Beratung und Tipps für … (potentielle) Whistleblower

Ein Hauptziel unserer Arbeit ist es, Whistleblowern und solchen, die es werden könnten, beratend und helfend zur Seite zu stehen. Vor allem deshalb stellen wir auf dieser Webseite zahlreiche Informationen und Tipps rund um das Thema Whistleblowing kostenlos bereit und hoffen Ihnen damit bei anstehenden Entscheidungen ein wenig weiterhelfen zu können.

Leitprinzipien unserer Beratung und Tipps
(PDF: Kurzfassung Beratungskonzept)
Wir wollen und können diese Entscheidungen aber nicht für Sie treffen. Natürlich wünschen wir uns, dass mehr und mehr Menschen, die Zivilcourage aufbringen, wo nötig zum Whistleblower zu werden und auf Missstände hinzuweisen. Wir wünschen uns, dass Whistleblowing in unserer Gesellschaft als bessere Alternative zum Schweigen anerkannt und praktiziert wird. Wir wünschen uns aber auch, dass Whistleblower dabei in einer ehrlichen und respektvollen Weise mit sich und anderen umgehen, in dem Bewusstsein, dass jedermann fehlbar ist und es für ein beobachtetes Verhalten viele gute Gründe geben kann, die der Beobachter zunächst vielleicht nicht erkennt. Wir haben Verständnis für jeden, der sich in seiner konkreten Situation und angesichts von Zwängen und Ängsten, denen er ausgesetzt ist, gegen Whistleblowing entscheidet und einen anderen, für ihn zu diesem Zeitpunkt passenderen Weg wählt. Wir wollen keinen Zwang zum Whistleblowing, weder durch den Staat noch durch Unternehmen und andere Organisationen, sondern wünschen jedem eine aus freien Stücken getroffene, wohl abgewogene und ethisch vor sich und anderen auf Dauer vertretbare Entscheidung. Wir sind bereit diese zu akzeptieren.

Beratungsanfragen
Wir haben keine Patentrezepte sondern wollen Anregungen vermitteln. Gerne würden wir Whistleblowern auch mit individuellen Beratungsgesprächen oder mit einer kontinuierlichen Begleitung auf deren manchmal sehr langen und schwierigen Weg zur Seite stehen, aber hierfür fehlen uns leider die personellen und finanziellen Mittel. Bitte haben Sie daher Verständnis, wenn wir nicht jede Anfrage beantworten können, sondern uns auf das für uns in ehrenamtlicher Arbeit derzeit Machbare beschränken müssen.

Bevor Sie uns mit Daten, Fakten und Fragen zu Ihrem Fall kontaktieren, lesen Sie bitte die relevanten Texte auf dieser Webseite sorgfältig durch. Prüfen Sie, ob es bei Ihnen wirklich um Whistleblowing geht, welche Fragen nach der Lektüre dieser Seiten noch offen sind, was das langfristige Ziel Ihrer Aktivitäten ist und welche Unterstützung Sie diesbezüglich von uns konkret erwarten. Je besser Sie vorbereitet sind desto effektiver können wir unsere wenigen Ressourcen einsetzen und auf Ihre Anfrage zu Ihrer Zufriedenheit reagieren.

Das Wichtigste vorab
Potentiellen Whistleblowern möchten wir die nachfolgenden fünf Tipps geben:

  • Planvoll vorgehen
    Seien Sie informiert, vorbereitet, versuchen Sie den nächsten Schritt des Gegenübers zu antizipieren und haben Sie Alternativen.
  • Respekt bewahren
    Wenn Sie anfangen überall nur noch Feinde zu sehen und Menschen auch so zu behandeln werden Sie verlieren.  
  • Sauber dokumentieren
    Sammeln Sie die Fakten und lassen Sie diese für sich selbst sprechen, Spekulationen und Anschuldigungen helfen nicht weiter.
  • Unterstützung suchen
    Persönliche und fachliche Unterstützung und Solidarität hilft, aber sie zu erwerben und zu erhalten ist oft harte Arbeit.
  • Angriffspunkte vermeiden
    Wenn die Gegenseite Ihre Fakten nicht widerlegen kann, droht es persönlich und gefährlich zu werden; bieten sie keine Angriffspunkte.
Wir möchten Ihnen auch die „Liste von sieben häufigen Fehlern, die Sie als Whistleblower vermeiden sollten“ ans Herz legen, die der australische Whistleblowing-Experte Brian Martin an den Anfang seines „Whistleblower’s Handbook“ stellt:
  1. Zuviel Vertrauen zu haben;
  2. nicht über genügend Beweise zu verfügen;
  3. den falschen Schreibstil zu benutzen;
  4. nicht auf die richtige Gelegenheit zu warten;
  5. keine Unterstützung zu organisieren;
  6. das Spiel des Gegners mitzuspielen;
  7. nicht zu wissen wann man aufhört.

Weiterführende Tipps 
Die Gliederung der weiterführenden Tipps orientiert sich an den wissenschaftlichen Erkenntnissen nach denen Whistleblowing ein Prozess ist, der typischer Weise in bis zu fünf zum Teil mehrfach durchlaufenen Phasen abläuft, die wir an anderer Stelle ausführlich dargestellt haben.

  • Tipps zu Phase 1: Ereignis und Wahrnehmungen
    Hier geht es darum hinzuschauen und sich bewusst darüber zu werden, was man wirklich wahrgenommen hat.
  • Tipps zu Phase 2: Bewertung und Entscheidung über „ob“
    Nun ist zu klären ob Whistleblowing stattfinden soll oder ob Wegschauen oder Weggehen die besseren Alternativen sind.
  • Tipps zu Phase 3: Aktion nach Entscheidung über „wie“ 
    Wer soll wie und mit welchen Informationen und Zielsetzungen kontaktiert werden?
  • Tipps zu Phase 4: Warten auf Reaktion
    Wie lange muss ich warten, was wird passieren, wie kann ich meine Situation verbessern?
  • Tipps zu Phase 5: Bewertung der Reaktion
    Ist die Reaktion zufriedenstellend, was passiert in der Sache, was passiert mit mir, mache ich weiter?

Abschließend möchten wir Sie noch auf unsere Seite zum Thema Mobbing und Whistleblowing hinweisen, die insbesondere weiterführende Hinweise für Mobbing-Opfer enthält.