Sawicki muss gehen

IQWiG-Chef Peter Sawicki muss jetzt also doch gehen. Manchmal reicht es halt einfach schon aus, wenn jemand seinen Job zu gut macht, unbequeme Wahrheiten aufdeckt und so ganz nebenbei gleichsam zum Whistleblower wird.

Bundesgesundheitsminister Rösler griff nicht ein und ist Whistleblower-Netzwerk e.V. übrigens bis heute auch noch eine Antwort auf unser Schreiben vom 1.Dezember 2009 schuldig geblieben. Aber wahrscheinlich wird er unsere Anregungen für mehr Whistleblowerschutz in der Pharmaindustrie jetzt um so bereitwilliger aufgreifen, denn schließlich lag es ja nur an einer Dienstwagenaffäre das Sawicki seinen Hut nehmen muss und Rössler wird genau dies der Opposition beweisen, in dem er sich jetzt zum Wohle der Patienten zum Pharmakritiker weiterentwickelt und deren Lobbyisten aus seinem Ministerium rauswirft.

Oder sollte der Fall Sawicki nur ein weiteres Bespiel für die Mövenpick-Politik der FDP sein?

Bookmark and Share

flattr this!

4 Gedanken zu “Sawicki muss gehen

  1. Unbequeme und allzu offen sprechende Menschen habe es in unserem Lande schwer. Unbequeme Tatsachen sind nicht immer gefragt. Erst recht nicht, wenn es sich um einflussreiche Postenträger handelt, die nicht im Sinne von Industrie und/oder Politik reden. Im Fall Brender, der es sogar wagte, unserer schalen Kanzlerin nicht abgesprochene Fragen zu stellen, war es ziemlich eindeutig. Aber Koch & Co. haben sich mal wieder durchgesetzt.
    Zu hoffen ist, dass der Neue im Amt der Industrie und Politik nicht allzu sehr den Bückling macht, der eine eigene Meinung hat, Neutralität besitzt und allein das Wohl der Patienten im Auge hat.
    Da werden Verfehlungen teilweise hochstilisiert, die keinem Politiker aus seine Sessel katapultieren würden. Siehe Schäuble – solche Leute bekommen sogar noch einen Ministerposten zugeteilt. Aber für Brender und Co. ist es vorbei. Mitschwimmen oder untergehen ist angesagt. Armes Deutschland.

  2. Ein ganz exzellenter Vortrag zum Thema “Institutionelle Korruption” von Law Prof. Lawrence Lessig, Stanford, findet sich hier:

    http://blip.tv/file/3120038 (Video in englischer Sprache)

    Er beschreibt brilliant die Wirkungen des Lobbyismus auf öffentliche Institutionen und das Geschäftsmodell der Lobby-Industrie, zwar am Beispiel der USA, vieles davon dürfte aber ohne weiteres auch für die EU und Deutschland gelten.

  3. Pingback: Whistleblower-Netzwerk » Blog Archiv » TV-Tipp: Pflege-Whistleblowerinnen bei Beckmann

  4. Für stichhaltige Argumente gegen eine günstige Wirkung des Patentschutzes auf Pharmaforschung, siehe das frei auf dem Internet verfügbare Buch von Boldrin und Levine “Against Intellectual Monopoly,“ Kap 9. Hier wird eine Abnahme der Entwicklung neuer Medikamente nach der Einführung des Schutzes für sie dokumentiert.

    Dieser Tatbestand könnte die Grundstimmung gegen die Pharmaindustrie teilweise erklären R. Friedel