowing zu unterstützen, besteht auch die Möglichkeit unsere Arbeit, zum Beispiel durch eine Spende zu unterstützen, oder – noch besser – unserem Verein beizutreten und mit uns gemeinsam aktiv zu werden. Wenn Sie noch andere Ideen haben, wie wir gemeinsam Whistleblowing in Deutschland voranbringen können, lassen Sie uns es bitte wissen.

 

Unterstützung von Whistleblowern in einem individuellen Fall
Einer unserer fünf wichtigsten Tipps für Whistleblower lautet: „Unterstützung suchen“. Weiter heißt es dort:
„Whistleblowing erfolgt typischer Weise in einer Situation des einzelnen Davids gegen eine mächtige Organisation. Hätte der Whistleblower genügend Macht, könnte bräuchte er nicht den Adressaten um den Missstand abzustellen. Sofern es an der Einsicht des Adressaten fehlt den Missstand bekämpfen zu wollen, geht es darum, genügend Druck zu entfalten, um dieses Ziel dennoch erreichen zu können. Hierzu kann man sich evtl. der Rechtsordnung bedienen, aber schon dies geht in der Regel nur mit Unterstützung anderer. Aber auch jenseits rein rechtlichen Vorgehens ist Unterstützung Dritter, von dem Rückhalt des Partners und der Familie und der Solidarität von Kollegen und Beschäftigtenvertretern, über die Unterstützung durch vom MIssstand Betroffene, leitende Mitarbeiter in der eigenen Organisation und Experten über Solidaritätskreise und Whistleblower-Netzwerke bis hin zur derjenigen von Journalisten, Politikern und der Öffentlichkeit entscheidend für den Erfolg des Whistleblowings und den Schutz des Whistleblowers.“
In der Regel ist Ihre Hilfe als Unterstützer dem Whistleblower also sehr willkommen. Sie sollten aber dabei einige Dinge beachten:
  • Planen Sie gemeinsam mit dem Whistleblower, wie Ihre Hilfe am effektivsten sein kann;
  • Berücksichtigen Sie seine Wünsche und respektieren Sie die Grenzen seines Engagements, insbesondere sollten Sie nicht mit Aktionen vorpreschen, die dem Whistleblower schaden könnten;
  • Bieten Sie an, bei der Suche nach weiteren Unterstützern zu helfen. Als selbst nicht unmittelbar Betroffener können Sie weitere Personen gut überzeugen, warum dies wichtig sein kann;
  • wenn Sie ohnehin bereits gewerkschaftlich, sozial, ökologisch oder politisch aktiv sind, sollten Sie auch überlegen, von Gruppen, denen Sie angehören und die den Whistelblower eigentlich unterstützen müssten, dies auch einzufordern;
  • Informieren Sie sich über den Ablauf von Whistleblowing und die damit zusammenhängenden Probleme und lesen Sie auch unsere Tipps für Whistleblower;
  • Haben Sie Verständnis für Stimmungsschwankungen und Unsicherheiten des Whisteleblowers, lassen Sie ihm Zeit, den für ihn richtigen Weg zu finden;
  • Machen Sie keine Zusagen, die Sie nicht einhalten können;
  • Bieten Sie dem Whistleblower an, ihm Fakten, die Sie bezeugen können, für seine Dokumentation schriftlich zu bestätigen;
  • Achten Sie auch auf Ihre eigenen Risiken; nicht selten geraten auch Unterstützer und Zeugen in die Schusslinie und sind dann ähnlichen Problemen ausgesetzt wie  Whistleblower selbst;
  • Bieten Sie dem Whistleblower an, Schreiben gegenzulesen oder über bestimmte Detailfragen zu diskutieren. Spielen Sie dabei ruhig auch einmal den „advocatus diaboli“ und achten Sie darauf, dass der Whistleblower bei der Sache bleibt und persönliche Verunglimpfungen vermeidet;
  • auch für das Angebot, ihn zu wichtigen Terminen zu begleiten, wird der Whistleblower Ihnen oft dankbar sein;
  • helfen Sie dem Whistleblower bei der Suche nach (beruflichen) Alternativen;
  • Freundschaften und Ablenkungen sind extrem wichtig, damit der Whistleblower sich nicht nur noch um seinen Fall dreht.

Falls es mehrere aktive Unterstützer in einem Whistleblowing-Fall gibt und der Whistleblower damit einverstanden ist, können Sie auch überlegen, vor Ort eine Solidaritätsgruppe für den Whistleblower zu gründen, um gemeinsam z.B. medienwirksame Aktionen zu unternehmen.

Falls Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen hierfür gerne zur Verfügung.