EGMR stärkt Informantenschutz
Mit seiner heutigen Entscheidung im Fall Tillack hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein deutliches Zeichen für die Stärkung des Informatenschutzes gesetzt, in dem er die auf Anregung der EU-Antibetrugsbehörde OLAF von der Belgischen Polizei im Jahre 2004 durchgeführten Haus- und Bürodurchsuchungen und Beschlagnahmen beim Brüsseler STERN Journalisten wegen Verstoßes gegen Artikel 10 der EMRK für rechtswidrig erklärte. Zugleich erteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg damit den Gerichten der Europäischen Union in Luxembourg und der belgischen Justiz eine Lektion in Sachen Menschenrechtsschutz, diese hatten entsprechende Klagen von Herrn Tillack zuvor stets zurückgewiesen.
In der englischen Fassung der offiziellen Pressemitteilung des Gerichts heißt es wörtlich:
“The Court reiterated that the press played an essential role in a democratic society and that the protection of journalistic sources was a basic condition for press freedom.
In the applicant’s case the Court considered that the searches in question had amounted to interference with the applicant’s right to freedom of expression. The interference had been provided for in the Belgian Code of Criminal Procedure and pursued the legitimate aim of preventing disorder and crime, as well as preventing the disclosure of information received in confidence and protecting the reputation of others.
As to whether the interference had been “necessary in a democratic society”, the Court noted, among other things, that it was evident that, at the time when the searches took place, their purpose had been to identify the source of the information reported by the applicant in his articles. The measures had therefore concerned the protection of journalistic sources.
That being so, the Court emphasised that a journalist’s right not to reveal her or his sources could not be considered a mere privilege to be granted or taken away depending on the lawfulness or unlawfulness of their sources, but was part and parcel of the right to information, to be treated with the utmost caution, even more so in the applicant’s case, where he had been under suspicion because of vague, uncorroborated rumours, as subsequently confirmed by the fact that he had not been charged. The Court also took into account the amount of property seized.
Lastly, the Court considered that although the reasons given by the Belgian courts were “relevant”, they could not be considered “sufficient” to justify the impugned searches. It accordingly found that there had been a violation of Article 10 and declared the remainder of the application inadmissible.”
Am 23. Dezember 2008 um 10:47 Uhr
[...] Da sich auch die EU-Justiz in einigen Fällen als unwillig bzw. unfähig erwiesen hat, die Tätigkeit von OLAF zu kontrollieren, wirksame Sanktionen gegen interne Korruption zu verhängen oder auch nur Whistleblower zu [...]
Am 16. März 2009 um 11:05 Uhr
[...] Bei der Beantwortung der Frage was seither geschah, fällt auf, dass zwischenzeitlich der Europäische Gerichtshof, obwohl er Fehlverhalten der damaligen Kommissarin Cresson festgestellt hatte, deren Bestrafung durch die Kommission aufhob, während Marta Andreasen, eine andere Whistleblowerin, die auf Missstände in der Kommission aufmerksam machte, von der Kommission entlassen wurde und das EU-Gericht für den öffentlichen Dienst diese Entlassung auch aufrecht erhielt. Paul v. Buitenen selbst wurde zwar 2004 ins Europaparlament gewählt wird aber zur diesjährigen Wahl erst gar nicht mehr antreten und zieht eine ernüchternde Bilanz seiner Bemühungen um mehr Transparenz und effektivere Korruptionsbekämpfung innerhalb der EU-Institutionen. Vernichtend fällt auch sein Urteil über OLAF, das in der Folge der Ereignisse im Jahre 1999 gegründete Europäische Amt für Betrugsbekämpfung, aus: “The fight against internal EU fraud by the EU anti-fraud office OLAF fails completely”. Einen Namen gemacht hat sich OLAF hingegen durch sein ungesetzliches Vorgehen gegen den Stern-Journalisten Hans Martin Tillack, dem ohne Anhaltspunkte vorgeworfen wurde EU-Beamte durch Geldzahlungen zur Weitergabe von Informationen bewegt zu haben. Tillack musste nach erfolglosen Verfahren vor belgischen und EU-Gerichten bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen um Recht zu bekommen. [...]