Veranstaltungstipps: Frankfurt & Münsterland

Morgen, am 1.Februar 2010 finden gleich zwei Veranstaltungen statt, deren Besuch sich für alle lohnen dürfte, die sich einmal aus erster Hand zum Thema Whistleblowing informieren wollen.

In Frankfurt wird ab 18:00 Uhr im DGB Haus (Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77) über die Affäre um die Kaltstellung der hessischen Steuerfahnder diskutiert. Auf dem Podium sitzen der Bochumer Steuerermittler und Ver.di Experte Reinhard Kilmer, der Buchautor und Ex-Spitzenbeamte im bayerischen Finanzministerium Wilhelm Schlötterer und der FR-Redakteur Matthias Thieme der seit Monaten immer wieder über den Fall der hessischen Steuerfahnder berichtet, von denen sicherlich der eine oder andere auch selbst anwesend sein wird.

Ab 20.00 Uhr referiert dann in Dülmen im Münsterland, Guido Strack, der Vorsitzende des Whistleblower-Netzwerk e.V., zum Thema: Wieviel Zivilcourage braucht/verträgt unsere Gesellschaft? Korruption, Gesetzesbrüche, Vertuschungen und andere Missstände am Arbeitsplatz - gibt es Schutz und Hilfe für couragierte Mitarbeiter? Die vom Sozialen Seminar Dülmen organisierte Veranstaltung findet statt im:  Evangel. Gemeindezentrum, Königswall 7, 48249 Dülmen.

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Sawicki muss gehen

IQWiG-Chef Peter Sawicki muss jetzt also doch gehen. Manchmal reicht es halt einfach schon aus, wenn jemand seinen Job zu gut macht, unbequeme Wahrheiten aufdeckt und so ganz nebenbei gleichsam zum Whistleblower wird.

Bundesgesundheitsminister Rösler griff nicht ein und ist Whistleblower-Netzwerk e.V. übrigens bis heute auch noch eine Antwort auf unser Schreiben vom 1.Dezember 2009 schuldig geblieben. Aber wahrscheinlich wird er unsere Anregungen für mehr Whistleblowerschutz in der Pharmaindustrie jetzt um so bereitwilliger aufgreifen, denn schließlich lag es ja nur an einer Dienstwagenaffäre das Sawicki seinen Hut nehmen muss und Rössler wird genau dies der Opposition beweisen, in dem er sich jetzt zum Wohle der Patienten zum Pharmakritiker weiterentwickelt und deren Lobbyisten aus seinem Ministerium rauswirft.

Oder sollte der Fall Sawicki nur ein weiteres Bespiel für die Mövenpick-Politik der FDP sein?

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Untersuchungsausschuss zur Steuerfahnderaffäre

Die Affäre um die hessischen Steuerfahnder rund um unser Mitglied und den Whistleblowerpreisträger 2009 Rudolf Schmenger führt, nicht zuletzt dank der stetigen Berichterstattung vor allem der Frankfurter Rundschau,  jetzt bereits zum zweiten Mal zu einem Untersuchungsausschuss im Hessischen Landtag. Whistleblower-Netzwerk e.V. dokumentiert den Antrag der Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen im Wortlaut und wünscht viel Spaß bei der Aufklärung dieser Episode des  Hessen-Sumpfs.

Zu bedenken ist allerdings, dass auch diesmal wieder das geltende Recht der Aufklärung entgegensteht. Beamte die vor dem Ausschuss als Zeugen aussagen wollen, bedürfen nämlich, in Hessen wie überall in Deutschland,  noch immer einer Aussagegenehmigung ihres Dienstherren. Da sich dort allerdings das Aufklärungsinteresse  in Grenzen halten wird, darf man gespannt sein, ob der Ausschuss anders als beim letzten Mal diesmal der Angelegenheit wirklich auf den Grund gehen wird. Spannend dürfte es auch werden, ob die hessische FDP der Aufklärung oder der Vassallentreue gegenüber Herrn Koch den Vorrang einräumen wird.

