Mehr Transparenz in der Pharmaindustrie ist überfällig!
Stärkung eines unabhängigen IQWiG
und mehr Transparenz in der Pharmaindustrie sind die Forderungen des
Whistleblower-Netzwerks in einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister
Dr. Philipp Rösler. Ein wesentliches Instrument hierfür könnte die
Schaffung eines speziellen gesetzlichen Whistleblowerschutzes für
Insider aus dem Pharma- und Medizinberich sein.
Für etwas mehr Transparenz sorgt seit 2004 auch das Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das den
tatsächlichen Nutzen von Medikamenten untersucht. Aber das IQWiG hat
derzeit noch nicht die Instrumente, die es braucht, um wirksame
Kontrolle flächendeckend ausüben zu können. Wie spiegel online
am 25. November berichtete, behindere zum Beispiel der Pharmakonzern
Pfizer seine Arbeit. Das Muster: Negative Ergebnisse von
Medikamentenuntersuchungen der Pharmaunternehmen werden aus
Kostengründen verschwiegen und Studiendaten unter Verschluss gehalten.
Den Schaden haben die Patienten und das Gesundheitswesen, dem die
Kosten für falsche Behandlung und Folgekrankheiten aufgebürdet sind.
Whistleblower-Netzwerk e.V. unterstützt die Forderung des IQWiG nach
einer effektiven EU-weiten Verpflichtung zur Veröffentlichung der
Ergebnisse aller klinischen Studien sowie das Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie.
Das Memorandum stellt sich dieser strukturellen Korruption im
Gesundheitswesen sowie dem biologischen Reduktionismus in der
Psychiatrie entgegen und fordert Transparenzregeln bei der Offenlegung
von Interessenkonflikten zwischen Medizin und Pharmaindustrie.
Darüber hinaus sollten nach Meinung des Whistleblower-Netzwerks
Pharmainsider, die auf Verstöße gegen jene neuen Transparenzregelungen
oder andere Gesetzesverstöße und unethisches Verhalten der
Pharmaindustrie hinweisen, in Zukunft einen unabhängigen
Ansprechpartner haben. „Wir brauchen dringend eine unabhängige
Institution, die Hinweise entgegennimmt, notwendige Ermittlungen
durchführt und für wirksame Sanktionen von Gesetzesbrüchen sorgen kann.
Whistleblower, also Insider, die entsprechende Hinweise abgeben, müssen
geschützt werden“, heißt es in dem Schreiben an Bundesminister Rösler.
Vorbild könnte dabei die USA sein, wo Pfizer vor kurzem – wegen
Verschweigens schwerer Nebenwirkungen eines Anti-Psychotikums für
Demenz-Patienten – aufgrund des Hinweises von mehreren Whistlebowern 2,3 Mrd. US-Dollar zahlen musste.
In Deutschland jedoch scheinen selbst die bisherigen ersten Ansätze für mehr Transparenz bedroht, denn nach aktuellen Meldungen
ist die neue Bundesregierung gerade auf der Suche nach einem
industriefreundlicheren Kandidaten an der Spitze des – angeblich
unabhängigen – IQWiG. Wenn dies gelingt, dürfte die Pharmalobby mal
wieder einen Grund zum Feiern haben und wer die Zeche bezahlt, steht
auch schon fest.
Ansprechpartner
für die Presse:
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51105 Köln,
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, Tel.: 0221 1692194
Was macht das
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Der Whistleblower-Netzwerk e.V. ist eine 2006 gegründete Initiative für
Whistleblowerschutz. Whistleblowing schafft Transparenz und hilft so in den
vielen Themenbereichen gegen Rechtsbrüche, Korruption, Gesundheits- und
Umweltschäden. Dennoch sind Whistleblower hohen persönlichen Risiken
ausgesetzt. Der gemeinnützige Verein setzt sich daher für ein Klima des offenen
Dialogs ein und sucht die Rahmenbedingungen für Whistleblower in Wirtschaft,
Staat und Gesellschaft zu verbessern. Der Verein berät Whistleblower, und
solche die es werden könnten. Außerdem vernetzt er sie
mit möglichen Unterstützern.
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