Arpad Pusztai – Gentechnik-Whistleblower (Kino und Buchtipps)

Am Samstag, den 19.03.2011 zeigt das Bali-Kino (Teltower Damm 33, Berlin, 030/811 46 78) im Rahmen einer Ökofilmwoche um 18:00 Uhr den Film “Árpád Pusztai – Whistleblower”.

Der Biochemiker Pusztai ist einer der profiliertesten Forscher im Bereich Gentechnologie. Zunächst noch von den neuen Möglichkeiten begeistert, übernahm er 1995 am Rowett Institute in Aberdeen/Schottland die Leitung einer Forschungsgruppe, die Sicherheitstests für genetisch veränderte Organismen entwickeln sollte. In seinen Testreihen wurden Ratten mit gentechnisch veränderten Kartoffeln gefüttert.

1998 äußerte er sich im britischen Fernsehen zu seinen  Ergebnissen:  gravierende Organveränderungen, Entzündungen, Immunschäden und retardiertes Organwachstum.  In der Filmbeschreibung heißt es weiter:  ”Innerhalb weniger Stunden ist Pusztai in heftigstem politischen Kreuzfeuer. Es wird ihm verboten, sich weiter zu seinen Forschungen zu äußern. Seine Unterlagen werden konfisziert, der Zugang zu seinen Labors versperrt. Wenig später erhält er die Kündigung und wird aus dem nationalen Wissenschaftsgremium, der Royal Society, ausgeschlossen. Druck von höchsten politischen Instanzen erwirkt innerhalb weniger Tage Árpád Pusztais persönlichen und beruflichen Ruin”.

2005 hat Pusztai vom VDW und IALANA gemeinsam mit dem Physiker Theodor Postol den Deutschen Whistleblowerpreis erhalten. Aus jenem Anlass ist auch ein Buch entstanden:  Dieter Deiseroth, Annegret Falter (Hrsg.) Whistleblower in Gentechnikund Rüstungsforschung – Preisverleihung 2005: Theodore A. Postol, Arpad Pusztai, 2006,ISBN 978-3-8305-1262-2.

Ein weiteres noch aktuelleres empfehlenswertes  Buch zum Thema Gentechnik und zum Whistleblower-Fall Pusztai ist:  Árpád Pusztai, Susan Bardócz, Sicherheitsrisiko Gentechnik, 2009, ISBN: 978-3-936086-50-8. Jenem Buch liegt auch eine DVD mit dem oben beschriebenen Film bei.

Für Cineasten wird ebenfalls noch mehr geboten:  So wird in der Ökofilmwoche im Bali-Kino auch der Film “Gekaufte Wahrheit – Gentechnik im Machtfeld des Geldes” gezeigt, der seit 10.03.2011 bundesweit in anderen Programm-Kinos angelaufen ist und neben dem Fall Pusztai noch weitere Whistleblower-Fälle aus dem Bereich Gentechnik schildert.

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Neue Anklagen und Schikanen gegen Bradley Manning

22 neue Anklagepunkte führt das Pentagon jetzt gegen Bradley Manning, den US-Soldaten der WikiLeaks mit Daten versorgt haben soll, an. Mit dem Vorwurf des Verrats an den Feind droht im jetzt sogar die Todesstrafe. Die USA ziehen die Schlinge also enger und bestätigen dies, laut Gully, auch durch eine weitere Verschärfung der Haftbedingungen:

Wie Mannings Anwalt David Coombs in seinem Blog mitteilt, wurde Manning vergangene Nacht gezwungen, vollkommen nackt in seiner Zelle auszuharren. Morgens habe er dann, immer noch nackt, vor seiner Zelle antreten müssen, bevor man ihm seine Kleidung zurückgegeben habe.

Bündnis 90/Die Grünen haben gerade eine Presseerklärung zum Fall Manning herausgegeben, in der sie zu Recht die Menschenunwürdigkeit der Todesstrafe betonen, Rechsstaat statt Rachegelüsten fordern aber auch feststellen:

Die Weitergabe von Staatsgeheimnissen ist strafbar. Indem aber Bradley Manning unter anderem das Video veröffentlichte, das einen Hubschrauberangriff auf Zivilisten im Irak zeigte, hat er auch zur Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen beigetragen. Das muss bei der Bewertung seines Vorgehens berücksichtigt werden.

Statt “Indem” müsste es hier wohl – Unschuldsvermutung – “Falls” heißen. Außerdem haben die Grünen damit auch die Chance verpasst festzustellen, dass  Menschenrechtsverletzungen in einem demokratischen Rechtsstaat gerade nicht als so genannten “Staatsgeheimnisse” geschützt werden dürften, deren Aufdeckung also auch nicht strafbar sein dürfte.

Bradley Manning ist derzeit sicherlich einer der krassesten Fälle von in der westlichen Welt inhaftierten vermeintlichen Whistleblowern, er ist aber keineswegs der Einzige der unsere Unterstützung braucht. Deshalb sei an dieser Stelle auch nochmal an die Schweizer Banken Whistleblower erinnert die in den USA (Bradley Birkenfeld) und der Schweiz (Rudolf Elmer)  in Haft sind.

Das Muster ist in allen Fällen das Gleiche: Wer redet wandert in den Knast, während die eigentlichen Täter ungeschoren davon kommen!

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