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Whistleblower bei Wiesenhof

Gestern Abend berichtete Report Mainz über vielfache gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz auf den Eltern-Hühnerfarmen des selbst ernannten Vorzeigezunternehmen Wiesenhof. Der Begriff Whistleblowing tauchte dabei nicht auf. Aber hören wir doch einmal was die Hinweisgeberin, dank deren couragiertem Handeln die Öffentlichkeit überhaupt erst auf die Verstöße aufmerksam wurde, dazu zu sagen hatte:

O-Ton, Kerstin Wessels:
»Wir haben auf so viele Missstände aufmerksam gemacht, und es ist nie irgendetwas passiert, wir sind immer hingehalten worden, das macht einfach böse, das macht schlicht und ergreifend böse.«
Deshalb kündigen sie nach kurzer Zeit. Dokumentieren aber, bis sie die Farm entgültig verlassen, die Zustände mit versteckten Kameras.

O-Ton, Kerstin Wessels: »Wir haben auf so viele Missstände aufmerksam gemacht, und es ist nie irgendetwas passiert, wir sind immer hingehalten worden, das macht einfach böse, das macht schlicht und ergreifend böse.«

Deshalb kündigen sie nach kurzer Zeit. Dokumentieren aber, bis sie die Farm entgültig verlassen, die Zustände mit versteckten Kameras.

Aha, also auf interne Meldungen von Missständen wurde nicht reagiert und ins rollen kommt alles erst im Nachhinein als Peta und Report sich der Sache annehmen. Und was sagt Wiesenhof jetzt dazu:

»Das Unternehmen wird neben eigenen Kontrollen der Elterntierfarmen und Kontrollen durch unabhängige Zertifizierungsfirmen umgehend zusätzliche unangemeldete Kontrollen durch den Tierschutzbeauftragten der PHW-Gruppe veranlassen.«

Klingt doch gut, Kontrollen! Aber, die PHW-Gruppe ist die Mutter von Wiesenhof und die Zertifizierungsfirmen werden in ihrer Unabhängigkeit wohl kaum anders zu beurteilen sein, als Rating-Agenturen bei den Banken, schließlich werden auch sie ja von Wiesenhof bezahlt und wollen wohl auch in Zukunft noch Aufträge haben. Selbstkontrolle ist doch immer noch die schönste Kontrolle (s.o.) und von wegen Unabhängigkeit! Aber immerhin ist sie bei einigen NGOs und Medien ja noch ab und an spürbar.

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Zivilcourage am Arbeitsplatz? – Gründungsaufruf Selbsthilfegruppe Köln

Zivilcourage am Arbeitsplatz zeigen, Kritik richtig äußern und auf Missstände so hinweisen, dass diese und nicht die eigene Karriere ein Ende finden, ist risikoreich und erfordert Mut. Aber auch Wegsehen ist, spätestens wenn sich Missstände wiederholen und verschärfen oder sich das eigene Gewissen rührt, für Beobachter keineswegs unproblematisch. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen die vor der schwierigen Entscheidung stehen, was sie tun sollen, oder jene die nach ihrem Whistleblowing Repressalien erleiden, bisher oft keine Ansprechpartner oder gar Unterstützer haben.

Zumindest letzteres soll sichin Köln durch die Gründung einer Selbsthilfegruppe jetzt ändern. Unter demTitel „Zivilcourage am Arbeitsplatz?“ laden die Selbsthilfe-Kontaktstelle Köln des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (Tel.: 0221/951542-16) und Whistleblower-Netzwerk e.V. für Dienstag den 26. Januar 19:00 Uhr, Marsilstein4-6 zum Gründungstreffen einer Selbsthilfegruppe ein.

In einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung und unter Wahrung der Anonymität besteht in der Gruppe die Möglichkeit los zu werden, was auf der Seele brennt, vor Zuhörern, die dies auf Grund eigener Erfahrungen nachvollziehen können. Außerdem bietendie Teilnehmer einander, in dem sie über sich und ihre eigenen Erfahrungen sprechen, einen Kreativitäts- und Ideenpool, aus dem ohne Bevormundung Lösungsansätze für die geeignete Vorgehensweise gewonnen werden können. Es geht um Unterstützung und Solidarität, damit jeder die Möglichkeit hat, seine ‚Batterien’ wieder auftanken zu können, die durch den Konfliktherd Arbeitsplatz zerschlissen werden.

Zum Einladungsflyer
Die Teilnahme an dem Gründungstreffen der Selbsthilfegruppe ist ausschließlich Betroffenen vorbehalten.

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