Beratung und Tipps für Verdächtigte und Beschuldigte

Nicht in jedem Falle ist Whistleblowing auch mit einem konkreten Verdacht gegenüber bestimmten Personen verbunden. Whistleblowing kann auch auf Risiken bezogen sein, die von außen oder aus der Natur kommen, es kann sich auf Strukturen beziehen und auf – jedenfalls zunächst nicht identifizierte Personen oder Gruppen. Auch in den letztgenannten Fällen kann sich aber mit der Zeit – z.B. im Rahmen von Ermittlungen – ein Verdacht gegen Sie ergeben.

Wie sollten betroffene Personen damit umgehen? Wieso sollten gerade wir vom Whistleblower-Netzwerk Ihnen hierfür Tipps geben?

Sie finden diese Tipps hier, weil wir der Meinung sind, dass Whistleblowing davon profitiert, dass ordentlich mit Verdächtigen umgegangen wird, dass deren Rechte und auch die Unschuldsvermutung beachtet wird. Hinweisgebersysteme sollten immer auch insoweit Absicherungen enthalten. Gerade deren Aufbau hilft auch Personen, die in Verdacht geraten, weil im Rahmen solcher strukturierter Mechanismen ein professioneller Umgang auch mit Verdächtigungen erfolgen kann. Whistleblower und Verdächtigte haben ein Interesse daran, dass die Wahrheit ermittelt wird und ans Licht kommt.

Als unschuldig unter Verdacht geratener sollten Sie sich möglichst bald und umfassend darüber informieren, was Ihnen vorgeworfen wird. Nutzen Sie Ihre Rechte und bestehen Sie darauf, dass z.B. datenschutzrechtliche Vorgaben auf Auskunft, Berichtigung und auf möglichst beschränkte Verbreitung eingehalten werden. Bestehen Sie auf der Beachtung der Unschuldsvermutung.

Auch Sie können sich an die Beschäftigtenvertretung wenden. Auch Ihnen gegenüber hat der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht und muss Vorverurteilungen vermeiden. Scheuen Sie sich nicht, frühzeitig professionelle, z.B. anwaltliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn sich die Beschuldigung als unbegründet herausstellt und Sie dadurch Aufwendungen oder einen Nachteil erlitten haben, sollten Sie von der Organisation selbstbewusst eine geeignete Wiedergutmachung einfordern. Diese kann je nach Fall in einer Ehrenerklärung, einer mit Ihnen abgestimmten Versetzung oder Beförderung oder auch in einer finanziellen Entschädigung bestehen. Jede verantwortliche Organisation sollte Verständnis dafür haben, dass auch diese Wiedergutmachung Teil eines richtig aufgestellten Whistleblowing-Systems sein muss. Das Whistleblower-Netzwerk fordert in seinem Gesetzentwurf hinsichtlich des Schutzes vor Benachteiligungen eine Gleichstellung von Whistleblowern und irrtümlich Verdächtigten bzw. Beschuldigten.

Auch sollten Sie sich um eine Aussöhnung mit dem Whistleblower bemühen. Sprechen Sie miteinander darüber was geschehen ist und wie er mit aus seiner Sicht guten Gründen zu dem Verdacht gegen Sie kam. Versuchen Sie zu verstehen, dass Whistleblowing die bessere Alternative zum Schweigen ist und dabei, ähnlich wie in rechtsstaatlichen Verfahren, generell auch einmal jemand zu Unrecht  in Verdacht geraten kann. Es ist bedauerlich, dass es gerade Sie getroffen hat, aber Sie sollten nicht zulassen, dass Sie dies verbittert und auch die Bereitschaft zur Vergebung demonstrieren. Damit helfen Sie in erster Linie sich selbst den Groll loszuwerden, die Sache zu verarbeiten und Ihre Psyche zu entlasten und Andere werden diese Größe erkennen und schätzen.

Wenn Sie zu Recht in Verdacht geraten, überlegen Sie ob es nicht vielleicht besser ist, auszupacken und z.B. von einer Kronzeugenregelung zu profitieren. Gerade dort wo Hinweisgebersysteme schon in der Vergangenheit gezeigt haben, dass Sie funktionieren, sollten Sie nicht blind darauf vertrauen, dass man Ihnen nicht auf die Schliche kommen wird, sondern auch in Betracht ziehen, frühzeitig eine einvernehmliche Lösung zu finden mit der Sie Ihr Gesicht wahren können. Insbesondere dort, wo Sie nicht vorsätzlich und aus unlauteren Motiven gehandelt haben, zeugt es von Größe zur eigenen Verantwortung zu stehen und Fehler zuzugeben. Dies ermöglicht der Gegenseite auch auf Sie zu zugehen, Ihnen zu verzeihen sowie die Suche nach dem Schuldigen durch eine Suche nach den eigentlichen Ursachen und deren konstruktiver Lösung zu ersetzen.