Sawicki muss gehen
IQWiG-Chef Peter Sawicki muss jetzt also doch gehen. Manchmal reicht es halt einfach schon aus, wenn jemand seinen Job zu gut macht, unbequeme Wahrheiten aufdeckt und so ganz nebenbei gleichsam zum Whistleblower wird.
Bundesgesundheitsminister Rösler griff nicht ein und ist Whistleblower-Netzwerk e.V. übrigens bis heute auch noch eine Antwort auf unser Schreiben vom 1.Dezember 2009 schuldig geblieben. Aber wahrscheinlich wird er unsere Anregungen für mehr Whistleblowerschutz in der Pharmaindustrie jetzt um so bereitwilliger aufgreifen, denn schließlich lag es ja nur an einer Dienstwagenaffäre das Sawicki seinen Hut nehmen muss und Rössler wird genau dies der Opposition beweisen, in dem er sich jetzt zum Wohle der Patienten zum Pharmakritiker weiterentwickelt und deren Lobbyisten aus seinem Ministerium rauswirft.
Oder sollte der Fall Sawicki nur ein weiteres Bespiel für die Mövenpick-Politik der FDP sein?
Am 22. Januar 2010 um 22:31 Uhr
Unbequeme und allzu offen sprechende Menschen habe es in unserem Lande schwer. Unbequeme Tatsachen sind nicht immer gefragt. Erst recht nicht, wenn es sich um einflussreiche Postenträger handelt, die nicht im Sinne von Industrie und/oder Politik reden. Im Fall Brender, der es sogar wagte, unserer schalen Kanzlerin nicht abgesprochene Fragen zu stellen, war es ziemlich eindeutig. Aber Koch & Co. haben sich mal wieder durchgesetzt.
Zu hoffen ist, dass der Neue im Amt der Industrie und Politik nicht allzu sehr den Bückling macht, der eine eigene Meinung hat, Neutralität besitzt und allein das Wohl der Patienten im Auge hat.
Da werden Verfehlungen teilweise hochstilisiert, die keinem Politiker aus seine Sessel katapultieren würden. Siehe Schäuble – solche Leute bekommen sogar noch einen Ministerposten zugeteilt. Aber für Brender und Co. ist es vorbei. Mitschwimmen oder untergehen ist angesagt. Armes Deutschland.
Am 27. Januar 2010 um 14:30 Uhr
Ein ganz exzellenter Vortrag zum Thema “Institutionelle Korruption” von Law Prof. Lawrence Lessig, Stanford, findet sich hier:
http://blip.tv/file/3120038 (Video in englischer Sprache)
Er beschreibt brilliant die Wirkungen des Lobbyismus auf öffentliche Institutionen und das Geschäftsmodell der Lobby-Industrie, zwar am Beispiel der USA, vieles davon dürfte aber ohne weiteres auch für die EU und Deutschland gelten.
Am 1. Februar 2010 um 00:17 Uhr
[...] Am Montag, den 1. Februar, ab 23:00 Uhr in der ARD, treffen die Whistleblowerinnen Stephanie Flähmig und Diana Feilhauer u.a. auf Bundesgesundheitsminister Dr. P. Rössler. Man darf gespannt sein, ob dabei neben der gefährlichen Pflege in vielen Heimen auch die rechtliche Situation jener Pflegenden zur Sprache kommen wird, die auf derartige Missstände hinweisen. Sie verlieren dabei nämlich oft ihren Job. Sei es wie bei Flähming und Feilhauer durch Eigenkündigung angesichts unhaltbarer Zustände oder wie im Fall von Brigitte Heinisch durch Kündigung seitens des Heimbetreibers. Und vielleicht fragt Herr Beckmann den Herrn Minister bei der Gelegenheit ja auch einmal zum Fall Sawicki. [...]
Am 5. Februar 2010 um 22:23 Uhr
Für stichhaltige Argumente gegen eine günstige Wirkung des Patentschutzes auf Pharmaforschung, siehe das frei auf dem Internet verfügbare Buch von Boldrin und Levine “Against Intellectual Monopoly,“ Kap 9. Hier wird eine Abnahme der Entwicklung neuer Medikamente nach der Einführung des Schutzes für sie dokumentiert.
Dieser Tatbestand könnte die Grundstimmung gegen die Pharmaindustrie teilweise erklären R. Friedel