Zivilcourage am Arbeitsplatz?
Gründungsaufruf für eine Selbsthilfegruppe in Köln
Missstände und
gemeinschädliches Verhalten am Arbeitsplatz sind leider keine Seltenheit. Beobachter
wissen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Sie wollen Kollegen nicht
verraten, sich mit Vorgesetzen, die z.B. mit unsauberen Methoden Gewinne
schönen, nicht anlegen, haben Angst vor Repressalien oder meinen, es würde sich
auch nach einem Hinweis ohnehin nichts ändern.
Whistleblower, so heißen in
Großbritannien und den USA Menschen, die Zivilcourage zeigen und auf Missstände
am Arbeitsplatz hinweisen. Während in Deutschland Arbeitnehmer, die dies z.B.
in Form einer Strafanzeige tun, mit Mobbing oder gar mit einer fristlosen
Kündigung rechnen müssen, sind Whistleblower dort und in anderen Ländern vor
Kündigungen und Repressalien gesetzlich geschützt. In der öffentlichen Wahrnehmung
genießen Whistleblower, denen man die Aufdeckung vieler Affären – bis hin zu
Watergate – verdankt, im Ausland oft ein viel größeres Ansehen als jene, die in
Deutschland immer noch als Nestbeschmutzer oder Denunzianten verunglimpft
werden.
Zivilcourage am Arbeitsplatz
zeigen, Kritik richtig äußern und auf Missstände so hinweisen, dass diese und
nicht die eigene Karriere ein Ende finden, ist risikoreich und erfordert Mut.
Aber auch Wegsehen ist, spätestens wenn sich Missstände wiederholen und
verschärfen oder sich das eigene Gewissen rührt, für Beobachter keineswegs
unproblematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen die vor der schwierigen
Entscheidung stehen, was sie tun sollen, oder jene die nach ihrem
Whistleblowing Repressalien erleiden, bisher oft keine Ansprechpartner oder gar
Unterstützer haben.
Zumindest letzteres soll sich
in Köln durch die Gründung einer Selbsthilfegruppe jetzt ändern. Unter dem
Titel „Zivilcourage am Arbeitsplatz?“ laden die Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln
des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Tel.: 0221/951542-16) und
Whistleblower-Netzwerk e.V. für Dienstag den 26. Januar 19:00 Uhr, Marsilstein
4-6 zum Gründungstreffen einer Selbsthilfegruppe ein. In einer Atmosphäre
gegenseitiger Wertschätzung und unter Wahrung der Anonymität besteht in der
Gruppe die Möglichkeit los zu werden, was auf der Seele brennt, vor Zuhörern,
die dies auf Grund eigener Erfahrungen nachvollziehen können. Außerdem bieten
die Teilnehmer einander, in dem sie über sich und ihre eigenen Erfahrungen
sprechen, einen Kreativitäts- und Ideenpool, aus dem ohne Bevormundung
Lösungsansätze für die geeignete Vorgehensweise gewonnen werden können. Es geht
um Unterstützung und Solidarität, damit jeder die Möglichkeit hat, seine
‚Batterien’ wieder auftanken zu können, die durch den Konfliktherd Arbeitsplatz
zerschlissen werden.
Whistleblower-Netzwerk e.V.
ist ein 2006 gegründeter, bundesweit tätiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in
Köln, der sich einsetzt für Whistleblower und solche, die es werden wollen. Politisch
fordert der Verein die Schaffung von speziellen Regelungen zum Schutz von
Whistleblowern in Staat und Wirtschaft und hat hierzu einige konkrete
Vorschläge entwickelt, die 2008 im Rahmen einer Anhörung auch im Bundestag
vorgestellt, von der jetzigen Regierungskoalition aber abgelehnt wurden.
Whistleblower-Netzwerk e.V. berät außerdem Arbeitgeber und Betriebsräte, die
Whistleblowing als Frühwarnsystem fördern und gemeinsam mit ihren Mitarbeitern
verantwortliche Risikovorsorge betreiben wollen. Über seine Webseite (www.whistleblower-net.de) bietet
der Verein vielfältige Informationen rund um das Thema Whistleblowing, vor allem
aber Beratung, Vernetzung und Hilfestellung für Betroffene.
Einladungsflyer
Kontaktdaten:
Whistleblower-Netzwerk e.V.,
Tel.: 0221/1692194 (GuidoStrack),
Email:
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Bitte beachten Sie: Die Teilnahme an dem Gründungstreffen
der Selbsthilfegruppe ist ausschließlich
Betroffenen vorbehalten.
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